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Stadt Hannover Bleibt die Geburtshilfe erhalten?
Aus der Region Stadt Hannover Bleibt die Geburtshilfe erhalten?
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13:33 16.12.2014
Ob die Geburtsklinik in der Nordstadt erhalten bleibt, ist immer noch strittig. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

SPD und Grüne in der Regionsversammlung haben ihren Streit über das umstrittene Medizinkonzept des Regionsklinikums gestern nicht beilegen können. Ein für den Nachmittag geplantes Treffen zwischen den beiden Fraktionsvorständen und den Parteivorsitzenden wurde kurzfristig abgesagt. „Die Grünen haben noch Beratungsbedarf“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Silke Gardlo.

Statt mit der SPD trafen sich Vertreter der Grünen mit der Geschäftsführung des Klinikums. Bei dem Treffen ging es offenbar darum, die Grünen davon zu überzeugen, der „Medizinstrategie 2020“ zuzustimmen. In der Fraktion gibt es bisher starken Widerstand vor allem gegen die im Konzept vorgesehene Schließung der Geburtshilfe am Klinikum Nordstadt. Auch nach dem gestrigen Gespräch rücken die Grünen davon jedoch offenbar nicht ab. Offiziell sagte die Vorsitzende des Grünen-Regionsverbandes, Frauke Patzke, gestern lediglich, dass eine Entscheidung wohlüberlegt sein müsse. Es gehe um sehr viel Geld.

Zwar haben sich SPD und Grüne für heute verabredet. Derzeit ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass es kurzfristig eine einheitliche Linie gibt. Eine endgültige Entscheidung soll bei den Grünen die Basis treffen: bei einer Mitgliederversammlung am kommenden Freitag.

Am Dienstag darauf steht dann die entscheidende Abstimmung über das Medizinkonzept in der Regionsversammlung an. Hier benötigt die SPD die Unterstützung der Grünen, weil die CDU das Konzept ablehnt. „Wir brauchen jetzt die Entscheidung über die Medizinstrategie, um mit der Umsetzung beginnen zu können und Klarheit für das Regionsklinikum zu haben“, sagte Klinikums-Geschäftsführerin Barbara Schulte gestern. Sie betonte, dass das Konzept nicht verwässert werden dürfe. Die Schließung der Geburtshilfe im Nordstadtkrankenhaus sei ein wichtiger Bestandteil der künftigen strategischen Ausrichtung des Klinikums. „Da hängen viele andere Dinge miteinander zusammen“, sagte sie.
Zum einen sei das Gebäude der Frauenklinik im Nordstadtkrankenhaus „nicht mehr betreibbar“, sagte der ärztliche Direktor des Klinikums, Prof. Thomas Moesta. „Wir müssten in die Gebäude und am Standort kräftig investieren.“ Die „Investitionskraft“, um dort eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe aufzubauen, habe das Klinikum jedoch derzeit nicht. Außerdem sollten die Ressourcen des Nordstadtkrankenhauses für andere Zwecke genutzt werden. Das Medizinkonzept sieht vor, das Haus zu einer Schwerpunktklinik für Kopf und Trauma auszubauen. Außerdem soll dort die Altersmedizin ausgebaut werden.

Schulte betonte gestern, dass das Klinikum entgegen anders lautenden Gerüchten über ausreichend Liquidität verfüge. Im Regionshaus war ein Zuschuss von 17 Millionen Euro, den das Klinikum von der Region beantragt hat, in der vergangenen Woche als „Nothilfe“ bezeichnet worden. Das Klinikum benötige das Geld, um den laufenden Geschäftsbetrieb oder auch die Kreditwürdigkeit zu sichern, hieß es an der Hildesheimer Straße. „Wir brauchen das Geld nicht für den Geschäftsbetrieb“, sagte Schulte dagegen gestern, die Kreditwürdigkeit stehe nicht in Zweifel.

Insgesamt hat das Regionsklinikum jüngst 37,6 Millionen Euro aus dem Haushalt der Region zur Umsetzung der Medizinstrategie beantragt. 17 Millionen Euro davon sollen als „Restrukturierungshilfe“ an den regionseigenen Betrieb fließen. Damit will das Klinikum unter anderem Altersteilzeitregelungen und Abfindungen finanzieren, die einen fairen Arbeitsplatzabbau beschleunigen sollen.

Die „Medizinstrategie 2020“

Neuordnung der Geburtshilfe: Die Geburtshilfe Nordstadt wird geschlossen, die dortige Gynäkologie wird ans Siloah verlagert. Die Fortführung der Hebammenschule wird sichergestellt.
Neubau für Burgwedel und Lehrte: Es wird ein Konzeptentwurf für einen gemeinsamen Neubau erstellt, inklusive Geburtshilfe und Gynäkologie.
Ausbau der Altersmedizin: Über das Angebot der Geriatrieklinik in Langenhagen hinaus werden weitere Angebote für alte Menschen geschaffen.
Investitionen in starke Bereiche: Besonders leistungsstarke Bereiche des Klinikums wie die Lungenheilkunde und die Neurochirurgie werden gestärkt.
Aufbau eines Endoprothetik-Zentrums: Das Klinikum Agnes Karll in Laatzen wird zum Zentrum für den Einsatz künstlicher Hüft- und Kniegelenke.
Zusammenführung von Gehrden und Springe: Vor der Schließung der Springer Klinik soll ein sogenannter lokaler Dialogprozess um die künftige Gesundheitsversorgung durchgeführt werden.

Von Mathias Klein

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