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Stadt Hannover Üstra-Busfahrer wegen Unfallflucht verurteilt
Aus der Region Stadt Hannover Üstra-Busfahrer wegen Unfallflucht verurteilt
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00:23 01.09.2018
Verteidiger Martin Berkemeier versuchte vergeblich, Barhan S. (r.) den Entzug seiner Fahrerlaubnis zu ersparen. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Ein Busfahrer der Üstra ist am Mittwoch vom Amtsgericht Hannover wegen fahrlässiger Körperverletzung in drei Fällen und Unfallflucht verurteilt worden. Durch ein heftiges Bremsmanöver von Barhan S. hatten sich im März dieses Jahres drei Fahrgäste in einem Bus der Linie 124 in Wülfel verletzt. Nachdem sie das Fahrzeug an der Haltestelle Dorfstraße verlassen hatten, erkundigte sich der 49-Jährige zwar kurz nach ihrem Befinden, fuhr dann aber weiter. Üstra-Leitstelle, Polizei oder Rettungskräfte informierte er nicht. Amtsrichter Jens Buck verurteilte den Busfahrer zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 50 Euro sowie einem Entzug seiner Fahrerlaubnis für sechs Monate; diese Sanktionen waren auch schon Bestandteil eines Strafbefehls, gegen den der Fahrer Einspruch eingelegt hatte. Ob die Üstra den Familienvater, der zwei kleine Kinder hat, nun entlassen wird, ist noch offen.

An der Haltestelle Dorfstraße der Linie 124 stiegen die verletzten Fahrgäste aus. Quelle: Michael Zgoll

Das Unglück ereignete sich an einem Freitagnachmittag auf der Straße Am Mittelfelde. Der Bus rollte von der Eisenbahnbrücke in Richtung Hildesheimer Straße, kurz hinter der Claudiusstraße bemerkte S. einen silbernen Wagen, der nach links zum Aldi-Markt abbiegen wollte. Laut seiner Aussage setzte sich dieser in Bewegung, stoppte dann aber wieder abrupt, um einen aus der Gegenrichtung kommenden Radfahrer passieren zu lassen.

Um einen Auffahrunfall zu vermeiden, machte S. eine Vollbremsung. Eine 46-Jährige stürzte daraufhin so unglücklich, dass sie sich eine Rippe brach und später ins Krankenhaus gebracht werden musste, ein vierjähriges Kind zog sich Beulen am Kopf zu, eine andere Frau prellte sich ein Handgelenk. Als Barhan S. an der Haltestelle darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sich Fahrgäste verletzt hatten, stieg er aus und fragte nach. „Es hat aber niemand nach einem Krankenwagen verlangt, darum bin ich dann weitergefahren“, sagte der Angeklagte. Er gab zu, in dieser Sache „viel falsch gemacht“ zu haben, und entschuldigte sich mehrmals bei den Fahrgästen.

„Eines Busfahrers nicht würdig“

Richter Buck sagte in der Urteilsbegründung, der Busfahrer habe schlichtweg zu wenig Abstand zu dem Linksabbieger gehalten, die Gefahrbremsung sei kein unabwendbares Ereignis gewesen. S. hätte auch nicht darauf spekulieren dürfen, was der Autofahrer wohl als nächstes tue: „Der Fahrer eines Busses hat nun einmal eine besondere Verantwortung.“ Allerdings sei der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung „am untersten Rand“ angesiedelt, so Buck. Schwerer wiege die Reaktion von S. nach dem Beinahe-Zusammenstoß. Als er sich nicht weiter um die Verletzten gekümmert und niemanden informiert habe, sei er offenbar nicht Herr seiner Sinne gewesen: „Dieses Verhalten war eines Busfahrers nicht würdig.“

Verteidiger Martin Berkemeier versuchte vergeblich, eine Einstellung des Verfahrens – gekoppelt mit Zahlung einer Geldbuße – zu erwirken. „Für meinen Mandanten ist der Entzug der Fahrerlaubnis existenziell, damit droht ihm der Verlust seines Arbeitsplatzes“, erklärte der Anwalt. Doch hier sah das Gericht keinen Spielraum, auch wenn Jens Buck noch einige Pluspunkte zugunsten des Angeklagten ins Feld führte. Der 49-Jährige, der seit viereinhalb Jahren am Steuer von Üstra-Bussen sitzt, habe sich bisher noch nie etwas straf- oder verkehrsrechtlich Relevantes zuschulden kommen lassen und sich nun auch ausgiebig mit dem Unglück auseinandergesetzt. „Insofern wünsche ich ihm, dass die Üstra nach Prüfung des Geschehens zu dem Entschluss kommt, ihn weiter zu beschäftigen“, sagte der Richter.

Die Üstra, so sagte Sprecherin Katja Raddatz auf Anfrage, entlasse einen Mitarbeiter nach einer strafrechtlichen Verurteilung keinesfalls automatisch. Der Einzelfall werde sehr genau geprüft, auch das berufliche Vorleben und die familiäre Situation würden berücksichtigt. Denkbar sei auch, einen derartigen Mitarbeiter auf einen anderen Posten zu versetzen. Im konkreten Fall von S. müsse man aber eh erst einmal abwarten, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Tatsächlich möchte der Verteidiger in Berufung gehen, da er die Bestrafung seines Mandanten für völlig unverhältnismäßig hält.

Von Michael Zgoll

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