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Stadt Hannover Bei dieser Konzertreihe besucht man fremde Wohnzimmer
Aus der Region Stadt Hannover Bei dieser Konzertreihe besucht man fremde Wohnzimmer
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16:55 29.08.2017
Wasserklare Eleganz: Antje und Wolfgang Hoffmann öffnen ihr schönes Wohnzimmer für ein Konzert. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Hell. Schlicht. Schön. Diese drei Attribute fallen einem als Erstes ein, wenn man die Wohnung von Antje und Wolfgang Hoffmann in der List betritt. Die wandhohen Fenster, die Lampe in der Ecke, die Sessel, die offene Küche - alles ist von wasserklarer Eleganz. Aber nicht kalt. Ein Platz zum Wohlfühlen. Und diesen Platz teilen die Hoffmanns - sie Medizinerin, er Jurist - gern mit anderen. Mit dem Bruder von Antje Hoffmann, der bei ihnen lebt, sowieso. Mit Freunden auch. Und jetzt sogar mit Fremden. Antje und Wolfgang Hoffmann öffnen ihr Wohnzimmer für ein Konzert im Rahmen des hannoverschen Salonfestivals.

Das Salonfestival ist eine kleine, feine Kulturinitiative, die in 13 Städten Konzerte, Lesungen und Vorträge auf die Beine stellt, im privaten oder halbprivaten Rahmen und ganz ohne öffentliche Förderung. In Hannover sorgt Organisatorin Ulrike Groffy seit vier Jahren für offene Wohnzimmer und Anregung für Geist und Gefühl, und oft genug sind die Veranstaltungen ausverkauft.

Warum macht man das? Warum lässt man wildfremde Menschen auf die eigene Couch? „Neugier“, sagen Antje und Wolfgang Hoffmann fast gleichzeitig. Vor zwei Jahren ist das Paar in die großzügige Wohnung gezogen, von der aus man die Frachter auf dem Mittellandkanal vorbeischippern sehen kann. Das Wohnzimmer schien wie geschaffen für mehr als Feierabend.

„Uns interessieren Dinge, die ein bisschen anders sind“

Die Hoffmanns mögen es, wenn nicht alles festgelegt ist, wenn auch mal etwas passiert, das niemand erwartet hat. Das gilt fürs Menschenkennenlernen, es gilt auch für ihren Musikgeschmack. Breitgefächert, aber nichts Billiges dabei. Schloss Landestrost eher als HDI-Arena. Vinyl statt Streaming-Dienst. In den Schränken auf der Rückseite der Küche, da, wo man das Porzellan vermutet, versteckt sich die Plattensammlung. „Uns interessieren Dinge, die ein bisschen anders sind“, sagt Antje Hoffmann.

Sie haben das eine oder andere Salonkonzert besucht, bevor sie überlegt haben, selbst einzuladen. „Wir sind aber sowieso gern Gastgeber“, sagt Wolfgang Hoffmann. Und dann stand Ulrike Groffy eines Tages bei ihnen im Wohnzimmer und sagte, hier würden so um die 30 Leute reinpassen.

Bei Marijke Strucl sind es 120, aber sie kann auch eine ehemalige Fabrikhalle bieten. Sie betreibt zusammen mit ihrem Lebensgefährten Olaf Hauschulz, dem Mann, der das Areal der ehemaligen Gummifabrik Wellmann in Hainholz wiederbelebt hat, die Gustavhalle im Helmkehof. Rohe Steine, roher Putz. Hier herrscht der raue Charme einer versunkenen Industrie.

Für Marijke Strucl - der Name geht auf eine niederländische Patentante und den slowenischen Vater zurück - ist es eine „Herzensangelegenheit“, dort Konzerte zu veranstalten. Im Alltag werden in der Gustavhalle Hochzeiten gefeiert und Tagungen abgehalten, aber Strucl, Germanistin, wollte immer Kultur zwischen den alten Mauern haben. Dann besuchte sie ein, zwei Salonfestival-Konzerte. „Da hat mich die Atmosphäre gepackt“, sagt sie. Die „besondere Dynamik“, die aus der Kombination von Freunden und Fremden entstehe.

Das mit der Dynamik kann auch Rüdiger Horn unterschreiben, und von Dynamik versteht er was. Horn ist der Leiter des Bang & Olufsen-Geschäfts in der Karmarschstraße. Der dänische Edel-Hifi-Anbieter suchte vor vier Jahren neue Wege bei der Kundenakquise, wollte weg vom ewigen Prosecco-Empfang. Es sollte „Schwung in der Bude“ geben, wie Horn sagt. So wurde die Firma einer der hannoverschen Salonfestival-Pioniere. Inzwischen sind die Veranstaltungen fest eingeplant, und man muss keine Anlage kaufen, wenn man dort zum Konzert geht. Gäste wie Musiker mögen die studioartige Akustik des Shops, und Musiker dürfen, wenn sie wollen, die Hypermegasuperlautsprecher „Beolab 90“ des Ladens benutzen. Die kann man ruhig erwähnen, bei etwas so Teurem spielt Schleichwerbung keine Rolle mehr: Die Boxen mit ihren 18 Lautsprechern und 65 Kilo Gewicht kosten 35 000 Euro - pro Stück.

Rüdiger Horn selbst hört übrigens alles: „Von Oper bis Heavy Metal.“ Wirklich alles? Na ja, sagt er, so was wie Stockhausen müsse nicht sein. Und dann macht Horn, der aus Berlin kommt, Hannover noch schnell ein Kompliment. Er lobt, dass es hier viel Kultur gebe. „In so einer kleinen Stadt!“

Das würden Marijke Strucl und Antje und Wolfgang Hoffmann bestimmt auch so sagen. Vielleicht nicht das mit der Stadt. Aber das mit der Kultur. Einschließlich der bei ihnen.

Das Salonfestival

In Hannover finden im Rahmen des Salonfestivals vom 3. September an 13 Konzerte statt. Ein paar Abende sind bereits ausverkauft. Wenn man sich für ein Konzert in einem Privathaus entscheidet, bekommt man die Adresse bei der Ticketbuchung. Bei Antje und Wolfgang Hoffmann treten der außerordentlich virtuose Augsburger Saxofonist Christian Elin und der Viola-da-Gamba-Spieler Jakob Rattinger auf. Termin: 23. September, 19.30 Uhr. Es ist ein Crossover-Konzert: „Barock meets Jazz“. Am 27. September um 19.30 Uhr gastiert die Indie-Band „Smallfires“ in der Gustavhalle im Helmkehof.

Einen Tag später, am 28. September, steht bei Bang & Olufsen der Singer-Songwriter David Blair mit seiner Band im Showroom. Ansonsten gibt es A-Capella und Jazz und Folk und Gospel und Pop. Am 6. Oktober kann man die hannoversche Glas-Harfenistin Susanne Würmell in einem Privathaus in der List erleben. Alle Infos und alle Tickets gibt es unter www.salonfestival.de. Die Karten kosten einheitlich 24 Euro, für Menschen unter 27 Jahren 12,50 Euro.

Von Bert Strebe

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