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Stadt Hannover Coldplay rockt vor 37.000 Zuschauern in Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Coldplay rockt vor 37.000 Zuschauern in Hannover
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12:04 26.08.2009
Von Uwe Janssen
Die Band um Sänger Chris Martin macht in nur drei deutschen Städten Station. Quelle: Martin Steiner
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Man kann diesem Mann stundenlang zuschauen. Er biegt sich, windet sich, dreht sich, bückt sich, ziert sich, geriert sich und rennt von links nach rechts und zurück. So muss es sein, wenn einer Musik „lebt“, sich in ihr „verliert“. Man kennt das aus der Disko, wenn die Lichter zucken und die Bässe wummern. Dann kann Musik so etwas mit einem anstellen, sie kann einen durchwirken, in Besitz nehmen, glücklich machen und das körperliche Kommando übernehmen. Selten allerdings, dass einem dabei 37 000 Menschen zuschauen. Das hat dieser Mann uns allen voraus. Er versinkt öffentlich, in seiner eigenen Musik. Chris Martin ist der Fokus hier im Stadion, in dem normalerweise ein anderer Martin, wie dieser auch ein großes Kind, das Sagen hat.

Der 32-jährige Brite steht unter der großen Konzertmuschel, begrüßt seine „Freunde“ in Hannover und zeigt dann vollen Einsatz in einem Stadion, in dem fußballerisch zuletzt mehr Coldplay zu sehen war, als dem anderen Martin lieb sein konnte. Dieser Martin beschwört hingegen von Beginn an mit Leidenschaft das „Life in Technicolor“, das pralle, bunte Leben also, wie noch oft an diesem Abend. Hymnisch, jubilierend. Schweben möchte er in diesem Song, den es zunächst nur als Intro gibt. Ja, schweben, das wär’s noch. Doch diesen Part muss vorerst die Musik übernehmen. Und wenn sie eines können, die vier auf der Bühne, dann sind es schwebende Melodien. Mit Beispielen lassen sie nicht lange auf sich warten. Nach „Violet Hill“, einem weiteren Stück vom jüngsten Album „Viva la Vida“, lassen sie schon früh zwei Welthits raus. „Clocks“ mit der einprägsamen Klavierfigur und dem drängelnden Beat. Und „In my Place“, dieses Balladenmonument, zum Heulen schön, wenn man in der Stimmung ist. Live entfaltet die Nummer einen Sog, der selbst die in die Knie zwingt, die Martin ansonsten weinerliches Falsettgejammer vorhalten.

Ein bisschen recht hat sie ja auch, die Welt dieses Abends, die Coldplay-Welt ist einfach keine Sex-and-Drug-Rockwelt, sondern eine traurig-schöne Welt der Sinne, zwischen heiß und kalt, zwischen Herz und Verstand, Lachen und Weinen und an diesem Abend auch zwischen Sonne und Mond. Und wie Sonne und Mond ist auch die Coldplay-Welt beizeiten „Yellow“, wie es in einem warm empfangenen Klassiker vom ersten Album „Parachutes“ später heißt, während die Fans, viele vorsichtshalber in bunten Regenjacken mit gelben Riesenballons zum Spielen bekommen. Und passend zur farbigen Party kratzen die Gitarren dann auch mal schräg durch die Arena, was der balladenseligen Stimmung zwischendurch mal ganz gut tut. Coldplay spielt an diesem Abend fast die komplette neue CD herunter, zwischendurch streut die Band immer mal wieder ältere Hits vom grandiosen Album „A Rush of Blood to the Head“ ein oder das breite „Fix you“, bei dem zunächst eine Orgel Martins Gesang umsäuselt, bevor Schlagzeuger Will Champion dann wie das Muppets-Tier in die Felle drischt. Im Gegensatz dazu stehen das im Tanzbeat vorgetragene „Talk“ oder das als Pianovokalversion „The hardest Part“. Immer wieder stimmen die Fans in die Refrains mit ein, bis hinten auf die Südtribüne reicht das Martinssingen und zieht in diesen Momenten die große Schüssel ganz eng zusammen.

Gut, wenn man einen Dirigenten hat. Das Charisma, das ihm fast wie ein zweiter Vorname zugeschrieben wird, hier auf der unspektakulären, aber raffiniert ausgeleuchteten Bühne, bekommt man eine Ahnung davon, wenn er sich in die Musik hineindreht oder sich auf einer kleinen Inselbühne am Klavier windet. Und wenn er den Rampenderwisch gibt, scheinen seine Arme bis in den Oberrang zu reichen und jeden zum Mitmachen aufzufordern. Charismartin und die Welt der Sinne. Martin hat sich für diesen Weg entschieden. Es ist der U2-Weg, und das weniger musikalisch, sondern eher der großen bis übergroßen Geste wegen. Während Kollege Bono in der Großillusionistenliga mittlerweile Gefahr läuft, mit allzu üppigem Wohltätigkeitspathos zu seiner eigenen Karikatur zu werden, wirkt Martin in seinem bunten Gaukleroutfit geradezu frisch. Auch er ist Wohltäter, tritt für Oxfam und fairen Handel ein, lässt das aber von der Bühne und rettet nicht jeden Abend öffentlich die Welt. Martin singt an diesem Abend, das ist Wohltat genug. Besonders im Chor: „Viva la Vida“ wird zum emotionalen Höhepunkt, mit seinem stadionerprobten Oh-oh-oh-Chor. Da kann selbst die kleine Billy-Jean-Hommage an Michael Jackson nicht mithalten. Insgesamt: Gänsehaut für alle. Gerne übrigens auch wieder demnächst an gleicher Stelle auf dem Rasen.

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