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Stadt Hannover Scheitert der Bredero-Umbau an Eigentümer-Streit?
Aus der Region Stadt Hannover Scheitert der Bredero-Umbau an Eigentümer-Streit?
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12:06 17.05.2018
Alles auf Null? Die Büroetagen 6 bis 16 sollen zu Wohnungen umgebaut werden, die Fassade statt Rohbeton eine champagnerfarbene Verkleidung und Balkone erhalten. Jetzt droht das Projekt am Einspruch eines Müncheners zu scheitern.  Quelle: Foto: Schaarschmidt
Hannover

 Hans Pluis ringt um Worte. „Es war alles auf gutem Weg, aber jetzt haben wir die Katastrophe – es droht wieder jahrelanger Stillstand“, sagt der Mann, der seit zwölf Jahren versucht, dem Bredero-Hochhaus hinterm Hauptbahnhof neues Leben einzuhauchen. Alle Miteigentümer haben dem Umbau der problematischen Turmetagen von Büros zu Wohnungen zugestimmt, die Stadt hat den Bebauungsplan geändert, das Umbaukonzept steht – und jetzt schießt plötzlich ein Neueigentümer quer. Er hat beim Grundbuchamt Widerspruch eingelegt und blockiert damit jeden weiteren Schritt. Angeblich will er eine Million Euro für seine Zustimmung zum Umbau haben. Pluis ist sich sicher, dass das unrechtmäßig ist – aber die Verzögerung kann teuer werden und das gesamte Projekt zum Scheitern bringen.  

Wie ein Wirtschaftskrimi

Wenn es wahr ist, was mehrere Miteigentümer und Beteiligte gegenüber der HAZ bestätigen, dann gleicht die Geschichte einem modernen Wirtschaftskrimi. Das Münchener Immobilienunternehmen Euroboden hat über eine Tochterfirma eine 38 Quadratmeter große Wohnung im 20. Stock des Gebäudes als Geldanlage gekauft. Der Voreigentümer soll dem Umbau der darunterliegenden Etagen zu Wohnungen zwar schon notariell zugestimmt haben, doch möglicherweise den Münchener Käufer nicht schriftlich informiert haben. Dann verzögerte sich die Eigentumsumschreibung beim Grundbuchamt – und das nutzt Euroboden jetzt, um juristisch gegen die Modernisierung des Bredero-Hochhauses vorzugehen. 

Die Motive? Projektentwickler Pluis sagt, es gehe schlicht um Geld. Euroboden-Inhaber Stefan Högl­maier habe das bei Gesprächen unverblümt mitgeteilt. Für die 10 000 Quadratmeter, die im Bredero-Turm von Büros zu Wohnungen umgewidmet werden sollen, wolle er je 100 Euro Anteil am Projektgewinn haben, soll Höglmaier später präzisiert haben. Also: eine Million Euro, rechnet Pluis vor. Ein der HAZ persönlich bekannter Immobilienberater aus Hannover, der die Gespräche begleitet hat, bestätigt den Vorgang. 

Geht es um Qualität oder Geld?

Höglmaier stellt das alles anders dar. "Irgendwelche Forderungen für den Verzicht auf den Einspruch wurden nicht erhoben", sagt er. Höglmaier spricht mit Begeisterung von der Architektur des Bredero-Hochhauses aus der Epoche des Brutalismus, die es zu bewahren und zu entwickeln gelte. Das mit der Stadt abgestimmte Umbaukonzept, das für die Fassade statt rohen Betons champagnerfarbene Platten und angesetzte Balkone vorsieht, sei „konzeptionell weder ausgereift noch richtig“. Er nehme daher seine Rechte als Eigentümer wahr, die Zustimmung zum Umbau zu verweigern. Er verschweigt nicht, dass sein Unternehmen eigentlich von Pluis den Zuschlag bekommen wollte, die Büroetagen zu Wohnungen umzubauen – und damit gescheitert ist. Rachegefühle? Nein, es gehe nur um die Qualität der Architektur, beteuert Höglmaier. Eine Summe als Forderung habe er nie genannt. Pluis staunt: „Von dem Architekturargument habe ich noch nie gehört.“ 

