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Stadt Hannover Die Gralsbotschafter aus Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Die Gralsbotschafter aus Hannover
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06:00 05.02.2019
Verena und Marcus Bernstein vom Gralskreis Hannover. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

 Um mit etwas Weltlichem zu beginnen: Unten am Hauseingang eines Bürogebäudes, direkt gelegen an der Kurt-Schumacher-Straße, werben Schilder für Anwaltskanzleien, Lohnsteuerhilfe, Malstudio und Yogaschule. Das übliche Geschäftsleben. Eine Tafel jedoch sticht heraus. „Gralskreis in Hannover“ steht darauf, dazu nur noch der Hinweis auf das zweite Obergeschoss. Keine Öffnungszeiten, keine Telefonnummer. Es wirkt rätselhaft. Gral, ist das nicht eine Geschichte aus der Mythologie, ein irgendwo versteckter Kelch, nach dem Glücksucher streben? Aber hier, an einer Hauptverkehrsachse, in einem gewöhnlichen Mehrstöcker am Rand einer Stadtbahntrasse in 30159 Hannover?

„Antworten auf ungelöste Fragen“

Der Weg zum Gralskreis führt übers Treppenhaus in eine geräumige Mietwohnung. Unspektakuläre Möbel stehen auf heller Auslegeware, ein Wohnzimmertisch mit Decke, darum in zwei Reihen Stühle. Auf dem Tisch liegt das dreibändige Werk „Im Lichte der Wahrheit“, das der hier sehr verehrte Abd-Ru-Shin von 1920 an zu schreiben begann. Es ist die Gralsbotschaft, sortiert in 168 Texte, die Eingeweihte Vorlesungen nennen. Eine Broschüre verspricht „Antworten auf ungelöste Fragen des Leben“. Vor den Fenstern hängen bodentiefe Gardinen. Eine weiße Flügeltür ist geschlossen. Was der Gralskreis besitzt, stammt aus Spenden.

Marcus Bernstein, Unternehmer in der Pflegebranche, leitet den Gralskreis in Hannover. „Ich war ein Suchender“, sagt Bernstein, er beschäftigte sich mit Fragen nach dem freien Willen des Menschen und seiner Verantwortung im Leben. Ein Bekannter empfahl ihm, sich mit der Schrift von Abd-Ru-Shin zu befassen, der seinen Zeitgenossen auch als Kaufmann Oskar Ernst Bernhardt aus Sachsen bekannt war.

Gebrauchsanweisung für das Leben

Bernstein wurde fündig. Er betrachtet die Texte über Schöpfungsgesetze, Religion, Keuschheit, Seele, Leben und Tod, Wiedergeburt und „urgeistige Ebenen I-VII“ als Gebrauchsanweisung fürs Leben. Den Inhalt der Gralsbotschaft fasst er, natürlich verknappt, so zusammen: „Im Hier und Jetzt auf Menschen zugehen.“ Aber die Botschaft scheint komplizierter zu sein. Verena Bernstein, im beruflichen Alltag Energieelektronikerin, brauchte drei Jahre, um den Text komplett durchzuarbeiten und zu verstehen. Sie habe dadurch gelernt, „Dinge bewusster zu tun“ und zu fragen, welchen Einfluss ihr Handeln und schon ihre Gedanken auf Menschen haben, denn „der Mensch erntet, was er sät“. Was Menschen außerhalb des Gralskreises aus ihrem Alltagsleben kennen, ist „Im Lichte der Wahrheit“ das „Gesetz der Wechselwirkung“.

Die evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen ordnet die naturphilosophischen Vorträge der „klassischen Systemesoterik“ zu, konstatiert eine altertümliche Sprache und bemerkt eine geistesgeschichtliche Herkunft „aus einer frühmodernen Mystiksehnsucht“. Die Suche nach dem Gral werde als spirituelle Reise verstanden, die Gralsbotschaft enthalte dabei eine „starke Abwertung des Verstandes und der Vernunft“.

Verzicht auf jedes Ornament

Im zweiten Stock des Geschäftshauses Kurt-Schumacher-Straße öffnet Marcus Bernstein nun die Flügeltür und geht in den Andachtsraum. „Zu finden ist hier erst einmal Schlichtheit“, sagt er, spricht leiser als noch eben im Zimmer nebenan und meint den Verzicht auf jedes Ornament. Wieder Auslegeware, gewöhnliche Stühle, die in zwei Reihen zum schmucklosen Altar ausgerichtet sind, über dem das Gralskreuz hängt. Fotos sind nicht gestattet, man bittet um Verständnis. Verena Bernstein sagt, man wolle sich mit dem Inneren schmücken, nicht mit Äußerlichkeiten.

Es ist einer von 25 Orten in Deutschland, an dem sich jeden Sonntag 40 Menschen treffen können, aber dann müssten schon alle kommen, die sich im geographisch weit gezogenen Gralskreis Hannover der Bewegung verbunden fühlen. Gelesen wird einer der Vorträge. Was Abd-Ru-Shin schrieb, bleibt unverändert, seinen Worten wird nichts hinzugefügt, eine Art Predigt gibt es nicht. Ein Feiertag der Bewegung ist der 7. September, wenn des Geburtstags von Irmingard gedacht wird, der verstorbenen Tochter von Oskar Bernhardt. Nach einer Zeremonie, die einer Taufe ähnelt, können Zugehörige Kreuzträger werden.

Menschen, die anfällig sind fürs Rationale, dürften Probleme haben mit der Gedankenwelt der Gralsbewegung. Auch dafür hat Marcus Bernstein eine Erklärung aus der Gebrauchsanweisung, sie reicht über das Greifbare hinaus : „Das, was wir nicht erfassen können, macht unseren größten Teil aus.“

Von Gunnar Menkens

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