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Stadt Hannover Autorin spricht über ihr neues Kinderbuch
Aus der Region Stadt Hannover Autorin spricht über ihr neues Kinderbuch
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08:24 28.02.2017
Von Jutta Rinas
Beginn einer neuen Reihe: Die Kinderbuchautorin Nina Weger mit ihrem aktuellen Buch. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Frau Weger, „Club der Heldinnen“ heißt Ihr neuestes Buch, der Auftakt zu einer Reihe für Mädchen. Flo, straßenköterblonde Haare, unförmige Sweatshirts, ist ihr Aussehen ziemlich egal. Aber: Müsste sie als typisches Mädchen von heute nicht eher bauchfreien Pulli und Sneakers tragen? So sehen die meisten Mädchen heute doch aus.

Es gibt im ‚Club’ auch Cilly und Lilly, die tragen Markenklamotten. Aber sie sind auch im Kopf auf Zack, Spezialistinnen für Laser- und Elektrotechnik. Das ist mir viel wichtiger. Bei zehn-, elfjährigen Mädchen finde ich Modebewusstsein eigentlich schrecklich. Da muss es darum gehen, beim Spielen Grenzen auszutesten. Es muss egal sein, ob man ein Loch in der Hose hat oder nicht.

Wie finden Sie Ihre Figuren?

Das ist bei diesem Buch witzig. Ich hatte eine andere Idee und schon alles geklärt. Dann habe ich im Verlag erwähnt, dass ich immer schon mal ein Buch schreiben wollte, in dem meine Kindheitshelden Mädchen sind. In dem eine Rittertochter vorkommt, die wie Prinz Eisenherz, oder ein Indianermädchen, das wie Winnetou ist. Da meinten im Verlag alle auf Anhieb: Schreib das!

Wie wird aus so einer Idee ein Club der Heldinnen?

Für Pina zum Beispiel, mein Indianermädchen, habe ich meine alten Indianerbücher wieder herausgeholt, geguckt, was es Neues gibt, Fachbücher, Biografien gewälzt. Ich habe versucht herauszufinden, was die Tugenden der Indianer sind. So bin ich auf Sequoyah gestoßen, den Erfinder der Schrift der Cherokee, dessen Nachfahre Pina jetzt ist. In seiner Schrift erschien sogar eine Zeitung für Indianer. Ich dachte: Das ist ein gutes Vorbild.

Wie wird aus dem Cherokee-Indianer ein Mädchen von heute?

Ich überlege, wie sich ein Mädchen aus so einem Stamm heute verhalten würde. Natürlich sind die Figuren klischeebesetzt. Aber das ist bei Winnetou oder Eisenherz auch so. Damit muss man spielen.

Manche Schriftsteller kleben Blätter an die Wände, auf denen sie Figuren bis ins Detail skizzieren. Wie ist das bei Ihnen?

Ich arbeite die Charaktere auch sehr detailliert aus. Ich habe beim Schreiben immer den Lageplan des Internats vor Augen, die Stundenpläne der Mädchen weiß ich genau. Vieles, was ich mir als fiktive Biografie erdenke, steht am Ende gar nicht im Buch.

Sagen Sie mal ein Beispiel ...

Im ersten Band des Clubs wird Pinas Großmutter erwähnt. Die Eltern nicht. Die sind schon tot. Das wird aber nicht thematisiert. Vielleicht spielt es im zweiten Band eine Rolle.

Ihre Reihe spielt im Internat. Warum finden Mädchen Internatsgeschichten so toll?

Harry Potter mögen auch Jungen.

Aber Internatsgeschichten für Mädchen haben eine längere Tradition: „Hanni und Nanni“ etwa ist ein Klassiker.

Das Internat ist ein elternfreier Raum. Da kann man die fiktiven Kinder viel besser aufeinander beziehen. Das Internat bildet fast den Gegenpol zu den überbehüteten Kindern von heute. Da können sich Mädchen in brenzlige Situationen bringen - und helfen sich allein wieder raus.

