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Stadt Hannover Disco-Siegel ist ein Flop
Aus der Region Stadt Hannover Disco-Siegel ist ein Flop
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00:18 01.01.2015
Von Andreas Schinkel
Um die Diskriminierung von Ausländern an der Disco-Tür zu vermeiden, wurde die Siegel-Aktion ins Leben gerufen. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Monatelang wurde öffentlich darum gerungen, wie Hannover auf die mögliche Diskriminierungen von Ausländern an Discotüren reagieren kann. Die gefundene Lösung aber, dass sich Diskotheken und Klubs mit einem Anti-Diskriminierungs-Siegel schmücken dürfen, findet nur wenig Zuspruch.

„Sechs Bewerber haben an der Schulung teilgenommen, die dazu berechtigt, das Siegel zu tragen“, sagt Kirsten Jordan vom Branchenverband der Hotel- und Gaststättenbetriebe (Dehoga) auf Nachfrage der HAZ. Es hätten „gerne mehr Betriebe sein dürfen“, findet sie. Im Januar werden die Plaketten mit dem Logo „Pro AGG“ (Pro Allgemeines Gleichstellungsgesetz) neben den Türen folgender sechs Etablissements zu sehen sein: Agostea, Dax Bierbörse, Zaza, Osho Disko (Baggi), Capitol und Club Weidendamm.

Die Stadt Hannover und der Dehoga hatten vorab eifrig für ihre Plakette geworben. Damit sollte der Diskriminierung an der Discotür ein Riegel vorgeschoben werden. Immer wieder war in der Vergangenheit publik geworden, dass Türsteher Gäste wegen ihrer ethnischen Herkunft abwiesen. Im Januar dieses Jahres musste die Disco Agostea 1000 Euro Schadenersatz an einen türkischstämmigen Mann zahlen, dem der Eintritt verweigert wurde. Stadt und Branchenverband griffen daher im Herbst eine Idee aus der SPD-Ratsfraktion auf und entwarfen ein Gütesiegel für Klubs.

Beschwerden reichen nicht aus

Dieses Emblem können sich alle Gastronomen an die Tür kleben, wenn sie zuvor an einer Schulung teilgenommen haben. In einem eintägigen Unterricht, vom Dehoga organisiert, werden das Gleichbehandlungsgesetz thematisiert sowie das Verhalten von Gästen und Türstehern am Disco-Eingang analysiert. Wird ein Gast dennoch abgewiesen, weil er etwa eine dunkle Hautfarbe hat, muss das Siegel wieder entfernt werden - aber nur, wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Bloße Beschwerden reichen also nicht aus.

In der Gastronomieszene gab es von Anfang an Vorbehalte gegen die Initiative. „Wir werden mehr Beschwerden von Gästen bekommen, die behaupten, wegen ihrer Herkunft nicht eingelassen zu werden“, sagte der Chef des Zaza, Jürgen Uhlenwinkel. Dennoch nahm das Zaza an der Schulung teil.

Beim Dehoga glaubt man, dass die Werbewirkung des Siegels besser vermittelt werden müsse. „Wir sollten den Gastronomen klarmachen, dass das Siegel ihrem Geschäft zugute kommt“, sagt Jordan. Sie meint, dass andere Diskobetreiber nicht an der Schulung teilgenommen haben, weil sie annehmen, dass bei ihnen nichts zu beanstanden sei. Auch Jordan sieht die Gefahr, dass Gäste sich auf die Plakette berufen, um ihren Eintritt durchzusetzen, obwohl andere Gründe, etwa Trunkenheit, aggressives Verhalten oder unangemessene Kleidung, dagegen sprächen: „Ein Missbrauch des Siegels ist leider nicht ausgeschlossen.“

Andreas Schinkel

Kommentar: An der Realität vorbei

Man kann es drehen und wenden wie man will: Diskriminierung an der Disco-Tür ist mit dem Gesetzbuch kaum zu verhindern. Zurecht dürfen Gastwirte selbst entscheiden, wen sie in ihrem Lokal haben wollen und wen nicht. Wie aber weist man einem Türsteher nach, dass er einen Gast wegen seiner Herkunft nicht eingelassen hat? In Hannover ist das vor Gericht genau einmal gelungen – obwohl die Praxis offenbar gang und gäbe ist. Schon daran krankt die Siegel-Idee von Stadt und Dehoga.

Das Siegel ist also überaus einfach zu bekommen und danach kaum mehr zu verlieren. Dennoch will es kaum ein Disco-Betreiber haben. Das zeigt, wie weit die rot-grüne Idee an der Realität in Hannovers Nachtleben vorbeigeht. Man kommt bei der Diskussion an einer ernüchternden Erkenntnis nicht vorbei: Wenn ein Club ausländische Gäste nicht reinlässt, dann offenbar auch deswegen, weil sein Publikum das so haben will. Das mag beklagenswert sein. Ein Siegel aber wird das Problem nicht lösen.

Felix Harbart

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