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Stadt Hannover Die HAZ wünscht frohe Weihnachten
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17:15 24.12.2014
Festlicher Baumschmuck mit Kugeln und Strohsternen: Nicht immer sind Weihnachtsrituale so verbreitet wie dieses, das offenbar auch die zweijährige Zoe schon gut kennt. Quelle: Insa-Cathérine Hagemann
Hannover

Ohne Mandelreis geht gar nichts. Fehlt diese Spezialität am Weihnachtsabend, ist für Mikkel Engelke nicht wirklich Weihnachten. Auch wenn der Tannenbaum geschmückt im Wohnzimmer steht und die Geschenke verpackt darunter liegen. Seine beiden Töchter Greta und Freda mögen die dänische Spezialität eigentlich gar nicht so sehr. Doch ein Weihnachten ohne den „Riz a l‘almond“, wie der Pudding aus Reis, Mandeln und Sahne heißt, ist auch für die beiden jungen Deutschdäninnen unvorstellbar. Es ist eben ein Ritual. Und Weihnachten ist mehr oder weniger das Fest der Rituale. Doch warum hängt der Weihnachtsfrieden davon ab, dass alles genauso ist wie immer?

... und anschließend der Tanz um den Baum: Freda Hilbig (vorn rechts, im Uhrzeigersinn), Greta Hilbig, Mikkel Engelke, Angelika Hilbig, Eckard Engelke, Hanne Skjelmose. Quelle: Eberstein

Kurt Brylla, Psychologe am hannoverschen Winnicott-Institut, hat dafür eine einfache Erklärung: „Schon als kleine Kinder geben Rituale uns Sicherheit und Orientierung. Sie erleichtern uns Herausforderungen und geben Kraft. Das zieht sich durch das ganze Leben hindurch.“ Seit er sich erinnern kann, gibt es bei Mikkel Engelke am Heiligabend Schweinebraten mit Kruste, Rotkohl, glasierte Kartoffel und zum Nachtisch den Reispudding. Darin ist eine ganze Mandel versteckt, und wer sie findet, bekommt ein kleines Geschenk. So will es die Tradition. Die schon bei Mikkels Mutter Hanne Skjelmose so war.

Als Mikkel zum ersten Mal Weihnachten mit seiner Lebensgefährtin Angelika und der älteren Tochter Greta feiern wollte, sollte es eins der in Deutschland populären Gerichte geben: Kartoffelsalat mit Würstchen. „Ich war schockiert. Ich esse doch nicht an einem Festtag wie Heiligabend nur Kartoffelsalat“, sagt Mikkel und lacht bei der Erinnerung. Also stellte er sich damals in die Küche und kochte das Weihnachtsessen, das er kannte, für seine Familie. Längst hat Mikkel auf diese Weise eine eigene Tradition geschaffen: Am Weihnachtsabend kommen nun Eltern und Geschwister, es gibt ein üppiges Festmahl, anschließend wird um den Weihnachtsbaum getanzt. Für Greta und Freda ist das der Höhepunkt des Abends. Doch zuvor ist viel zu erledigen. Und das kann durchaus in Stress ausarten.

Ein Kirchenbesuch ist für viele an Weihnachten unentbehrlich: Henry (4) und Mattis (10) in der Marktkirche während des Weihnachtsoratoriums. Quelle: Hagemann

„Rituale sind etwas Schönes“, sagt Psychologe Brylla, „doch sie werden zum Problem, wenn sie ihren Sinn verlieren.“ Dann werden sie zu Pflichtveranstaltungen, die mehr Druck erzeugen, als sie nehmen. „Gerade an einem emotionalen Fest wie Weihnachten sollte man sich fragen, warum man dieses oder jenes eigentlich immer tut. Weil es schön ist – oder bloß, weil man es so macht?“

Mikkel hat für sich die Antwort auf diese Frage schon gefunden: „Es ist natürlich viel Arbeit, aber das ist mir ein schöner Abend mit Familie wert.“ Und ein bisschen ist selbst die vorweihnachtliche Hektik zum Ritual geworden: „Für mich beginnt Weihnachten, wenn alles erledigt ist.“

Von Isabel Christian

Weihnachten ohne Geschenke? Für viele undenkbar. So wie für Frederike und Friederike (7 Jahre), hier vor der Weihnachtspyramide in der Innenstadt. Quelle: Hagemann

Rituale: „Eine wichtige soziale Funktion“

Manches Weihnachtsritual ist ein erstaunliches Phänomen – jedes Jahr aufs Neue. Da sind zum Beispiel diejenigen, die sich das ganze Jahr nicht im Geringsten für Religiöses interessieren – und die an Heiligabend plötzlich dringend auf dem Kirchgang bestehen. Da sind die Paare, die sich geschworen haben, diesmal Konsum und Kommerz ganz bestimmt zu boykottieren – und die dann eifrig Geschenk um Geschenk kaufen. Und nicht zu vergessen jene, die nach dem Familienkrach beim letzten Weihnachten dieses Mal unbedingt allein in der Ferne verbringen wollten – und die sich nun doch schon wieder auf die gemeinsame Gans am großen Tisch am ersten Weihnachtstag freuen.

All diese kleinen Weihnachtsverwandlungen erzählen von der Macht des Rituals. Etwas, dem wir uns nur schwer entziehen können – und das eine wichtige soziale Funktion in der Gesellschaft hat. „Rituale stärken die Zusammengehörigkeit und das Gemeinschaftsgefühl“, sagt der Anthropologe Christoph Wulf von der Freien Universität Berlin. „Das Soziale entsteht im Prinzip erst durch Rituale.“

Wulf hat Weihnachtsrituale wissenschaftlich untersucht. Er ist dabei auf fünf Merkmale gestoßen, die entscheidend sind für unser Weihnachtsgefühl – und die es so oder ganz ähnlich auch bei Ritualen in anderen Kulturen gibt: Da ist die religiöse Komponente, der gemeinsame Kirchgang (egal, ob man religiös ist oder nicht), das gemeinsame Essen (egal, was auf den Tisch kommt), das Schenken, das Erzählen von Familiengeschichten und die unverplante Zeit. „In allen diesen Belangen“, erklärt Wulf, „verläuft Weihnachten bei vielen Familien sehr ähnlich.“
Zum Wesen der Rituale gehört es, dass sie jedes Jahr wiederholt werden. Die Geschenke sind zwar teurer und üppiger geworden, das Ritual aber hat es nicht berührt. Auch die Unterschiede zwischen Ost und West sind vergleichsweise klein. Selbst der neue Heiligabend-Klassiker Kartoffelsalat mit Bockwurst ist gesamtdeutsch. Auch dass es immer mehr Kinderlose, Alleinerziehende und Patchwork-Familien gibt, kann den Bräuchen laut Wulf nichts anhaben: „Kinder, deren Eltern getrennt leben, feiern einfach an mehreren Tagen Weihnachten.“

 tof

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