Apropos Mädchen. Zehn-, Elfjährige tragen heute häufig ein Kleidungsstück, das es früher gar nicht gab: das Mädchenbustier.

Ja, stimmt. Das ist so eine Art BH für Mädchen, bei denen körperlich eigentlich noch gar nichts ist. Ich glaube, dass sie so etwas tragen, hat mit einer neuen Prüderie zu tun.

Woran machen Sie sie fest?

Nehmen Sie den Kinderzirkus Giovanni, den ich leite. Da fahren wir einmal im Jahr an die Ostsee. Früher war es selbstverständlich, dass Mädchen und Jungen zwar geschlechtergetrennt, aber in zwei Gruppen zusammen duschten. Heute gibt es Mädchen, die allein duschen. Sie wollen sich nicht einmal vor anderen Mädchen zeigen. Und mein Sohn, heute 17, erzählte, als er in den Fußballverein kam, dass die Jungen alle in Unterhose duschen.

Warum?

Ja, warum? Auf der einen Seite gibt es eine absolute Sexualisierung, eine Überflutung von Nacktheit im Internet. In Zeiten von Photoshop kommt der Zwang dazu, einem perfekten Bild zu entsprechen, einem Bild, das bis in intimste Zonen reicht. Ich denke, die Prüderie ist eine Gegenbewegung dazu. Die Mädchen spüren den Druck und wollen sich verhüllen.

Könnten Trainer, wie im Falle Ihres Sohnes, nicht Einfluss nehmen?

Nein, das ist auch kompliziert. Wenn ein Trainer fordern würde, dass alle Jungen nackt duschen, weil alles andere albern ist, käme er leicht in die Nähe von Missbrauchsverdächtigungen. Wir gehen heute einfach sehr verkrampft mit dem Thema um.

Studien zeigen, dass Mädchen sich heute schon im Grundschulalter über ihr Aussehen definieren. Sie haben mittlerweile bessere Noten als Jungen und wollen immer noch nicht Astronautinnen werden.

Deshalb sind Vorbilder so wichtig. Ich war früher gegen die Quote. Heute bin ich dafür. Mädchen brauchen Identifikationsfiguren. Frauen, die Google-Chefinnen oder Weltraumfahrerinnen sind.

Sollen Flo, Pina und Blanca aus Ihrem Buch auch Vorbilder sein? Immerhin sind sie Mädchen mit besonderen Fähigkeiten: wagemutige Nachfahrinnen von Piraten, Indianern oder Kosmonauten ...

Sie sollen zeigen, dass man schwierige Situationen lösen kann. Dass es sich lohnt, seine Angst zu überwinden. Man muss manchmal auch durch Dreck kriechen, aber am Ende winkt ein Schatz. Wenn das ankäme, wäre es schon was.

Zur Person

Nina Weger ist in Hannover für zweierlei bekannt: für ihre Kinderbücher, die sie seit 2012 veröffentlicht, und für den Kinderzirkus Giovanni, den sie seit 2005 leitet. Die heute 46-jährige Mutter zweier Kinder, eines Sohnes und einer Tochter, wurde am 23. November 1970 im hessischen Hofgeismar geboren. Einen Großteil ihrer Jugend verbrachte sie selbst im Kinderzirkus Giovanni, den ihr Vater, ein Wettberger Pastor, in den Achtzigerjahren in Hannover gegründet hatte.  
1997 machte sie sich als Drehbuchautorin selbstständig und schrieb für Fernsehserien wie „Edel & Starck“ und „Notruf Hafenkante“. 2012 erschien ihr erstes Kinderbuch „Helden wie Opa und ich“ im Oetinger-Verlag, bekannt sind auch die beiden „Saubande“-Bände und „Ein Krokodil taucht ab“. Mit „Der Club der Heldinnen. Entführung im Internat“ (208 Seiten, 9,99 Euro) startet sie ihre erste Mädchenbuchreihe im Oetinger-Verlag.

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