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Stadt Hannover Das sind die Höhepunkte der Capitol-Geschichte
Aus der Region Stadt Hannover Das sind die Höhepunkte der Capitol-Geschichte
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00:15 27.09.2016
Von Uwe Janssen
Quelle: HAZ-Collage
Hannover

Vier Tage Party. Nicht schlecht für eine Eröffnung eines Konzertladens. Nicht mal ganz fertig geworden ist das ehemalige Kino am Schwarzen Bären. Aber das ist an diesem 25. September 1986 egal. Denn jetzt wird gefeiert, tagelang, mit dem Frankfurter Kurorchester, Bands wie Supercharge und Moulin Rouge, Stings Konzertfilm „Bring on the Night“ und Eröffnungspromis wie Alida Gundlach, Klaus Lage, Ministerpräsidentensohn Bartold Albrecht und den Scorpions Klaus Meine und Rudolf Schenker, Hannovers Weltstars. Schenker ist sogar extra von der Mailänder Möbelmesse heimgekehrt, wo er sich ein paar neue Sachen für sein Haus angeschaut hat.

Die Männer, deren Ruf sie folgen, sind junge Geschäftsleute mit Mut und Visionen. Dass sie Großkonzerte auf die Beine stellen können, haben Michael Lohmann und Wolfgang Besemer mit ihrer jungen Firma Hannover Concerts vier Jahre zuvor im Niedersachsenstadion bewiesen, wo die Rolling Stones groß aufspielten. Nun schalten sie auf Dauerbetrieb um, zusammen mit Josef Maierhofer und Bernd Pachhausen und diesem neuen Laden, der seinen Namen behält, aber schon bald für Rock, Pop und Disco steht – weit über die Stadtgrenzen hinaus: das Capitol. Eine Musikbox für Hannover.

„Ich weiß noch genau, wie wir vier da standen: vier Männer, vier Helme, vier Arbeitsanzüge, zwei Bosch-Hammer. Wir haben da 40 bis 50 Container Schutt rausgefahren“, sagt Lohmann, der als nicht ganz so kräftiger Kerl damals für „Besen und Karre“ zuständig war, „die anderen haben mehr gebolzt“. Und das jeden Tag nach Feierabend. Aber: „80.000 Mark gespart.“ Für die Veranstalter eine Menge Geld, zumal sie nicht wussten, ob das Capitol funktionieren würde. Der Konzertbetrieb und das Marketing waren noch nicht so straff durchorganisiert wie heute. Und 2000 Plätze füllt nicht jeder.

So war es auch zunächst der Disco-Betrieb, der das frühere Kino in Gang brachte. „Wir haben hier an den Wochenenden 4000 Menschen durchgeschleust, 5 Mark Eintritt, das war eine schöne Zeit – und wir konnten unsere Kredite schnell zurückzahlen“, sagt der 64-jährige Geschäftsführer. Wenn die Wochenendkonzerte um 22 Uhr endeten, standen die Tanzwütigen meist schon bis über die Ihmebrücke und warteten auf Einlass. In den Neunzigern wechselte dann der Schwerpunkt. Das Capitol hatte sich als hochattraktiver Livemusikclub herumgesprochen.

Die Disco-Szene verlagerte sich langsam an die Stadtränder, wo die Großraum-Schuppen mehr und mehr die Tänzer aus dem Landkreis abfischten. Daran konnte auch das Balou nichts ändern, die kleine Disco in der großen Disco, die durch die Jahrzehnte mehrfach Namen und Musikfarbe wechselte und heute der Livemusikclub Lux ist. „Anfangs war das ein Funk-Soul-Club, es gab dauernd Schlägereien. Da haben wir von einem Tag auf den anderen einen Hardrockladen draus gemacht. Da war Ruhe.“

Auch das Interesse an den Kinoabenden ging zurück, die modernen Multiplex-Tempel liefen der nostalgischen Variante am Schwarzen Bären den Rang ab. „Wir waren das Raucherkino mit gezapftem Bier. War ganz witzig, aber es rechnete sich irgendwann nicht mehr“, sagt Lohmann. Eine Goldgrube war das Capitol in den Neunzigern wahrlich nicht, mehrfach überlegten er und sein vor zwei Jahren verstorbener Partner Besemer, den Laden aufzugeben – und hielten doch immer daran fest. Gut so.

Rund 5000 Veranstaltungen hat das Capitol in 30 Jahren erlebt, 2700 davon Konzerte. Kleine, große Konzerte mit kleinen und großen Künstlern, denen die (heute bis zu 1600) Fans aus dem Parkett und vom Balkon (jetzt mit „Raucherkäfig“) zujubelten. An welches erinnert sich Lohmann spontan? „Willy de Ville. Ich wollte ihn aus dem Hotel abholen. Nichts. Wir ließen die Tür aufschließen. Er schlief. Wir haben ihn irgendwie ins Auto gesetzt und zum Capitol gefahren. Schweigend. Als wir da waren, stieg er aus, ging direkt auf die Bühne und fing an zu singen. Es wurde ein Superkonzert.“

... und, und, und ...

Wer alles da war? B.B. King, Willie Nelson, James Brown, Jerry Lee Lewis, Bo Diddley, Joan Baez, Peter Green, Jeff Beck und die Kinks. Auch deutsche Bands machten die Hütte voll: BAP, Seeed, die Ärzte, Nina Hagen, Jan Delay, Westernhagen auf Clubtour, Xavier Naidoo, Sportfreunde Stiller, Heino, Heinz Rudolf Kunze und natürlich Fury in the Slaughterhouse, die mit ihren vier ausverkauften Capitol-Shows 1993 bei gefühlt 60 Grad den Publikumsrekord halten. Robbie Williams startete nach seiner Trennung von Take That im Capitol neu durch – und spielte schon vier Jahre später vor 70.000 Menschen an der Expo. Auch die Backstreet Boys waren übrigens zu Gast. Superstars wie die Simple Minds und Radiohead kamen, Britpopper wie Blur, Pulp, Kaiser Chiefs, Kooks, David Byrne, Baby-shambles, Morissey und Joe Jackson, die US-Rocker Billy Talent, Bush, Dave Matthews und die Red Hot Chili Peppers, Gitarrenhelden wie Gary Moore, Joe Bonamassa, Jeff Healey, die Jazzrockvirtuosen Paco de Lucia und John McLaughlin und, und, und ...

Wer kommt noch 2016? Schramme 11 (28.9.), Disco Boys (2.10.), Birdy (3.10.), Blues Pills (5.10.), Tarja (7.10.), Heinz Rudolf Kunze (12.10.), New Model Army (20.10.). Karten an allen HAZ-Ticketshops. Infos: hannover-concerts.de

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