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Stadt Hannover Behörden erhöhen Druck auf die Hells Angels in Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Behörden erhöhen Druck auf die Hells Angels in Hannover
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22:37 28.11.2010
Musik aus, Licht an – in der „Sansibar“ musste die Party am Freitag während des einstündigen Polizeieinsatzes unterbrochen werden. Quelle: Tim Schaarschmidt

Die Behörden erhöhen offenbar den Druck gegen die Rocker der Hells Angels in Hannover. Nur eine Woche nach der groß angelegten Drogenrazzia in der Reitwallstraße stürmten sie am Freitag das Herzstück des von den „Höllenengeln“ kontrollierten Steintorviertels – die „Sansibar“. Mitgesellschafter dieses Klubs ist nach eigenen Angaben Frank Hanebuth, Hannovers Chef des besagten Motorradklubs.

Gegen 23.15 Uhr verschafften sich Zollbeamte in Begleitung von maskierten Kollegen der Bereitschaftspolizei Zugang zum Klub. Auf der bereits gut gefüllten Tanzfläche angekommen, gaben sie Order, sofort die Musikanlage ab- und das Licht im Saal anzuschalten. Die Party war damit vorerst zu Ende. Weitere vermummte Polizisten riegelten Haupt- und Seiteneingang des Klubs ab. „Es handelte sich um eine verdachtsunabhängige Kontrolle im Bezug auf Schwarzarbeit“, erklärte Zollsprecher Hans-Werner Vischer.

Gleichzeitig drangen Zollfahnder, die ebenfalls von maskierten Polizisten unterstützt wurden, in das benachbarte Restaurant „Little Italy“ ein. Die Immobilie gehört Hanebuths Anwalt Götz von Fromberg. In dessen Kanzlei hatten die jahrelang verfeindeten Rocker der Hells Angels und der Bandidos im Mai öffentlichkeitswirksam ihren Frieden geschlossen. In dem Restaurant wurden alle Angestellten überprüft – unter den Augen der Gäste, die in dem italienischen Gastronomiebetrieb unter anderem ihre Weihnachtsfeier abhalten wollten.

Hells-Angels-Chef Hanebuth schäumte vor Wut: „Die können hier ja ruhig kontrollieren, der Zoll muss schließlich seine Arbeit machen, aber doch nicht in dieser Art und Weise“, schimpfte er. Vor der „Sansibar“ versammelten sich sofort Schaulustige. „Wird hier der ,Tatort‘ gedreht?“, wollte ein Mann wissen. „Ist hier jemand ermordet worden?“, fragte eine Gruppe jugendlicher Mädchen.

Eine gute Stunde lang hielten sich die Schwarzarbeit-Fahnder in den beiden Steintor-Etablissements auf. Dann zogen die 18 Zoll- und die 16 Polizeibeamten wieder ab und statteten der Diskothek „Zaza“ am Raschplatz noch einen Besuch ab. Die Bilanz der Razzia: 31 Menschen wurden zu ihren Arbeitsverhältnissen befragt. In 18 Fällen stießen die Ermittler auf Ungereimtheiten. So besteht bei acht Angestellten der Verdacht, dass sie gar nicht oder nur unzureichend bei der Sozialversicherung gemeldet sind.

In sechs weiteren Fällen haben die Zollfahnder offensichtlich Ansatzpunkte dafür gefunden, dass die Mitarbeiter neben ihrem Lohn auch staatliche Unterstützung, beispielsweise Hartz IV beziehen. Darüber hinaus ermitteln die Behörden noch in je einem Fall wegen des Verdachts der Scheinselbständigkeit, des Verdachts des Verstoßes gegen den gesetzlichen Mindestlohn, wegen illegaler Arbeitnehmerüberlassung und Arbeitens ohne Aufenthaltserlaubnis. „Wir sind mit dem Ergebnis der Kontrolle zufrieden, erklärte Zollsprecher Vischer.Die möglicherweise aufgedeckten Gesetzesverstöße wollte er nicht den einzelnen Etablissements zuordnen. „Nur so viel: Wir sind überall auf etwas gestoßen“, sagte Vischer. Die Auswertung der Razzia werde noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Die Besucher der Amüsiermeile waren gespaltener Meinung über den Polizeieinsatz. „Meiner Ansicht nach wäre es auch unauffälliger gegangen, so hat man den Eindruck, als gäbe es hier ständig Ärger“, sagte der 23-jährige Marc. Sein Bekannter Thomas widerspricht: „Die Polizei soll hier ruhig mal zeigen, wer Herr im Haus ist“, sagte der 31-Jährige.

Tobias Morchner

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