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Stadt Hannover Ein deutsch-türkischer Weihnachtsmarkt-Besuch
Aus der Region Stadt Hannover Ein deutsch-türkischer Weihnachtsmarkt-Besuch
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18:27 07.12.2016
Von Juliane Kaune
"Nikolaus war ein Türke": Das gemeinschaftliche Programm soll die Kulturen einander näherbringen. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Natürlich gibt es bei Familie Hatipoglu einen Weihnachtsbaum. Einen Gänsebraten und viele Geschenke. „Das muss sein – ich bin schließlich mit einer Deutschen verheiratet“, sagt Aytekinhan Hatipoglu. Der 37-jährige Türke mag Weihnachten: Alle haben Zeit füreinander, die Kinder fiebern der Bescherung entgegen, und die Schwiegereltern sind immer gern dabei. Sicher, die gehen später auch noch in die Kirche, aber sonst spielen die christlichen Wurzeln des Festes an Heiligabend kaum eine Rolle bei den Hatipoglus. „Meine Frau ist evangelisch, ich bin Muslim – aber für uns ist Weihnachten einfach nur ein schönes Familienfest.“

Gerade weil er das Fest so mag, steht Hatipoglu am Dienstagabend in eisiger Kälte vor dem Historischen Museum und wartet auf den Beginn des Rundgangs mit dem programmatischen Titel „Oh, du fröhliche“. