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„Virus hat ganze Familien ausgelöscht“

Freiwillige Hilfe gegen Ebola in Afrika „Virus hat ganze Familien ausgelöscht“

Ebola ist in den Nachrichten auf die hinteren Ränge gerückt, andere Unglücke und Katastrophen beherrschen jetzt die Schlagzeilen. Dabei fordert die gefährliche Viruserkrankung Woche für Woche weitere Opfer. Gleichzeitig arbeiten Freiwillige in den am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone, um als Ärzte, Krankenpfleger oder Hygieniker vor Ort zu helfen. Eine von ihnen ist Barbara Fahl, Krankenpflegerin der DRK-Schwesternschaft im Clementinenhaus.

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Foto: Barbara Fahl arbeitet eigentlich bei der DRK-Schwesternschaft im Clementinenhaus – seit zweieinhalb Wochen hilft sie beim Kampf gegen Ebola in Sierra Leone.

Hannover. Seit zweieinhalb Wochen arbeitet sie in dem Ebola-Behandlungszentrum in Kenema im Südosten Sierra Leones, der drittgrößten Stadt des Landes mit rund 155.000 Einwohnern.

Für die 55-Jährige ist es der dritte Auslandseinsatz - nach zwei Aufenthalten als OP-Schwester auf Haiti 2010, als ein verheerendes Erdbeben große Teile des Landes verwüstete. Angst, sich mit dem gefährlichen Virus zu infizieren, hat Barbara Fahl nicht, „aber Respekt“, sagt sie.

Vor ihrem Abflug absolvierte die Mutter einer 34-jährigen Tochter einen zweitägigen Intensivkurs von Deutschem Roten Kreuz und Missionsärztlichem Institut in Würzburg, in Kenema schloss sich eine dreitägige Einarbeitung an. Dort betreibt die Internationale Förderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften in Zusammenarbeit mit dem DRK ein Ebola-Behandlungszentrum mit 60 Plätzen.

Wichtigstes Ziel ist es, die Erkrankten zu isolieren und zu behandeln. Seit der Eröffnung im September 2014 wurden dort mehr als 500 Patienten therapiert, landesweit sind seit Ausbruch der Seuche mehr als 9000 Menschen erkrankt. Barbara Fahl berichtet von einer sehr guten Zusammenarbeit zwischen den 100 örtlichen Mitarbeitern des Roten Kreuzes in Sierra Leone und den rund 40 internationalen Helfern.

„Die Temperaturen von 40 Grad Celsius und die hohe Luftfeuchtigkeit machen allen hier zu schaffen. Deshalb können wir nicht länger als eine Stunde täglich mit der Schutzausrüstung arbeiten, allein wegen des Flüssigkeitsverlusts“, schreibt Fahl via E-Mail. Sie ist dort für die Grundversorgung der Patienten zuständig. Für Rotkreuzschwestern gehören Auslandseinsätze zu ihren vertraglich vereinbarten Aufgaben. Während ihres Einsatzes wird die Krankenschwester vom DRK-Krankenhaus in Hannover freigestellt.

In Kenema sei die Lage noch vergleichsweise gut, andere Regionen wie Freetown mit wesentlich mehr Erkrankten würden mittlerweile von Kollegen aus Kenema unterstützt. „Das Virus hat hier ganze Familien ausgelöscht“, schreib Barbara Fahl weiter. Die Waisenkinder würden von ihren Verwandten aufgenommen und versorgt, „das ist hier kulturell üblich“. Die Bevölkerung in der Region lebe in sehr einfachen Verhältnissen, nicht alle Familien hätten Strom, und Wasser sei nur über zentrale Zapfstellen verfügbar.

Die Krankenschwester berichtet von einer Familie mit zwei Kindern im Behandlungszentrum. Die Mutter habe die Infektion nicht überlebt, und der Vater sei zu schwach, um die Versorgung seiner einmonatigen Tochter zu übernehmen. „Für uns bedeutet das, dass wir bei jedem Durchgang die Kleine versorgen. Ich kann Ihnen versichern, es geht ihr gut.“ Sie sei fieberfrei und habe sich sehr wahrscheinlich nicht mit Ebola infiziert. Ihrer größeren Schwester gehe es ebenfalls besser. „Es ist immer eine Freude, wenn die Patienten geheilt entlassen werden können“, berichtet Fahl. Als Motiv für ihren Einsatz nennt sie „die Liebe zum Menschen“.

Bis Mitte Januar bleibt Barbara Fahl in Sierra Leone, zurück in Deutschland wird sie noch 21 Tage in einem Nachsorgeverfahren betreut - so lange dauert die Inkubationszeit von Ebola. In dieser Zeit wird sie auch einen Abschlussbericht über ihren Einsatz schreiben. Dann ist noch eine Woche Urlaub geplant, ehe sie Mitte Februar ihren Dienst im Clementinenhaus wieder aufnimmt.

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