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Stadt Hannover Erste Bäume für Umgehungsstraße gefällt
Aus der Region Stadt Hannover Erste Bäume für Umgehungsstraße gefällt
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00:15 10.12.2014
Von Michael Zgoll
 Südlich vom Landwehrkreisel haben am Sonntag die Arbeiten für die neue Schnellstraße begonnen. Dutzende Bürger protestierten an den Abnsperrungen. Quelle: dpa
Hannover

An der Grenze von Hannover und Hemmingen stehen rund 20 Menschen mitten auf der Bundesstraße 3. Die Straßenbaubehörde hat die Frankfurter Allee hinter ihnen bis zum Landwehrkreisel sperren lassen. Zu hören ist das Dröhnen von Sortiergreifer, Baumschere und Hacker. Dutzende von Bäumen neben der Ausfallstraße werden an diesem Sonntag gefällt und gleich vor Ort geschreddert. Die Demonstranten halten Schilder in die Höhe: „Kreisel, Brücken, Größenwahn – was habt ihr uns nur angetan?“ Nach jahrzehntelangen Debatten und erbittertem Streit zwischen Befürwortern und Gegnern einer neuen Straße, die die Zentren von Hemmingen umgehen und entlasten soll, hebt sich der Vorhang für den letzten Akt des Dramas: Am Montag, mit dem offiziellen ersten Spatenstich im Ortsteil Arnum, beginnt der Bau der „B3 neu“.

Für Hunderte von Hemmingern, insbesondere aus Arnum, die an der B3 zwischen Hannover und Alfeld wohnen, ist es ein Freudentag. Seit 50 Jahren gibt es Bestrebungen, den Durchgangsverkehr mit seinem Strom von derzeit 26.000 Pkw und Lkw pro Tag zu minimieren und auf eine andere Trasse zu schicken. Einst war eine s-förmige West-Ost-Umgehung geplant, seit den neunziger Jahren wird nur noch eine Westtrasse projektiert. Sie schlägt eine Schneise zwischen die Ortsteile Hiddestorf, Ohlendorf und Devese im Westen sowie den übrigen Ortsteilen im Osten. Vor allem die Anwohner der westlichen Wohngebiete in Arnum und Hemmingen sowie die Deveser wehren sich verzweifelt gegen das „Jahrhundertbauwerk“.

Am Freitag noch standen Vertreter der örtlichen Grünen, des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie der Bürgerinitiative „Wer Straßen sät, wird Autos ernten“ mit Schildern vor Deveser Straßenbäumen und protestierten gegen die Fällungen. Am Sonntag trafen sich die Gegner an der Stadtgrenze, am Montag ist eine Demo in Arnum angekündigt. Das letzte Gefecht? Vermutlich wird der Widerstand gegen die Umgehungsstraße immer wieder aufflammen, wird das unermüdliche Ringen um die Leserbrief-Hoheit in der örtlichen Presse lange weitergehen. Tatsächlich aber scheint der Kampf entschieden.

An der Frankfurter Allee, dem kurzen Stutzen zwische Landwehrkreisel und Hemmingen, schafft die Landesbehörde jetzt Fakten. Dutzende von Buchen und Birken, von Ahornbäumen, Eichen und Kastanien sind schon zu Kleinholz verarbeitet. Die Hackschnitzel werden später in einem Heizkraftwerk bei Langelsheim verbrannt, dienen der Stromerzeugung. Eine Gruppe von zehn Menschen ist dem Aufruf des in Laatzen ansässigen Igelzentrums Niedersachsen gefolgt und durchkämmt das Unterholz, um winterschlafende Igel vor dem Tod im Häcksler zu bewahren. Doch auch der Berner Sennenhund „Bernie“ erschnüffelt kein Stacheltier – wahrscheinlich haben die Igel schon längst vor dem Beben der tonnenschweren Holzfällmaschinen Reißaus genommen. Auch Fledermäuse, die der BUND in Baumhöhlen nahe der B3 vermutete, hatte man in dem Oberricklinger Waldstück nicht mehr gefunden.

Macht man einen Zeitsprung und versetzt sich in das Jahr 2019, dürfte hier alles ganz anders aussehen. Dann sollte, sofern alle Pläne Wirklichkeit werden, die Umgehungsstraße fertig sein. 7,5 Kilometer lang, bis Devese vierspurig, dann bis in den Süden Arnums dreispurig. Fünf Auf- und Abfahrten sowie 13 Brücken oder Unterführungen wird es dann geben mit besonders großen Bauwerken an der Stadtgrenze Hannover / Hemmingen sowie in Devese zwischen altem Dorf und Gewerbegebiet. Gut 51 Millionen Euro soll die Umgehungsstraße kosten. Auch die neue Stadtbahnstrecke von der Wallensteinstraße bis Weetzener Landstraße soll 2019 fertig sein – ein weiteres ambitioniertes Ziel für ein weiteres Großprojekt     

Contra und Pro

Zwei Lager spalten Hemmingen: Die Gegner der Umgehungsstraße lehnten diese zunächst ganz ab, forderten später einen weniger flächenfressenden Ausbau als jetzt vorgesehen – mit weniger Fahrspuren und kleineren Kreuzungsbauten. Sie kritisieren das Fällen von 600 Bäumen, das Zerstören von Ackerland und das Abkoppeln einiger Naherholungsgebiete von den großen Ortszentren. Viele Bürger würden bald stärker beschallt als bisher, auch falle die Lärmreduzierung entlang der alten B3 nicht so hoch aus wie versprochen.

Doch für die Befürworter der neuen Trasse, die mithilfe des Vereins „Aktion Pro B 3 Umgehung“ auch schon etliche öffentlichkeitswirksame Aktionen – etwa Protestmärsche in Arnum – initiierten, zählen diese Argumente wenig. Sie möchten nach jahrelangem Warten endlich weniger Lärm und Abgase direkt vor ihren Haustüren haben. Ihre Belastungen, sagen sie, seien wesentlich größer als das, was Bürger in anderen Wohngebieten von der „B3 neu“ zu erwarten hätten.

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