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Stadt Hannover Wie der Beatboxer in die Circus-Manege kam
Aus der Region Stadt Hannover Wie der Beatboxer in die Circus-Manege kam
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00:18 25.08.2017
Traumwandlerisch sicher: Robert Wicke ist jetzt mit dem Zirkus Roncalli in Hannover angekommen. Quelle: Olaf Malzahn
Hannover

Bis er etwa 15 Jahre alt war, konnte Robert Wicke sich vorstellen, etwas Bodenständiges zu lernen. „Zahnarzt zum Beispiel“, erzählt der 41-Jährige. Aber es kam ganz anders. Beatboxing statt Bodenständigkeit: Der Hannoveraner Wicke ist bereits in der zweiten Saison mit dem Roncalli-Ensemble unterwegs – und dessen bevorstehendes Gastspiel ist für Wicke ein Heimspiel, er wohnt dann zu Hause – seine Frau und seine zwei Kinder sehen ihn während der Roncalli-Tour sonst nur „am Künstlerwochenende, also montags und dienstags“.

Wickes Spezialität ist neben der Jonglage mit Bällen das Nachahmen von Rhythmen aus Schlagzeugcomputern, und zwar nur mit Mund, Zunge, Lippen, Rachen und Nase. Das ist weit verbreitet in der Hip-Hop- und Rap-Szene, auch ein Zirkus, aber ein ganz anderer.

Eine ungewöhnliche Kunst; das passt zu Wickes ungewöhnlichem Leben. Er wuchs im Stadtteil Linden auf, besuchte aber die IGS Roderbruch. „Mit 15 hatte ich mit Schulfreunden in Hannover zusammen eine Hip-Hop-Band“, sagt Wicke. Sie nannten sich Yogurtkulturen. Mit Y, weil man im Hip-Hop gar nicht oft genug „Yo!“ sagen kann. Er rappte „lustiges Zeug, ein wenig wie Fettes Brot.“ Und er begann mit dem Beatboxing. „Wir hörten uns Platten an, versuchten die Geräusche nachzuahmen.“ Gleichzeitig begann Wicke mit dem Jonglieren. Zunächst ließ sich mit dem Talent gerade einmal das Taschengeld aufbessern, dann wurde mehr draus, und der Plan mit dem bodenständigen Beruf rückte in den Hintergrund. „Früher hat meine Mutter stets gesagt, dass ich machen soll, was ich möchte“, sagt Wicke. Eines Tages eröffnete er ihr, dass er ins Showgeschäft will. „Da fand sie ihre Weisheit nicht mehr so toll. Aber ich konnte sie in einem Zehn-Minuten-Gespräch überzeugen“.

Straßenkunst als Trainingslager

Nach der Schulzeit setzte sich Wicke mit einem Freund in einen Bully und tourte durch Südeuropa. In Italien, Spanien und Frankreich war er als Straßenkünstler unterwegs. „Das Publikum auf der Straße ist viel härter, als das in einem Zirkuszelt“, erklärt Wicke. Wer eine Karte für eine Vorstellung kaufe, gebe dem Künstler Kredit. Auf der Straße aber herrsche Skepsis. Dort erfolgreich zu sein, gibt Selbstvertrauen.

Wicke war erfolgreich: Kleinkunstbühnen und Stadtteilfeste, das Maschseefest – und später applaudierte das Publikum seiner Performance mit Jonglage und seit 2005 mit Beatboxing in Desimos Sezial-Club, beim Kleinen Fest im Großen Garten und im GOP-Varieté. „Ich hatte eine Show im GOP und sollte einen Übergang von einer zur nächsten Szene gestalten. Das Beatboxing erwies sich als hervorragendes Bindeglied. Nach Gastspielen in den GOP-Theatern in ganz Deutschland kam der Ruf vom Zirkus Roncalli, dessen Chef Bernhard Paul schon nach knapp zwei Jahren sagt: „In der Vorstellung fühlt es sich so an, als wäre er von Anfang an dabei gewesen.“

So verändert sich der Zirkus in dieser Zeit: Rapper statt Raubtiere. „Was hat Zirkus je anderes gemacht, als Ungewöhnliches zu zeigen?“, fragt Wicke. Früher waren das einmal wilde Tiere, die Kunststücke zeigen. „Löwen gehören heute nicht mehr in die Manege“, meint Wicke. In Zukunft, glaubt er, wird Direktor Paul Roncalli weiter in Richtung eines Zirkus-Theaters entwickeln, in dem nicht nur auf höchstem artistischen Niveau geturnt wird, sondern in dem Szenen und Geschichten, Fantasien und Träumereien erzählend gespielt werden.

Roncalli schien unerreichbar“

So einen Traum vom Auftritt bei Roncalli hat Wicke geträumt als er im Alter von 15 Jahren mit dem Jonglieren begann. „Zirkus kam für mich schon in Frage, aber Roncalli schien unerreichbar“, erzählt er. Nun hat er es trotzdem geschafft, und er will in Bernhard Pauls Team bleiben. Seine Show wird für das nächste Roncalli-Programm natürlich erneuert. Das muss auch so sein, findet er. Stillstand funktioniert nicht. Nicht im Leben. Und schon gar nicht in der Manege.

Von Luisa Jacobsen

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