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Stadt Hannover Das illegale Geschäft mit den Hundewelpen
Aus der Region Stadt Hannover Das illegale Geschäft mit den Hundewelpen
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08:49 16.12.2016
„Höchstens fünf Wochen alt“: Ende Oktober wurden diese ausgesetzten Pinscher-Welpen in Mühlenberg gefunden. Foto:  Quelle: Polizei Hannover
Hannover

Wer denkt bei dem Anblick schon an Betrug? Ein winziger Jack-Russell-Terrier schaut in die Kamera und legt eine Pfote auf den Rand seines Körbchens. Will man ihm denn menschliche Regung zugestehen, könnte man ihn kess nennen. „Nimm mich bei dir auf“, scheint der Blick des Welpen aus braunen Kulleraugen zu sagen. Das Bild steht auf einer Onlineplattform für Welpenhandel. Der Text dazu erklärt, dass der Rüde auf einem Bauernhof irgendwo in Hannover mit anderen Hunden, Ponys und Katzen aufwächst und jetzt ein neues, liebevolles Zuhause sucht. Also ist doch alles in Ordnung. Oder nicht?

400 Millionen Euro verdienen illegale Welpenhändler nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen jährlich allein in Deutschland. Das Geschäft ist so lukrativ wie der Drogenhandel, denn die Gewinnspannen sind ähnlich groß. Kostet ein Welpe in Polen etwa 30 Euro, so liegt der Normalpreis aus seriöser Zucht in Westeuropa je nach Rasse bei 1000 bis 1500 Euro. Und das Internet macht den Handel noch einfacher. Statt die Welpen an zwielichtigen Ecken anzubieten, schalten Händler ganz bequem eine vertrauenerweckende Anzeige in Onlinebörsen. Herzerweichende Fotos der Hundewelpen inklusive.

Die Gewinnspannen sind groß

Aber woran kann der Kunde erkennen, ob Welpen aus Massenaufzucht stammen? Oft früh von der Mutter getrennt und gesundheitlich unterversorgt, werden sie aus dem Ausland - vorwiegend osteuropäischen Staaten - nach Deutschland gebracht und an Unterhändler verteilt, die die Tiere zu Billigpreisen an Hundeliebhaber verkaufen. Viele Tiere leiden später an chronischen Krankheiten, sterben früh oder sind verhaltensauffällig.

Auch in Hannover kämpfen Veterinäramt, Tierschützer und Polizei gegen das Problem. Erst im November wurden zwei schwer kranke Pinscher-Welpen in Wettbergen gefunden. Ausgesetzt, weil sie zu krank waren, um sie noch zu verkaufen. Derzeit werden sie auf der Quarantänestation des Tierheims in Langenhagen aufgepäppelt. Doch der Großteil der Fälle wird nie öffentlich. Vor allem, weil es für Käufer oft schwer ist, einen Betrug zu erkennen.

Internetportale wie Deine-Tierwelt.de, das wie die HAZ zur Madsack Mediengruppe gehört, bemühen sich, die seriösen von den unseriösen Angeboten zu trennen - doch das ist nicht immer einfach. Wer sich auf der Seite etwa für den Jack-Russell-Terrier interessiert, kann per Mail oder telefonisch Kontakt zum Besitzer aufnehmen. Die angegebene Telefonnummer erweist sich als Sackgasse, denn es ist die Faxnummer eines Edeka-Markts in Baden-Württemberg. Eine Internetsuche ergibt aber, dass dieselbe Anzeige für den Welpen auch im Bereich Darmstadt geschaltet wurde. Gründe, um misstrauisch zu werden.

Ein zweiter Versuch per E-Mail. Eine Frau antwortet und verweist auf ihren Mann, er kümmere sich um den Verkauf der Hunde. Plötzlich sind also zwei Jack-Russell-Terrier zu haben. Dann kommt Antwort von einem Mann namens Randy. Er sei Amerikaner, habe fünf Monate in Deutschland gearbeitet und sei nun nach Frankreich versetzt worden. Dort seien die Gesetze für den Import der Welpen aber so streng, dass er sie lieber an einen Haushalt in Deutschland vermitteln würde, wo sie geboren wurden.