Alles ist auf Stillstand

Fakt ist: Im Moment ist alles im Schwebezustand. Durch den Sperrvermerk beim Grundbuchamt kann keiner der Eigentümer im Haus mehr Wohnungen verkaufen, noch nicht einmal beleihen. Ein britisches Unternehmen, das kürzlich Gebäudeteile erworben und auch schon mit einem Millionenbetrag bezahlt hat, kann nicht als Eigentümer eingetragen werden, was Probleme mit den finanzierenden Banken bedeuten kann. Auch der Verkauf der bisherigen Büroetagen 6 bis 16 an den hannoverschen Projektentwickler Helmut Dannenberg, der sie planmäßig zu Wohnungen umbauen will, kann nicht vollzogen werden. Und niemand weiß, wie lange die Hängepartie dauern wird. 

Pluis hat beim Grundbuchamt Unterlagen eingereicht, um die Amtssperre aufzuheben. In Grundbuchämtern aber können komplizierte Vorgänge sehr lange dauern Wahrscheinlich wird es am Ende einen Prozess geben. „Wir sind so weit gekommen, und jetzt könnte alles ins Wasser fallen“, sagt Pluis. Denn der Bauantrag für den Umbau der Büroetagen in Wohnungen ist gestellt, und ein Vertrag mit der Stadt zwingt die Projektentwickler, sechs Monate nach Erteilung der Baugenehmigung mit dem Umbau zu beginnen – was aber nicht geht, solange die Sperre im Grundbuchamt eingetragen ist. Wohl selten haben Bauherren in Hannover gehofft, dass die Baugenehmigung nicht schnell erteilt wird.

Um ganz sicher zu gehen mit seinem Bremsmanöver, hat Höglmaier von der Münchener Euroboden nach HAZ-Informationen einen klugen Schachzug probiert. Er hat versucht, von einem weiteren Eigentümer drei zusätzliche Wohnungen zu kaufen – aber nur unter der Bedingung, dass der Voreigentümer dem Umbaukonzept noch nicht zugestimmt habe. Damit hätte er endgültig wasserdichte juristische Mittel gegen das Umbaukonzept. Der Eigentümer aber hat schließlich nicht verkauft. 

Inzwischen aber wird Pluis sogar von anderer Seite unter Druck gesetzt. Er hat versucht, andere Wohnungseigentümer auf seine Seite zu ziehen und gegen Euroboden in Stellung zu bringen. In einer E-Mailantwort eines Eigentümers, die der HAZ vorliegt, wird dafür unverhohlen eine Forderung gestellt: eine halbe Million Euro. „Ich versuche, Verbündete zu gewinnen – und die wollen dafür eine halbe Million von mir“, staunt Pluis. 

Wie es weitergeht? Das weiß derzeit niemand.

23 Stockwerke und viele Probleme

Das 91 Meter hohe Hochhaus am Weißekreuzplatz heißt eigentlich Lister Tor, wird aber nach dem Erbauer stets nur Bredero-Hochhaus genannt. Der bis 1976 errichtete Bau gilt als Monument des Baustils Brutalismus (französisch „beton brut“: roher Beton). In den oberen sieben Etagen befinden sich 88 Wohnungen mit viel Weitblick. Die Etagen darunter aber bereiteten lange Zeit Probleme. Unter anderem ging ein Fonds der Deutschen Bank an Leerstand fast zugrunde, ein Immobilienentwickler aus Burgwedel stürzte mit Sanierungsvorhaben in die Krise. Versuche, das Justizzentrum des Landes oder die Ordnungsbehörden der Stadt anzusiedeln, scheiterten. Seit 2006 entwickelt der Holländer Hans Pluis mit seiner Firma Maxime Invest das Gebäude. Er siedelte das Sausalitos im Erdgeschoss an, verkaufte die Büroetagen 6 bis 16 an den Hannoveraner Helmut Dannenberg, der dort 119 Wohnungen errichten will, veräußerte das angrenzende Dreiecksgebäude an einen englischen Projektentwickler, der ein Hotel etablieren will. Nun könnten alle Pläne scheitern.
 

Von Conrad von Meding

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