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Stadt Hannover Hier geht's ums Geld
Aus der Region Stadt Hannover Hier geht's ums Geld
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00:20 12.12.2014
Von Simon Benne
„Wie eine Lizenz zum Gelddrucken“: Rund 1,8 Millionen Besucher zieht der Weihnachtsmarkt Jahr für Jahr an - für die Betreiber der 190 Stände ein sehr lukratives Geschäft. Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

Gleich wird es dämmerig, dann kommen die Kunden. Liebevoll ordnet Stefan Dormeier noch einmal die Champignon-Knoblauch-Baguettes hinter der Holztheke. Tannengrün und Christbaumkugeln zieren seinen Stand im Schatten der Marktkirche. „Wir sind zufrieden, die Geschäfte gehen gut“, sagt der 46-Jährige. Seit 1989 ist der Imbiss-Betreiber mit seiner Frau Corinna regelmäßig auf dem Weihnachtsmarkt in Hannover zu Gast. Im Sommer steht ihr Stand auf Schützenfesten, auf der Osterwiese in Bremen oder auf dem Inselmarkt von Norderney. „Der Weihnachtsmarkt ist aber das wichtigste Geschäft“, sagt er. „Hier machen wir 50 Prozent mehr Umsatz als auf dem Schützenfest.“

So geht es vielen Schaustellern: Karneval, Kirmes und Frühlingsfeste verzeichnen sinkende Besucherzahlen; auch viele Schützenfeste schwächeln. Allein das Geschäft mit Glühwein und Gemütlichkeit boomt: „Vor 30 Jahren waren Weihnachtsmärkte eher ein Nebeneffekt - heute sind sie für viele das Kerngeschäft“, sagt Hans-Peter Arens, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schausteller und Marktkaufleute. Im Jahr 2012 hatten Deutschlands Weihnachtsmärkte rund 85 Millionen Besucher - etwa 70 Prozent mehr als im Jahr 2000. Und hinter der Kulisse heimeligen Lichterglanzes geht’s beim Weihnachtsmarkt - wie bei allen Märkten - ums Geld. Bundesweit machen Weihnachtsmärkte zwischen 2,5 Milliarden und 5 Milliarden Euro Umsatz jährlich - die Schätzungen gehen weit auseinander.

Märkte wie der in Hannover sind dabei für Schausteller besonders attraktiv. Seit Jahren gibt es weit mehr Bewerber als Standplätze: Die Genehmigung, hier einen Stand aufzubauen, sei eine „Lizenz zum Gelddrucken“, verrät eine Schaustellerin. Denn während andere Städte das Geschäft teils an Gesellschaften ausgelagert haben, die möglichst hohe Gewinne einfahren sollen, sind die Standgebühren in Hannover moderat: Betreiber von Glühweinständen zahlen für die gesamte Marktdauer 140 Euro je Quadratmeter, Imbisse 125 Euro, Kunsthandwerker nur 86 Euro. „Der Markt vorm Hauptbahnhof wird von der Bahn organisiert - da zahlt man weit mehr“, sagt ein Händler.

Service

Alle Weihnachtsmärkte in Hannover

„Wir finanzieren die Handwerkerstände mit, aber das ist schon okay so“, sagt Jennifer Bienert. Die 27-Jährige betreibt einen Glühweinstand, und in diesem Jahr hat das Marktamt sie direkt an der Marktkirche platziert. Eine Lage direkt am Besucherhauptstrom - da kann man nicht meckern. Im Sommer ist Bienert mit einer Cocktailbar auf dem Schützenfest. „Der Weihnachtsmarkt ist für uns aber die mit Abstand lukrativste Veranstaltung“, sagt sie. Schließlich funktioniere dieser sogar bei schlechtem Wetter: „Die Leute kommen auch im Schneeregen.“

Alljährlich drängen sich rund 1,8 Millionen Besucher über den Weihnachtsmarkt. Genaue Umsatzzahlen für Hannover kennt niemand. Doch nach Schätzungen von Experten gibt jeder Weihnachtsmarktbesucher in Deutschland rund 12 Euro aus. Allein auf dem Weihnachtsmarkt selbst, wohlgemerkt. Dazu kommt das Geld, das Marktbesucher in anderen Geschäften lassen. Denn für die Händler in der Innenstadt sind die Weihnachtsmärkte einer der größten „Frequenzbringer“, wie Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft Hannover, das nennt: Weihnachtsmärkte locken Käufer in die Stadt.

