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Stadt Hannover Grünes Idyll oder Halligalli – was wird aus dem Steintorplatz?
Aus der Region Stadt Hannover Grünes Idyll oder Halligalli – was wird aus dem Steintorplatz?
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00:16 18.09.2018
Moderator Claus Overmeyer stellt die gesammelten Ideen der Bürger vor. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Welche Idee setzt sich für die Umgestaltung des Steintors durch? Am Wochenende ging die fünftägige Bürgerbeteiligung in die Endrunde. Zettelchen wurden beschrieben, Grundrisse entworfen, Fotos bemalt, Modelle gefertigt und sogleich auf dem Platz ausprobiert. Beim Ideen-Casting haben zudem viele Interessierte die bisherigen Ideen mithilfe eines Punktesystems bewertet.

Unterm Strich zeichnen sich zwei Varianten für die Platzgestaltung ab: Das neue Steintor könnte eine grüne Oase werden mit möglichst vielen Naturelementen (Bäume, Wiesen, Wasser). Dem steht die Vision eines Veranstaltungsplatzes entgegen mit diversen Spiel- und Sportanlagen (Skatepark, Spielplatz, Graffitiwand). Kleinster gemeinsamer Nenner ist der Gedanke, dass das neue Steintor ein Treffpunkt für die Hannoveraner werden soll und keine Durchgangsstrecke bleiben darf.

Die Variante Grüne Oase gibt es in verschiedenen Abstufungen. Manche Hannoveraner gehen sehr weit und schlagen vor, die gesamte Fläche zu entsiegeln, viele Bäume zu pflanzen und einen Bach anzulegen, der um den Platz herum läuft. „Landschaftsarchitekten halten das für schwierig“, sagt Moderator Claus Overmeyer von Urban Catalyst. Ein Stadtplatz werde dauernd überquert, würde man eine große Wiese anlegen, wäre das Gras schnell niedergetrampelt. Realistischer seien grüne Inseln mit Wegen dazwischen, sagt Overmeyer. Diese Variante bekommt von Zuschauern viel Zuspruch, sichtbar an vielen aufgeklebten Zustimmungs-Punkten auf der Ideen-Pinnwand.

Die Halligalli-Platz-Variante ist ebenfalls in verschiedenen Abstufungen denkbar. So schlagen manche Bürger vor, einen kleinen Pavillon auf dem Platz zu installieren. Dort könnte eine Fahrradwerkstatt betrieben werden, ein Café einziehen oder ein Spielgeräteverleih eröffnen. „Kinder und Jugendliche wünschen sich ein Sportangebot, etwa einen Skatepark“, berichtet Overmeyer. Dazu passt auch der Vorschlag, eine Graffitiwand zur Verfügung zu stellen, auf der sich Sprayer austoben können. Ob ein Kinderspielplatz zum Spaßangebot gehören sollte, daran scheiden sich die Geister. Manche Hannoveraner fragen sich, ob ein Platz nahe dem Rotlichtmilieu der richtige Ort für Kinder sei, andere meinen, dass in der City ein Angebot für Kinder fehlt.

Moderator Overmeyer macht keinen Hehl daraus, welche Platzvariante er für passender hält. „Veranstaltungen haben auf dem Steintorplatz Tradition. Es wäre ein Bruch, wenn hier nichts mehr stattfinden würde und wir uns alle auf die grüne Wiese legen“, sagt er. Möglicherweise müsse man sich noch andere Cityplätze ansehen und sich Gedanken über die Art der Nutzung machen. Doch ganz gleich, ob Grüne Oase oder Halligalli, der Platz birgt Probleme, die die Bürgerbeteiligung noch nicht gelöst hat. So gehen die Meinungen darüber auseinander, wie der Radverkehr über den Platz geführt werden soll. Sollen Fuß- und Radweg getrennt werden oder Radler um den Platz herum geführt werden? Zudem stören sich etliche Hannoveraner daran, dass der Platz nicht klar umgrenzt ist, sondern an den Kanten ausfranst. Aber soll die Mauer, die das Steintor Richtung Münzstraße begrenzt, nun höher ausfallen oder niedriger – oder entfallen? „Im Grunde muss bei einer Umgestaltung klar werden, wo der Platz anfängt und wo er aufhört“, sagt Overmeyer.

Abseits solcher Schwierigkeiten bringen die Hannoveraner charmante Einzelvorschläge ins Gespräch. Christian Hader will ein Denkmal für die Rote-Punkt-Aktion aufstellen. Es solle daran erinnern, dass Hannover 1969 in der Frage um Üstra-Preiserhöhungen Zivilcourage gezeigt haben. „Das Denkmal könnte zu einem neuen Treffpunkt werden: Am roten Punkt“, meint er und bekommt viel Beifall. Erika Heine, Sprachrohr der Obdachlosen, regt an, einen „Gabenzaun“ aufzustellen: eine Installation, an der Menschen Geschenke für Bedürftige legen können. Auch dafür gibt es Applaus.

Beteiligung geht weiter

In sechs Wochen soll es mit der Bürgerbeteiligung weitergehen, jedoch nicht mehr auf dem Platz. Die Moderatoren laden zu einer Versammlung, vermutlich in der Kestnergesellschaft, um das Ideenpaket vorzustellen. „Am Ende geht es darum, die professionellen Planer zu instruieren“, sagt Overmeyer.

Von Andreas Schinkel

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