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Stadt Hannover „Die Show kann ich nicht genießen“
Aus der Region Stadt Hannover „Die Show kann ich nicht genießen“
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00:15 12.12.2016
Bei der „Compagnie Impulsion“ gab es während der Proben noch Schwierigkeiten. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Die Nacht der Pferde ist der Höhepunkt der alljährlichen Pferd und Jagd in Hannover. Das perfekte Zusammenspiel von Pferd und Reiter fasziniert nicht nur Pferdefreunde. Für die Zuschauer sieht es so aus, als ob alles einfach abläuft - die Arbeit dahinter bekommt kaum einer mit. Für den perfekten Ablauf ist Regisseurin Sandra Busse zuständig. Zwölf Showbilder und ein großes Finale mit 150 Pferden und 60 Akteuren koordiniert sie in diesem Jahr. Die 48-Jährige ist selbst Pferdeliebhaberin und sagt: Ohne Ahnung von Pferden kann man diesen Job nicht machen.

Was machen sie da, Frau Busse?

Ich schaue mir gerade die Probe von Samuel Hafrad an. Er gewöhnt seine Pferde an die Arena. Dabei schaue ich, was wir bei dem Licht oder der Musik verändern müssen, und versuche Schwierigkeiten zu beseitigen, damit am Freitag und Sonnabend alles klappt.

Wie viel Arbeit müssen Sie im Vorfeld in die Show investieren, und was muss alles bedacht werden?

Etwa ein Jahr vorher überlege ich mir, welche Showbilder ich gerne hätte. Auch für nächstes Jahr habe ich schon Ideen. Im Januar schicke ich die ersten Anfragen raus und schaue mir die einzelnen Künstler live oder auf dem PC an. Drei Tage vor der Show mache ich dann nicht mehr meinen eigentlichen Job, sondern bin ausschließlich Regisseurin. Dabei muss ich die Techniker und zehn Helfer koordinieren und einweisen. Jedes Showteam bringt seine eigene Musik mit und hat Lichtwünsche, die ich versuche umzusetzen. Dies muss abgesprochen werden. Ebenso die Einblendungen auf der Videowand. Ich bin also die Frau mit dem Gesamtkonzept. Aber alle Helfer sind sehr erfahren und schon jahrelang dabei, sodass die meisten Sachen auch ohne vorherige Anweisung funktionieren.

Wie ist der genaue Ablauf vor der Show?

Manche Pferde und Akteure reisen schon drei Tage vorher an, um in der Halle trainieren zu können. Zwei Tage vorher gibt es die ersten Proben. Dafür habe ich einen durchgetakteten Plan, auf dem alle Zeiten genau aufgelistet sind. Am Abend vor der ersten Show gibt es eine Generalprobe, bei der das gesamte Programm einmal durchläuft. Da erfolgt der letzte Feinschliff, und man sieht alles, was schiefgehen könnte. Aber es kommt auch immer wieder vor, dass Teilnehmer erst am Tag der Show anreisen und ich ihre Bilder vorher nicht live in der Halle sehe. Da vertraue ich auf die Akteure, denn das sind alles erfahrene Reiter im Pferdeshow-Business.

Sandra Busse (links, mit ihrer Assistentin Carolin Hogrefe) ist 48 Jahre alt und führt seit 20 Jahren die Regie bei der Nacht der Pferde. Die Abteilungsleiterin für Event und Marketing bei der Deutschen Messe schlüpft einmal im Jahr in ihre dreckigen Stallschuhe und ist dann Chefin im Reiterviereck. Pferde begleiten sie seit Kindertagen. Quelle: Katrin Kutter

Was ist Ihre Aufgabe während der Show?

Ich sitze zusammen mit sechs Technikern auf dem Regieturm und habe meinen genauen Ablaufplan dabei. Nach und nach wird alles durchgegangen und abgehakt. Ich bin in ständigem Funkkontakt mit allen Helfern und Technikern. Die Helfer am Abreiteplatz halten mich immer auf dem Laufenden, ob alle Pferde pünktlich da sind oder wenn irgendwas schief geht. Dann kann ich gegebenenfalls noch reagieren. Die Show an sich bedeutet für mich deshalb viel Arbeit. Da man mit Tieren arbeitet, kann immer etwas unplanmäßig passieren. Da heißt es dann: schnelle Entscheidungen treffen und umplanen, so dass die Zuschauer möglichst nichts merken.

Müssen Sie auch wissen, wann welches Pferd ins Viereck kommt und wieder rausgeht?

Nein. Ich kaufe die Nummer der Akteure so, wie sie angeboten werden. Die Reiter und ihre Teams wissen, wann die Pferde wo sein müssen. Sie bringen auch ihre Musik mit. Ich muss nur dafür sorgen, dass diese im richtigen Moment wechselt.

Können Sie die Show dann überhaupt genießen?

Nein, das kann ich nicht. Ich habe in jedem Jahr ein Lieblingsbild. Wenn dieses dran war, denke ich immer: Jetzt hat sich die Arbeit wieder gelohnt. Ich stehe unter extremem Druck, und der Stress ist groß, denn ich möchte, dass alle Zuschauer am Ende glücklich nach Hause gehen. Dafür muss in der Show natürlich alles perfekt laufen. Deshalb ist auch in jedem Jahr das Lampenfieber wieder da. Routine ist diese Arbeit für mich noch nicht geworden, denn es gibt immer neue Herausforderungen. Die Anspannung ist erst Sonntagabend weg, wenn ich auf dem Sofa sitze. Dann lasse ich die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren.

Ist während einer Show schon einmal etwas schiefgegangen?

Bisher hatten wir zum Glück keine größeren Unfälle. Auch wenn die Pferde im Showbusiness erprobt sind, ist in Hannover immer eine besondere Stimmung. Das Publikum ist sehr laut und geht emotional mit. Das mag nicht jedes Pferd. Ich hatte bisher nur einen rasanten Showact, bei dem ich gebetet habe, dass er so schnell wie möglich vorbeigeht. Und einmal sind kleine Shetlandponys aus der Halle abgehauen, weil ein Tor offen war.

Was muss passieren, damit Sie sich sagen können „Das war wieder eine gelungene Show“?

Bei der Zusammenstellung der einzelnen Bilder habe ich bestimmte Emotionen. Das ganze Jahr trage ich in mir einen Funken. Wenn ich merke, dass dieser Funke auf das Publikum überspringt, dann denke ich mir: Du hast wieder alles richtig gemacht. Das ist für mich dann der Antrieb fürs nächste Jahr.

Interview: Julia Polley

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