Viele Kunden kombinieren Weihnachtsmarktbummel und Weihnachtseinkauf gern zum gesamtadventlichen Shoppingerlebnis. „Davon profitiert die ganze Innenstadt“, sagt Prenzler: „Überall werden die Innenstädte immer uniformer - da schärft ein guter Weihnachtsmarkt das Profil einer Stadt.“

Tatsächlich sind große Weihnachtsmärkte auch Tourismusmagneten: Der Nürnberger Christkindlesmarkt und der Dresdener Striezelmarkt prägen das heimelige Image ihrer Städte maßgeblich mit. Dortmund wirbt damit, den größten Weihnachtsbaum Deutschlands zu haben, eine aus 1700 Rotfichten zusammengebastelte, 45 Meter hohe Konstruktion. In Regensburg und Berlin erheben einzelne Weihnachtsmärkte bereits Eintrittsgeld - und werden so zu Events für einen exklusiven Kundenkreis.

Davon ist Hannover weit entfernt: „Wir wollen vor allem Familien ansprechen“, sagt Michael Flohr, Leiter des städtischen Marktamtes. Das Konzept geht auf: Die Stadt deckt ihre Kosten, die Besucherzahlen sind hoch - und auch die Marktleute sind zufrieden. Wie der Schmuckhändler Wolfgang Lohmann. Im vergangenen Jahr hat er sich beworben und auf Anhieb einen Platz bekommen. „Abgerechnet wird natürlich zum Schluss“, sagt der Künstler, der seine selbst gefertigten Broschen und Anhänger sonst in der Binzer Promenade auf Rügen verkauft. Doch das Geschäft an der Marktkirche sei in diesem Jahr gut angelaufen: „Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wiederkommen kann.“

„Am Ende eine schwarze Null“

HAZ-Redakteur Simon Benne hat bei Michael Flohr, dem Leiter des städtischen Marktamtes, nachgefragt, wie es um den Weihnachtsmarkt in Hannover steht.

Herr Flohr, Weihnachtsmärkte sind in ganz Deutschland angesagt, auch die Besucherzahlen in Hannover sind gut. Wäre es nicht sinnvoll, die Dauer des Weihnachtsmarktes zu verlängern, wie andere Städte dies teils schon jetzt tun?
In Hannover beginnen wir traditionell nach dem Totensonntag. Und allen guten Weihnachtsmärkten ist gemein, dass sie vor Heiligabend enden. Sonst kommen die guten Kunsthandwerker nicht. Einige von ihnen produzieren das ganze Jahr über nur fürs Weihnachtsmarktgeschäft.

Ist es denn nicht so, dass die Schausteller bei Ihnen Schlange stehen, um einen Stand zu bekommen?
Wir haben rund 190 Stände, davon 130 allein auf dem Hauptmarkt um die Marktkirche. Die Hälfte davon bietet Getränke und Speisen an. In diesem Segment hatten wir dreimal so viele Bewerbungen, wie wir berücksichtigen konnten. Bei den Kunsthandwerkern waren es schon deutlich weniger. Und wir bemühen uns, die besten zu bekommen. Wir schauen uns das ganze Jahr über auf Märkten in ganz Deutschland um, um geeignete Händler zu finden.

Wenn Marktstände bei Händlern so begehrt sind, müsste der Weihnachtsmarkt doch ein einträgliches Geschäft für die Stadt sein ...
Wir arbeiten nicht gewinnorientiert, sondern kostendeckend. Mit unseren Einnahmen aus Standgebühren – jährlich etwa
360.000 Euro – finanzieren wir alle laufenden Kosten wie beispielsweise Beleuchtung, Reinigung, Strom und auch die Kinderaktionen auf dem Weihnachtsmarkt. Am Ende steht für uns dann meist eine schwarze Null. Was die Beliebtheit anbelangt, gehört Hannovers Weihnachtsmarkt mittlerweile zu den Top Ten in Deutschland. Und dies liegt auch an der ausgewogenen Mischung der Marktstände.

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