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Das neue Schuljahr startet chaotisch

Lehrermangel Das neue Schuljahr startet chaotisch

Das neue Schuljahr startet an vielen Schulen holprig. Viele Lehrer wissen einen Tag vor Schulbeginn nicht, wo sie künftig arbeiten werden. 10.000 Lehrstunden fehlen, Gymnasien und Gesamtschulen müssen Kräfte abgeben.

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Das neue Schuljahr startet an vielen Schulen holprig. 

Quelle: dpa

Hannover. Weil an den hannoverschen Grundschulen Tausende Lehrerstunden fehlen – landesweit spricht die Direktorenvereinigung von 10 000 –, sind bei den Dienstbesprechungen am Mittwoch viele Gymnasial- und Gesamtschullehrer gefragt worden, ob sie bereit wären, für ein Schuljahr an einer Grundschule zu unterrichten. Sollten sich nicht genügend Freiwillige finden, kann die Landesschulbehörde verbeamtete Pädagogen auch gegen ihren Willen vorübergehend an eine andere Schule schicken. Auch an den Oberschulen sei ein Viertel der Stellen nicht besetzt worden, teilt der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte mit.

Den Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen ist Ende Juli per Mail mitgeteilt worden, wie viele Stunden sie abgeben müssen. Viele Schulen in Hannover sollen jeweils zwischen 25 bis 30 Stunden abordnen. Das bedeutet: Zwei bis drei Pädagogen werden vermutlich die Hälfte ihres Unterrichts nicht an der Stammschule geben, sondern an einer Grundschule. Die Kooperative Gesamtschule Hemmingen soll sogar mehr als 130  Stunden abgeben, auch an der Realschule Burgdorf ist die Verärgerung groß. Da sich bei den weiterführenden Schulen derzeit täglich neue Grundschulen mit ihrem Bedarf melden, ist das Erstellen von Stundenplänen eine echte organisatorische Herausforderung. Die Pläne werden in den nächsten Tagen und Wochen vermutlich noch häufig neu geschrieben werden müssen, auch weil Kollegen dauerhaft erkrankt sind oder in Elternzeit gehen möchten.

„Natürlich reißen die Abordnungen bei uns Löcher“, sagt ein hannoverscher Schulleiter. Es sei ein Unding, dass ein Gymnasium mit einer Unterrichtsversorgung von 97 Prozent mal so eben 51 Stunden abgeben soll, kritisiert Philologenchef Horst Audritz.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) betonte am Mittwoch bei ihrer traditionellen Pressekonferenz zum Schulstart jedoch, dass der Pflichtunterricht an allen Schulen gesichert sei. Die Unterrichtsversorgung werde im Landesschnitt vermutlich bei 98 Prozent liegen. Abordnungen seien üblich, die Kritik übertrieben: „Das ist ein Sturm im Wasserglas.“ Im Schnitt gibt es jährlich rund 7000 Abordnungen, das werde auch im laufenden Schuljahr der Fall sein. Der Lehreraustausch zwischen den Schulen sei gelebte Solidarität: „Schulen helfen Schulen.“ Für die Opposition ist der Lehrermangel Ausdruck der „Unfähigkeit“ der Ministerin. „Heiligenstadt hat den Überblick verloren“, findet Kai Seefried (CDU). Björn Försterling (FDP) kritisiert, dass sich die Zahl der Schüler mit Handicap an Regelschulen versiebenfacht habe, das Budget nur verdoppelt worden sei. 179 Grundschulen müssten ohne Leiter auskommen. An 20  Schulen war der Posten des Leiters zehnmal ausgeschrieben worden, ohne dass man einen Bewerber fand.  

Berufsberatung wird 
an Gymnasien Pflicht

Schüler sollen besser auf den Start in den Job vorbereitet werden. Deshalb sollen alle Schulen, auch Gymnasien und Gesamtschulen, Berufsorientierung fest im Stundenplan verankern. Jede Schule soll einen Berufsorientierungsberater benennen, der dann eine Stunde weniger unterrichten muss.
An 30 Grundschulen startet in diesem Schuljahr ein Informatik-Modellversuch. Drittklässler sollen Erfahrung mit Mikrocontrollern, kleinen Mini-PCs, sammeln. In Hannover ist die Otfried-Preußler-Schule dabei. Hinzu kommen drei Schulen aus dem Umland.

Fit in Rechtschreibung und Kopfrechnen

Nach zehn Jahren hat das Land neue Kerncurricula für Deutsch und Mathematik eingeführt. Die Basiskompetenzen sollen wieder mehr im Vordergrund stehen, gerade auch die Rechtschreibung. Mindestens sechs Lernzielkontrollen müssen geschrieben werden, in vier Arbeiten muss es um richtiges Schreiben gehen.
Kinder sollten viel üben: „Schreiben lernt man am besten durch Schreiben, Rechnen durch Rechnen“, sagt Kultusministerin Frauke Heiligenstadt. In Mathematik sollen die Grundrechenarten vertieft werden, in Deutsch das Buchstabenverbinden.

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