Tipps für den Hundekauf

  1. Bevor die Suche losgeht, müssen wesentliche Fragen geklärt sein: Habe ich überhaupt genug Zeit für einen Hund? Wer betreut den Hund in meiner Abwesenheit?
  2. Welche Rasse soll es sein? Das hängt auch von der Lebenssituation ab. In einem Mehrfamilienhaus sollte man sich besser keinen bellfreudigen Spitz zulegen, ein Jagdhund wird in der Stadt eher unglücklich sein.
  3. Muss es unbedingt ein Welpe sein? Wer einen Welpen großziehen will, braucht Erfahrung. Ein bereits sozialisierter Hund verzeiht kleine Nachlässigkeiten, doch bei einem Welpen merkt man den Fehler erst, wenn er nicht mehr zu korrigieren ist.
  4. Nie einen Welpen kaufen, ohne seine Mutter und das Zuhause gesehen zu haben. Welpen sollten mit in der Wohnung im familiären Umfeld leben, nicht im Zwinger. Auch die Papiere kontrollieren: Ist der Impfausweis vorhanden und ordentlich ausgefüllt? Und auf jeden Fall einen Vertrag machen.

Übergabe am Flughafen?

Das Misstrauen gegenüber diesem Angebot wächst. Denn die zwei Hunde, die die mitgeschickten Bilder zeigen, sind braun-weiß gefleckt. Der kleine Rüde aus dem Internet hat aber schwarz-braun-weißes Fell. Auch von einem Bauernhof ist nicht mehr die Rede. Auf Nachfrage erklärt Randy zudem, die Welpen seien ein Geschenk gewesen, von der Großmutter in der Schweiz gekauft. Also doch nicht in Deutschland geboren?

Skeptisch sollte man spätestens werden, als Randy schreibt, er wolle kein Geld für die Hunde. Man müsse lediglich 200 Euro pro Tier für den Transport bezahlen. Dann könne man die Welpen schon am anderen Tag am nächstgelegenen Flughafen in Empfang nehmen. Oder sie sich gegen Aufpreis nach Hause schicken lassen.

„Hände weg von solchen Angeboten“, warnt Arvid Possekel vom Tierheim Langenhagen eindringlich. Denn die Chance, dass der Anbieter die Wahrheit sagt, ist gering. In den meisten Fällen zahlt der Interessent am Ende weit mehr Geld als besprochen - oder er zahlt für Hunde, die es gar nicht gibt. Es ist eine von mehreren Maschen, mit denen unseriöse Händler ihre Welpen verkaufen oder mit der Hundeliebe Geld zu verdienen versuchen. Neben dem Lieferservice wollen viele sich zur Übergabe an Bahnhöfen, Raststätten oder anderen anonymen Orten treffen, um so unerkannt zu bleiben. „Wenn ich ein Tier nicht vorher sehen kann, müssen alle Alarmglocken läuten“, sagt Possekel. Doch immer wieder klappen solche Deals. „Die Leute sehen die niedlichen Welpengesichter und denken nicht mehr an die Folgen ihres Kaufs.“

Der Hund, den es nicht gibt

Possekel rät dazu, sich Hundewelpen vor dem Kauf immer genau anzuschauen und auch die Umgebung, in der das Tier gehalten wird. Denn das verrät viel über den Zustand der Welpen und die Vertrauenswürdigkeit der Händler. „Bei einem guten Züchter leben die Welpen im Haus mit der Familie zusammen. Kommt ein Interessent, so wird der Züchter viele Fragen stellen und sich gegebenenfalls sogar das neue Heim der Welpen anschauen wollen, um sicherzugehen, dass sie gut behandelt werden.“ Zudem räume ein guter Züchter eine Rücknahmemöglichkeit ein, wenn die neuen Halter mit dem Hund nicht zurechtkommen.

Besuch bei drei Cane-Corso-Welpen in einem Ort in der Region Hannover. Sie leben bei einer jungen Italienerin, ihr Vater hat die drei aus der Zucht seines Bruders auf Sizilien mitgebracht. Illegal, wie sich herausstellt, denn Papiere soll der Käufer besorgen. Die drei liegen in einer knapp anderthalb Quadratmeter großen Holzbox auf einer dünnen Decke. Die Box steht im Flur vor dem Wohnungseingang. Auslauf haben die beiden Rüden und die Hündin nicht, sie dürfen nur ab und zu auf den Balkon.

„Wo fängt Quälerei an? Das ist oft Auslegungssache“

Die junge Frau und ihr Vater preisen die Hunde an, doch sie stellen nicht eine einzige Frage zu den Lebensumständen der Interessenten. Für 900 Euro könne man einen Welpen sofort mitnehmen, bei der Hündin wird sogar Rabatt angeboten. Und nicht zu viel Zeit sollte man sich bei der Entscheidung lassen, denn es kämen auch am nächsten Tag noch andere potenzielle Käufer. Wird man Zeuge eines solchen Angebots, sollte man vor allem eins tun: „Nicht kaufen. Denn nimmt man das Angebot aus Mitleid an, unterstützt man diese Maschinerie noch“, sagt Ansgar Kluge, Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf Tierrecht. Zudem sollte man den Händler dem Veterinäramt melden.

