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Stadt Hannover Carsharing-Anbieter Stadtmobil feiert 25. Geburtstag
Aus der Region Stadt Hannover Carsharing-Anbieter Stadtmobil feiert 25. Geburtstag
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00:15 31.08.2017
Von Bernd Haase
Neuestes Modell: Die roten Stadtflitzer müssen nicht mehr an reservierten Plätzen abgestellt werden. Judith Siano steht an einem Opel Adam. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

In den Büroräumen von Stadtmobil am Hohen Ufer, wo früher einmal der Musikclub Flohzirkus residiert hat, haben sie einen alten Werbe- und Imagefilm aus dem Jahr 1995 ausgegraben, Titel „Die erträgliche Leichtigkeit des Autoteilens“. Der Hauptdarsteller steht mit seinem Audi erst im Stau, kreiselt dann auf der vergeblichen Suche nach einem Parkplatz durch die Südstadt. Nebenbei wird auf den Auspuff gezoomt und eine feine Abgasfahne ins Bild gesetzt. Dann geht es zur Tankstelle; und als Running Gag dient eine Szene mit einem Sparschwein, in dem Geldschein um Geldschein verschwindet. Am Ende geht der leidgeprüfte Autohalter zu Teilauto, unterschreibt einen Nutzervertrag, darf einen roten Golf der zweiten Generation besteigen. Alles wird gut.

Ökomotive versus Ökonomie

„Der Film wirkt aus heutiger Sicht angestaubt, aber die Inhalte sind aktuell“, sagt Judith Siano, Abteilungsleiterin Kundenservice bei Stadtmobil. So heißt mittlerweile Hannovers Carsharing-Unternehmen, das am Wochenende seinen 25. Geburtstag gefeiert hat.

Die Idee, dass mehrere Nutzer sich ein Auto teilen, war 1992 in Deutschland noch neu. Nach Hannover gebracht hatte sie unter dem Namen „Teilauto“ der Verein Ökostadt. Man wolle einen originellen Beitrag zur Verringerung der Blechlawinen in den Städten leisten, lautete die Devise. Angefangen wurde mit zwei Stellplätzen in der Südstadt und in Linden. „Alles ist neu, Vorbilder gibt es praktisch nicht, Basisdemokratie wird geübt, Ehrenamt ist Trumpf“, heißt es in der Chronik über diese Anfangszeit. „Ob sich unsere Vorstellungen problemlos verwirklichen lassen, muss die Zukunft zeigen“, erklärte der Vorsitzende Rainer Voltmer.

Probleme gab es, weil sich die ökologischen Motive der Gründer nicht immer mit wirtschaftlichen Anforderungen unter einen Hut bringen ließen. „Man wusste nicht, wie man es am schlauesten anstellt“, erklärt Siano. Ein Beispiel: Der Verein unterhielt zwischenzeitlich die größte Flotte an Erdgasautos in Hannover, was damals aus Umweltgründen schwer angesagt war, aber von den Kunden ignoriert wurde. Stellplätze wurden öfter nicht nach Bedarf eingerichtet, sondern weil Politiker für ihren Stadtteil welche forderten. Derartige Fehleinschätzungen führten dazu, dass dem Projekt Mitte des vergangenen Jahrzehnts das Aus wegen finanzieller Probleme drohte. Das ist längst überwunden.

„Car-sharing entstresst“

Der typische Carsharing-Nutzer - ein zündendes deutsches Wort für dieses Angebot hat noch keiner gefunden - ist nicht einer, der sein Leben dem Umweltschutz opfert. „Ökobewegt sind unsere Kunden auch, aber der erste Beweggrund ist Bequemlichkeit“, erläutert Siano. Dazu zählt vor allem der entfallende Ärger bei der Suche nach Parkplätzen. Nicht umsonst hat Stadtmobil die meisten Nutzer in den Stadtteilen Linden, List, Südstadt und Oststadt, wo Stellplätze Mangelware sind. Außerdem müssen sich Stadtmobil-Kunden nicht um Dinge wie Steuern, Versicherung oder TÜV kümmern. „Car-sharing entstresst“, fasst Geschäftsführer Andreas Krämer zusammen.

In Hannover ist Stadtmobil mit Abstand Platzhirsch, weil das ambitionierte VW-Konkurrenzprojekt Quicar nie wirklich in die Gänge kam. Die Nutzerzahlen wachsen kontinuierlich, aber auch in Zeiten der Dieselkrise nicht sprunghaft. „Wir bräuchten mehr Stellplätze, und sie müssten sichtbarer sein“, sagt Siano. Sie vermisse politische Konsequenz. In Reden werde Carsharing als Mobilitätsmodell der Zukunft gepriesen, aber bei der Umsetzung hapere es. So gewähre die Stadt so gut wie keine Stellplätze im öffentlichen Raum.

In Karlsruhe ist das anders. Dort hat die Stadt dem ortsansässigen Stadtmobil-Verein 40 Plätze angeboten. Die Kollegen aus Hannover wollen demnächst wieder einmal mit einer Wunschliste im Rathaus vorstellig werden.

So funktioniert Carsharing

Carsharing – die genaue deutsche Übersetzung lautet Autoteilen, hat sich aber nicht durchgesetzt – gibt es in Deutschland seit Ende der Achtzigerjahre. Die Idee: Wenn die Leute Autos gemeinschaftlich nutzen, entlastet das die Umwelt und die Städte von den Blechlawinen. Organisiert wird Carsharing von Gesellschaften wie Stadtmobil, von Vereinen, aber auch von Anbietern wie Autokonzernen oder der Deutschen Bahn. Die Zahl der Nutzer ist bundesweit zuletzt stark angewachsen, sie liegt aktuell nach Angaben des Bundesverbandes Carsharing bei 1,2 Millionen. Zu unterscheiden ist zwischen zwei Modellen. Carsharing-Fahrzeuge können auf festen Stellplätzen stehen und müssen dort abgeholt und wieder hingebracht werden. Bei stationsunabhängigen Systemen können die Fahrzeuge innerhalb bestimmter Zonen auf allen öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden. In Hannover existieren beide Varianten. Gebucht werden kann jeweils über das Internet oder per Telefonanruf. Schwierig zu beantworten ist die Frage, ob Carsharing finanziell lohnender ist als der Besitz eines eigenen Autos. Es existieren sehr viele unterschiedliche Tarifmodelle, teilweise wie in Hannover auch kombiniert mit dem öffentlichen Nahverkehr. Stadtmobil bietet eine Beispielrechnung über die Jahresfahrleistung an. Danach ist der typische Carsharing-Nutzer bis zur Marke von 13.800 Kilometern günstiger unterwegs als mit eigenem Wagen.

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