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Stadt Hannover Ein Spaziergang mit Herbert Schmalstieg
Aus der Region Stadt Hannover Ein Spaziergang mit Herbert Schmalstieg
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00:33 10.06.2018
„Ich war früher pflegeleicht und bin es auch heute noch“: Herbert Schmalstieg vor der Kulisse des Berggarten-Bibliothekpavillons. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Hier also ist Herbert Schmalstiegs hannoverscher Lieblingsort. Im Herrenhäuser Berggarten, zwischen Pflanzen und Gewächshäusern, in der Ruhe der Natur, die doch eigentlich gar nicht natürlich ist, sondern sehr diszipliniert domestiziert: von Menschenhand geformt zu einem Schaugarten der exotischen Gewächse.

„Wenn Sie es nicht verraten, zeige ich Ihnen, wo ich sonntagmorgens gerne sitze“, sagt Schmalstieg dem Journalisten, der es – versprochen – niemandem außer seinen Lesern verraten wird. Vom Haupteingang aus rechts, am Bibliothekspavillon vorbei, befindet sich an der Südostecke des Gartens ein kleiner, in rote Backsteinmauern eingefasster Hof. Die Steine strahlen die Wärme der Sonne an diesem Tag zurück, Herbert Schmalstieg setzt sich auf eine Bank. „So ist es schön, mit einem kleinen Picknickkorb mit Getränk und etwas zu essen“, sagt er. Doch kaum ist der Satz zuende, springt er schon wieder auf und referiert die Namen der Pflanzen im Hof: eine Malve, ein Laternenbaum aus Chile, etliche subtropische Pflanzen unter hannoverschem Himmel.

An diesem Freitag feiert Herbert Schmalstieg seinen 75. Geburtstag, es gibt einen Festakt im Neuen Rathaus. Zwölf Jahre ist es schon her, dass er als dienstältester Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt die Amtskette an seinen Nachfolger übergeben hat. Freiwillig, wie er betont. „Meine Amtszeit war noch nicht zuende, aber wenn man den Job fast 35 Jahre gemacht hat, dann muss man nicht noch weitere fünf Jahre im Amt bleiben.“

Privat gibt es keine Spur von Ruhestand. Zwei Termine hat er schon absolviert, als wir uns um 13 Uhr treffen, drei weitere warten später noch. Ist seine Frau, die ehemalige Landessozialministerin Heidi Merk, nicht manchmal verärgert, dass ihr Mann so wenig Zeit für Privates hat? „Och“, sagt Herbert Schmalstieg, „die ist ja selbst sehr engagiert, ist Präsidentin der Deutsch-Spanischen Gesellschaft, auf Bundesebene in der Stiftung Menschenrechte von Amnesty International aktiv, mit mir zusammen in der Kurdenfrage viel unterwegs.“ Man sei in Details vielleicht nicht immer einer Meinung, aber genau das mache das Leben ja interessant. Dass er jüngst seine Briefwechsel mit Willy Brand, Hans Maier, Helmut Schmidt dem Stadtarchiv geschenkt hat, das hat sie irritiert, aber Schmalstieg ist entspannt: „Ich habe mir ja Kopien gemacht.“ Er sei „immer pflegeleicht gewesen, das bin ich heute noch“. Manch ein Rathausmitarbeiter wird das anders empfunden haben. Schmalstieg konnte sehr klar in der Ansage sein.

Sagt er etwas zu den aktuellen Querelen im Rathaus? Schmalstiegs Stirn legt sich in Falten. Natürlich verfolgt er genau, welches Chaos dort in diesen Tagen herrscht. Aber er bleibt hart: „Ich äußere mich nicht zu tagesaktuellen Themen in Hannover“, sagt er: „Das gilt, seit ich Stephan Weil um Mitternacht den Schlüssel übergeben habe, und daran halte ich mich.“ Aber vermisst er die Macht, das Amt, das Ansehen im Rathaus? Schmalstieg galt als entscheidungsfreudiger Oberbürgermeister. „Ich habe immer versucht, alle Meinungen zu hören und alles auszudiskutieren – aber irgendwann muss jemand sagen, wo es langgeht“, sagt er.

Schon geht es weiter durch den Berggarten. Am Kanarenhaus hält er inne, es soll abgerissen werden und einem Neubau weichen. „Das habe ich auch mal eingeweiht“, sinniert er. Bei einer Amtszeit von 34 Jahren und neuneinhalb Monaten hat Herbert Schmalstieg gefühlt halb Hannover eingeweiht. Er hat 35 Schützenfeste eröffnet, 35-mal bei Kundgebungen zum 1. Mai gesprochen. 1972 wurde der Sparkassen-Abteilungsleiter mit 28 Jahren zum damals jüngsten Oberbürgermeister Deutschlands gewählt. Gemeinsam mit den Messechefs hat er die Expo nach Hannover geholt, in seine Zeit fielen aber auch die Chaos-Tage, die Fußgängerzonen wurden ausgebaut, Hannover hat sich zu einer toleranten, weltoffenen Stadt entwickelt. Mit den Grünen, ab 1981 im Rat, tat er sich anfangs schwer – am Ende klappte die Zusammenarbeit in der Stadtregierung aber gut. Schmalstieg hat als erstes Stadtoberhaupt vor der UN-Generalversammlung sprechen dürfen, hat sich weltweit in Friedensfragen engagiert – noch heute ist er ein gefragter Streitschlichter etwa bei Tarifkonflikten.

Dreiviertel seines Lebens habe er jetzt geschafft, sagt Schmalstieg verschmitzt, hält dann inne und korrigiert sich: „Man darf nicht damit kokettieren, dass es einem so gut geht. Wer weiß, ob nicht morgen etwas passiert.“ Ganz allmählich beginnt er, sich von einigen seiner vielfältigen Ämtern und Aufgaben zu trennen. Vor einer Woche hat er den Vorsitz der Wilhelm-Busch-Gesellschaft an Joachim Werren abgegeben („Ich habe mich immer darum gekümmert, dass es Nachfolger gibt“, sagt er, „schon damals als Juso-Chef“: Da wurde ein Gerhard Schröder sein Nachfolger). Schmalstieg ist Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung der Musikhochschule, berät den Seniorenrat der SPD auf Bundesebene, sitzt in der Härtefallkommission des Landes. Manchmal kommen aber auch noch Aufgaben hinzu: Seit einem halben Jahr ist er Sprecher der Kurdischen Gemeinden Deutschlands; im Oktober fährt er mit dem Verein Freiheit für die Westsahara in die letzte Kolonie Afrikas, Flüchtlingscamps begutachten. „Ich habe keine Entzugserscheinungen“, sagt er. Aber es sei nunmal sein Antrieb: Wenn er irgendwo Unrecht verspüre, müsse er sich engagieren.

Mindestens einmal pro Woche wende sich jemand an ihn, der Rat und Hilfe brauche, „und wenn ich kann, dann helfe ich“. Erstaunlich: Herbert Schmalstieg stand während seiner gesamten Amtszeit mit Privatadresse und -nummer im Telefonbuch. „Wer Politik macht, darf nicht nur fünf Wochen vor einer Wahl die Hände schütteln, sondern muss immer für die Menschen da sein“, sagt er.

Von Conrad von Meding

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