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Stadt Hannover Selbstversuch im Drachenboot
Aus der Region Stadt Hannover Selbstversuch im Drachenboot
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00:16 01.06.2017
Volle Fahrt: Mit der Muskelkraft von 20 Paddlern auf dem Maschsee. Quelle: Villegas
Hannover

Trommeln schlagen, Menschen paddeln, es spritzt, es wird gelacht, es ist eine Riesenparty, wenn sich Drachenboot-Teams aus ganz Deutschland am Maschsee zu Wettfahrten treffen. Es sieht nach purem Sommervergnügen aus. Vom Ufer aus. Es ist Leistungssport. Wenn man im Boot sitzt. Das stellt jeder fest, der es ausprobiert.

Die Mai-Sonne kommt langsam in Fahrt, 25 Grad, wenig Wind. Bestbedingungen auf dem Hausrevier des Hannoverschen Kanu Clubs. Aber erst mal gibt es Trockenübungen. „Bilde mit deinen Armen ein Dreieck“, sagt Trainer Marco Genz. Der innere Arm soll durchgestreckt, der Knauf über dem Kopf sein. Die andere Hand soll ich möglichst nah am Paddelblatt platzieren. Und das Paddel immer schön nah am Boot durchs Wasser ziehen. Ein paar mal spielen wir stehend an Land durch, was ich gleich im Boot ausprobieren soll. Dann beschließt Genz: „Den Rest lernst du auf dem Wasser.“

„Alles klar“, denke ich. „Kann ja nicht so schwer sein.“ Allerdings sieht man den Mitgliedern des Teams HKC Masters an, dass sie ihren Sport nicht auf die leichte Schulter nehmen. Tatsächlich, so erklärt Teamleiter Christian Nolle, verstehen er und seine Crew sich als Leistungssportler. Masters steht für Ü40, also: 40 Jahre oder älter. Aber diese Schultern, diese Arme und Hände ... zupackend, durchtrainiert!

Keine Zeit für Zweifel - das Boot muss ins Wasser, alle müssen mit anpacken: rund 250 Kilogramm Leergewicht. Wenn es mit 20 Paddlern, Steuermann und Trommler voll besetzt ist, steigt das Reisegewicht auf rund zwei Tonnen, die durchs Wasser zu schieben sind.

Vom Vereinsheim geht es zum Wasser, das Boot wird auf den Steg geschoben und abgelassen. Trainer Genz weist jedem der 20 Paddler einen Sitzplatz zu. „Das muss gut austariert sein, damit wir nicht kippen“, sagt Teamchef Nolle. Ich komme in die vierte Reihe, Genz direkt hinter mir. „Dann kann ich dir zwischendrin helfen“, sagt der Trainer. Wir steigen ein, und los geht die Fahrt. „Paddel voraus und los!“, lautet das Kommando. „Eins, zwei, drei!“, wird von hinten der Takt angegeben. Schon nach wenigen Minuten melden meine Arme, dass sie diese Belastung so nicht gewohnt sind. Immer wieder nimmt Genz meine Schulter, schiebt sie nach vorn. „Mehr aus dem Körper paddeln, den Körper richtig strecken, sonst bist du gleich fertig“, sagt er. „Gleich?“, denke ich und antworte still: „Jetzt!“

Volle Fahrt

Mein Blick geht immer meinem Paddel nach. Dafür gibt es immer einen Rüffel. „Guck auf Monikas Paddel, immer nach vorn“, sagt Genz. Doch synchron zu paddeln ist gar nicht so einfach. Nach einer Weile geht es besser. Ich finde den Takt. Ich arbeite mehr mit dem ganzen Oberkörper. Auch die Arme tun nicht mehr so weh. Gerade als ich denke, dass ich den Dreh raushabe, kommt die nächste Herausforderung. Volle Fahrt, quasi aus dem Stand. „Wir machen jetzt drei ganz lange, kraftvolle Schläge, dann 20 kurze schnelle“, sagt Genz. Die ersten drei bekomme ich ganz gut hin - bei den schnellen spritze ich mir das modderig riechende Maschseewasser über den ganzen Körper und schlage immer wieder gegen das Paddel meines Vordermannes. „Gar nicht so einfach, wie es aussieht, oder?“, fragt Genz. Nein, überhaupt nicht. Nach zwei Kilometern ist für mich Schluss. „Wir müssen jetzt noch ein bisschen richtig trainieren“, sagt Genz. Für „richtig“ reicht’s bei mir demnach noch nicht. Wir schaffen etwa Tempo elf Kilometer pro Stunde. Das ist engagiertes Joggingtempo. Aber nicht genug für eine Drachenboot-Regatta. Da legen sie dann noch mal eine Schippe drauf. Klar, sind sind ja auch nicht (nur) zum Spaß hier, sondern wegen des Leistungssports.

Das Team

HKC Masters sind alle 40 Jahre oder älter. „Der Sport ist ideal, um den Kopf freizukriegen“, sagt Teamcaptain Christian Nolle. Er ist seit drei Jahren dabei. Trainiert wird dreimal in der Woche (montags, mittwochs, freitags), immer um 19 Uhr auf dem Maschsee. Im Winter geht es in den Kraftraum, zum Konditionstraining und einmal wöchentlich aufs Wasser - sofern der Maschsee nicht zugefroren ist.

Infos

 Ü40-Interessierte erfahren mehr per E-Mail an Webmaster@HKC-Masters.de, jüngere an drachenbootwart@hkc21.de.

Lisa Malecha

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