Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Vor 40 Jahren wurde die Lüttje Lage gerettet

"Lüttje-Lage-Welttag" Vor 40 Jahren wurde die Lüttje Lage gerettet

Vor 40 Jahren wurde in Niedersachsen das Eichgesetz geändert – und die bedrohte "Lüttje Lage" gerettet. Die Bruchmeister haben deshalb einen Festtag für Hannovers Nationalgetränk ausgerufen.

Voriger Artikel
Das ist am Wochenende in Hannover passiert
Nächster Artikel
96-Fans reisen friedlich nach Bremen
Quelle: Schaarschmidt/Spolvint/Heuer

Hannover. Ungewöhnlichen Besuch haben zehn Restaurants und Kneipen am Samstagabend bekommen: Sie wurden von kleinen Trupps ehemaliger Bruchmeister besucht, die die Gäste in die Kunst des kleckerfreien Lüttje-Lage-Trinkens einführen wollten – falls diese den Geschicklichkeitstest mit zwei Gläsern nicht schon beherrschten.

Anlass war der „Lüttje Lage Welttag“, den Thorald Abramowski (53) und die Bruchmeister dieses Jahr erstmals ausgerufen haben. Abramowski, der 1990 selbst Bruchmeister war, wollte mit der PR-Aktion zugegebenermaßen auch den Umsatz seines Online-Shops ankurbeln: Zu seinem Leidwesen konsumieren immer weniger Menschen das hannoversche Nationalgetränk. Rolf Franke (52), der 1. Vorsitzende des Collegiums ehemaliger Bruchmeister, stellte dagegen den 40. Jahrestag eines denkwürdigen Ereignisses in den Vordergrund: „Ab November 1977 galt das geänderte Eichgesetz, wonach 1-cl-Gläser wieder europaweit erlaubt waren.“

Sechs Jahre zuvor hatte die Europäische Union sämtliche Glas- und Flaschengrößen normiert – und für Korn ein Mindestmaß von 2 cl vorgeschrieben. Dagegen allerdings liefen etliche trinkfeste Politiker Sturm, darunter Bundesminister Egon Franke, die Bundeswirtschaftsminister Hans Fridrichs und Otto Graf Lambsdorff sowie der Bundestagsabgeordnete Detlef Kleinert. 1971 erließ das Land Niedersachsen eine Ausnahmegenehmigung, damit sich Lüttje-Lage-Freunde weiterhin dunkles Bier und hellen Schnaps in vertrauter Manier hinter die Binde kippen durften; am 18. November 1977 dann verkündete das niedersächsische Wirtschaftsministerium: „Die Lüttje Lage ist gerettet.“

Nun aber, im neuen Jahrtausend, droht dem Schützenfest-Klassiker Ungemach von ganz anderer Seite: von der zunehmenden Lust der Niedersachsen auf alkoholfreies Pils und Weizen, auf Biermischgetränke oder gar Artfremdes wie Wein und Wasser. Und so kamen die ehemaligen Bruchmeister auf die Idee, einen „Lüttje Lage Welttag“ auszurufen – auf dass ihr Werben auch in weit entfernten Gegenden erhört werde.

Selbst die unmittelbare Probe aufs Exempel machen durften am Sonnabend – kostenfrei – Gäste in Lokalitäten wie Alt Hanovera, Schateke und Brauhaus Ernst August oder in Meiers Lebenslust und Ständiger Vertretung. Er habe aber darauf geachtet, so Rolf Franke, dass die zehn beteiligten Bruchmeister keinen über den Durst trinken: „Es gibt ein schlechtes Bild ab, wenn jemand in unserer traditionellen Kleidung mit Frack und Zylinder zu schwanken beginnt.“

Dass mutigen Testtrinkern in den Restaurants so mancher Schluck daneben ging, stand auf einem anderen Blatt. „Wer sich an unsere Anleitung hielt, hat aber nicht gekleckert“, betonte Thorald Abramowski. Die Aktion sei auf jeden Fall ein Riesenerfolg gewesen und habe bei Gastronomen wie Gästen großen Anklang gefunden. „Und im nächsten Jahr wollen wir die Einführung ins Lüttje-Lage-Trinken vielleicht mit noch mehr Bruchmeistern auch in andere Stadtteile tragen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr aus Stadt Hannover