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Stadt Hannover Diakonie bringt Geschenke zu Roma-Unterkünften
Aus der Region Stadt Hannover Diakonie bringt Geschenke zu Roma-Unterkünften
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00:17 23.12.2016
Von Bärbel Hilbig
In der Unterkunft am Burgweg 13 freuen sich die Kinder über die Bescherung. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Kaum öffnen die Helferinnen die Heckklappe des Autos, stürzen sich die Kinder auf die bunt eingepackten Pakete. Es dauert einen Moment, bis die als Engel und Weihnachtsmann verkleideten Frauen an der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule wieder halbwegs die Regie übernommen haben. Sie wollen passende Geschenke herausgeben und fragen die Kinder deshalb nach ihrem Alter. Etwas ältere Kinder rücken ein zweites oder drittes Mal vor. „Ich hatte noch nichts“, behaupten sie dreist. Die Erwachsenen reklamieren Geschenke für abwesende Kinder. Unmerklich schieben sich einige Eltern nach vorn. Väter beginnen miteinander zu streiten.

Das Diakonische Werk Hannover hat die Geschenkaktion in den beiden Obdachlosenunterkünften für Roma im Burgweg kurzfristig organisiert. „Wir wollen ein Zeichen setzen, weil diese Menschen in Hannover nicht gerade gerne gesehen sind. Sie verdienen genauso viel Achtung wie wir“, betont Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes.

Nachbarn beklagen seit Langem Müll im Umfeld der Unterkünfte zwischen Herrenhausen und Hainholz. Aus den beiden zuständigen Grundschulen gibt es Informationen, dass manche der schulpflichtigen Kinder nur sehr unregelmäßig in den Unterricht kommen. Die junge, freundliche Sozialarbeiterin in der Unterkunft spricht selbst kein Rumänisch. Mit Kollegen wecke sie die Kinder jeden Morgen pünktlich. Der Dolmetscher, der einmal in der Woche kommt, mache die Schulpflicht jedes Mal zum Thema. Doch einige Familien reagierten gleichgültig.

Spiele und Kuscheltiere, so die Idee der christlichen Helfer, sollen nun der Kritik und mangelnder Wertschätzung entgegenwirken. Dabei richten sich viele Fragen vornehmlich an Politik und Verwaltung. Als EU-Bürger dürfen sich die Familien aus Rumänien und zum Teil Bulgarien in Deutschland aufhalten. Die Kommune muss bei Obdachlosigkeit Unterkünfte stellen. Je länger die Familien hier leben, desto stärker stellt sich jedoch die Frage nach einer besseren Integration. Schon allein, um die späteren Chancen der Kinder zu erhöhen.

„Die Leute wollen bleiben, denn wo es Strom und fließendes Wasser gibt, ist es besser als in den Heimatländern“, sagt Müller-Brandes. In die Beratungsstelle für osteuropäische EU-Bürger, die die Diakonie seit Anfang Januar betreibt, kommen 80 bis 100 Menschen pro Woche, die meisten Sinti und Roma. „Sie sind ganz unten in der Hierarchie und müssen sich mit vielen Vorurteilen auseinandersetzen.“ Der Diakoniepastor berichtet, die meisten der Männer suchten Arbeit und versuchten, diese kleinen Jobs als Un- oder Angelernte auch zu behalten. „Denn wenn sie hierherkommen, haben sie nur Anspruch auf Kindergeld, das ist aber auch schon alles.“ Selbst die Krankenversicherung sei oft nicht gewährleistet. Die Diakoniemitarbeiter helfen bei den Kindergeldanträgen. Sobald ein Job dazukommt, kann ergänzende Sozialhilfe beantragt werden.

Beim Gedränge um die Geschenkeausgabe mahnt schließlich ein Vater, der sich selbst nicht ins Getümmel begibt, mit wenigen Brocken Deutsch: „Erst Kinder bitte. Schule.“ Einige Mädchen und Jungen sind noch nicht aus dem Unterricht zurückgekehrt. Einige Schulkinder vom Burgweg 5 gehen am Ende tatsächlich leer aus, weil andere vorher ihre Interessen durchgesetzt haben. Angesichts der schwindenden Bestände erinnert eine Helferin daran, dass die Gruppe ja noch die Container-Unterkunft am Burgweg 13 besuchen will.

„Nächstes Mal machen wir es anders“, seufzt Michael Schroeder-Busch, der die EU-geförderte Beratungsstelle für Osteuropäer leitet. Aus der angeschlossenen Kleiderkammer kennt er viele Bewohner der Unterkünfte und auch das Gefeilsche um Spenden. Manche der Leute sieht er auch beim Rundgang durch die Innenstadt. „Für Roma gehört Betteln zum regulären Broterwerb, das ist Arbeit.“ Er weist jetzt eine junge Frau zurück, die Geschenke für ihre Kinder reklamiert. Schroeder-Busch hat gesehen, dass sie schon einiges eingesammelt hat. Die Kleiderausgabe der Diakonie laufe meist geordneter ab, sagt Schroeder-Busch. „Aber ehe Aggressionen aufkommen, gebe ich zum Schutz meiner Mitarbeiter lieber doppelt.“

Doch nicht jeden treibt die Sorge um, zu kurz kommen zu können. Eine junge Mutter im Morgenmantel drückt Weihnachtsmann Schroeder-Busch einfach ihr Baby in den Arm und macht ein Foto. „Für die Kinder“, erklärt sie mit einem Lächeln.

Probleme mit
 Schulbesuch

Der unregelmäßige Schulbesuch vieler Kinder aus den Obdachlosenunterkünften am Burgweg war Montagabend wieder Thema im Bezirksrat Nord. Die Stadtverwaltung gab jetzt Auskunft zu den Fehlzeiten von Schülern aus der Container-Unterkunft Burgweg 13 in Hainholz. 21 schulpflichtige Kinder und Jugendliche von sechs bis 17 Jahren leben nach Angaben des Betreibers European Homecare in der Obdachlosenunterkunft. Sechs der Kinder gehen an die Fichteschule in Hainholz, in deren Einzugsgebiet der Containerbau liegt. „Andere Kinder waren dort angemeldet, sind aber nicht erschienen und offenbar wieder weggezogen“, berichtet Stadtbezirksmanagerin Astrid Schepers.
Die Grundschule hat jetzt 81 Schultage von Anfang August bis zum 9. Dezember ausgewertet. Ein Kind fehlte nur an 14 Tagen im Unterricht, zwei andere an quasi jedem zweiten Tag. Die anderen drei Schüler kamen zwischen 22 und 30 Tage nicht zur Schule. Die Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen, auf die weitere Schüler gehen, will eine Auswertung nachreichen. Speziell zwei Familien mit sechs und sieben Kindern sähen wenig Sinn im regelmäßigen Schulbesuch, sagte Stadtbezirksmanagerin Schepers. Man dürfe nicht alle Eltern über einen Kamm scheren.
„Ich sehe keinen Grund, bei einer Personengruppe besonders nachzubohren. Bei anderen Schülern sieht es bestimmt ähnlich aus“, kritisierte Ratsherr Patrick Drenske (Grüne). Die Diskussion um diese eine Gruppe könne stigmatisierende Wirkung haben, befürchtet Drenske – und forderte eine Aufstellung über die generellen Fehlzeiten von Schülern. Die Lehrer an den beiden Grundschulen haben eine andere Perspektive auf die Situation. Die Fichteschule beschäftigt einen Extra-Sozialarbeiter. Die Grundschule Wendlandstraße betont, es seien besondere Anstrengungen notwendig, die Kinder im Unterricht anzuleiten.     

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