Tiere gelten vor dem Gesetz als Sache und dürfen deshalb ohne Einschränkungen gehandelt werden. Tätig werden können Polizei und Veterinäramt nur, wenn die Händler gegen das Tierschutzgesetz verstoßen oder der begründete Verdacht besteht, dass sie ihnen erhebliche Schmerzen zufügen. Dann können die Behörden Scheinkäufe und unangekündigte Überprüfungen machen. „Aber wo fängt Quälerei an? Das ist oft Auslegungssache“, sagt Kluge. Zudem erwartet die Täter meist nur eine Geldstrafe. „In besonders schweren Fällen kann auch ein Verkaufs- oder Haltungsverbot ausgesprochen werden.“ Wie hoch die Hürden sind, zeigt der Fall der Pinscher-Welpen. Die Staatsanwaltschaft hat kein strafrechtlich relevantes Verhalten festgestellt und den Fall als Ordnungswidrigkeit ans Veterinäramt zurückgegeben.

Den Hunden hilft das wenig. Doggenrüde Doggy kam auch als Welpe durch zwielichtige Händler nach Deutschland. Seit vier Jahren ist er im Tierheim, weil er charakterlich schwierig ist. Haben will ihn nun niemand mehr.

„Wir nehmen Hinweise auf Betrüger sehr ernst“

Daniel D’Amico, Geschäftsführer von Deine-Tierwelt.de im Interview.

Herr D’Amico, was tun Sie als Betreiber einer Plattform für Tierhandel gegen betrügerische Inserate?
Sehr viel. Zum einen wollen wir die Interessenten sensibilisieren, auf welche Punkte zu achten ist, wenn man ein Tier über das Internet aussucht. Ich bin der Überzeugung, dass informierte Menschen der Schlüssel sind, um Betrüger zu entlarven. Wir arbeiten mit dem Verein für das Deutsche Hundewesen (VDH), und auch diverse Tierschutzorganisationen wie etwa Tasso unterstützen wir, indem wir auf deren Projekte aufmerksam machen. Dann findet man auf der Startseite Tipps für den Hundekauf, eine Welpencheckliste und Hinweise, wie man unseriöse Angebote erkennt. Diese Informationen verschicken wir auch als Newsletter, wenn jemand Interesse an einem ungeprüften Inserat bekundet. Im Januar wird unsere Plattform runderneuert, dann werden wir diese Ansätze noch ausbauen.

Und wie gehen Sie mit unseriösen Händlern um?
Wenn jemand eine Anzeige bei uns aufgibt, wird diese eingehend geprüft. Zuerst durch einen lernenden Algorithmus, der auf bestimmte Worte und Textteile reagiert. Zwei Mitarbeiter prüfen zudem stichprobenweise die eingehenden Anzeigen und machen auch Testanrufe, wenn ihnen etwas komisch vorkommt. Erweist sich ein Inserat als Betrug, wird es umgehend gelöscht. Wir führen auch eine schwarze Liste mit E-Mail-Adressen und IP-Adressen von eindeutigen Betrügern. Deren Anzeigen werden sofort aussortiert.

Was sollte man tun, wenn man ein verdächtiges Inserat findet?
Wir sind eine Vermittlerplattform und stellen Züchtern und Kunden die technische Basis zur Verfügung. Deshalb gibt es keine hundertprozentige Sicherheit vor betrügerischen Anzeigen. Allerdings steht für uns die Seriosität im Sinne der Tiere und der Nutzer im Vordergrund. Der Button „Anzeige melden“ ist etwa recht prominent auf der Seite platziert. Hat ein Interessent den Verdacht, mit einem Angebot stimmt etwas nicht, sollte er gleich diesen Button drücken. Wir prüfen das Inserat umgehend und löschen es, sollte sich der Verdacht erhärten. Wir nehmen das sehr ernst.

Was wird sich mit der Neuauflage von Deine-Tierwelt.de im Bereich Sicherheit verändern?
Es wird für Züchter möglich sein, Logos von seriösen Verbänden wie etwa dem VDH einzubinden, wenn sie dort Mitglied sind – selbstverständlich wird auch das überprüft. Der Nutzer kann nach solchen Qualitätsmerkmalen filtern. Wir möchten damit die sicheren Inserate in den Vordergrund bringen und unsichere, dubiose Angebote aus dem direkten Blickfeld nehmen. Jeder Anbieter wird zudem ein umfangreiches Profil bekommen – auch das schafft Sicherheit.

Von Isabel Christian

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