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Stadt Hannover Wenn Helfer Hilfe brauchen
Aus der Region Stadt Hannover Wenn Helfer Hilfe brauchen
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06:00 18.05.2017
Jeder Retter verarbeitet schreckliche Einsätze wie das Bahnunglück in Eilvese anders. Damit das gelingt, gibt es spezielle Angebote. Quelle: Christian Elsner
Hannover/Eilvese

Etwa 100 Helfer waren im Einsatz, sie alle verarbeiten die Geschehnisse anders. Aber auch ihnen stehen - wie bei dem Unfall in Eilvese - Seelsorger, speziell ausgebildete Kollegen, zur Seite.

Bild der Verwüstung

David Hilpert war am Montag Einsatzleiter und beschreibt den Unfallort als „Bild der Verwüstung“. Zuerst hieß es, es habe einen Unfall mit einem Zug gegeben. Nachdem die zuerst eintreffende Rettungswagen-Besatzung eine erste Einschätzung der Lage abgab, wurde der Alarm heraufgestuft: Massenanfall von Verletzten. 60 Feuerwehrleute waren letztlich am Einsatzort in Eilvese, dazu sieben Rettungswagen, zwei Notärzte, ein Leitender Notarzt und drei Notfallseelsorger.

Die Arbeit der Betreuer geschieht eher im Hintergrund, ist aber sehr wichtig. „Wir sind alle keine Roboter oder Maschinen“, sagt Nicole Frädermann, sogenannte kollegiale Ansprechpartnerin in der Rotkreuz-Rettungswache Neustadt. Sie hört immer dann zu, wenn Kollegen reden wollen. „Jede Einsatzkraft trägt ein gewisses Buch an Erlebnissen mit sich herum“, sagt sie. Und das könne mitunter heftige Reaktionen auslösen. Frädermann: „Zum Beispiel kann ein Helfer finden, das Opfer habe Ähnlichkeit mit seiner Ehefrau.“ Sobald Kinder in Unfälle involviert seien, gehe das ebenfalls vielen sehr nahe.

Dass sich bereits die Ungewissheit bei der Anfahrt auswirkt, beschreibt Thomas Neumann. „Wir haben uns große Sorgen gemacht“, sagt der Notfallsanitäter. Einige mussten an die ICE-Katastrophe in Eschede 1998 denken. Matthias Siegel, DRK-Bereitschaftsleiter in Neustadt und in Eilvese im Einsatz, sagt: „Bei manchen Vorfällen hast du sofort wieder Gerüche und Farben von anderen Einsätzen im Sinn.“ Der 48-Jährige fühlte sich automatisch an den Suizid von Hannover-96-Torwart Robert Enke erinnert - der Nationalspieler und Kapitän der „Roten“ starb fast an der selben Stelle.

Friedrich Kanjahn ist einer der drei Notfallseelsorger, die in Eilvese die Betreuung übernahmen. „Meine Kollegin hat sich sofort um den Lokführer gekümmert“, sagt der 58-jährige Pastor der Kirchengemeinde Mardorf-Schneeren. „Ausgerechnet an dem Tag saß auch noch ein Auszubildender neben ihm.“ Kanjahn und ein Kollege übernahmen währenddessen die Betreuung der Bahnreisenden. „Im ersten Moment haben wir uns als Ruhepol verstanden.“ Wenig später wollten auch die Baustellenmitarbeiter das Erlebte verarbeiten, noch am Abend meldete sich eine der beiden Schulklassen aus dem Zug.

Nicht jeder muss alles sehen

Notfallsanitäter Neumann gehörte zum Team des Notarzteinsatzfahrzeugs, das zuerst am Unfallort eintraf und den Tod des 59-jährigen Lkw-Fahrers feststellen musste. An Bord war auch die Auszubildende, sie hatte zuvor noch nie eine Leiche gesehen. „Jeder reagiert anders“, sagt Neumann. Die 21-Jährige sei erst später behutsam und unter Begleitung herangeführt worden. Ohnehin wurden die meisten Retter vom Toten ferngehalten. „Nicht jeder muss alles sehen“, sagt Einsatzleiter Hilpert.

Das Schwierige an der Arbeit der Seelsorger ist, zu sehen, wer Hilfe braucht. „Jede Form von Reaktion auf solche Ereignisse ist erst einmal normal, sagt DRK-Bereitschaftsleiter Siegel. „Problematisch wird es, wenn der Zustand länger als ein paar Tage anhält.“ Die Helfer aller Organisationen kamen seit Montag bereits zu Treffen zusammen, weitere sind jederzeit möglich. „Früher musste jeder für sich mit den Erlebnissen fertig werden“, sagt Feuerwehrmann Hilpert. „Das ist heutzutage zum Glück nicht mehr so.“

Von Peer Hellerling

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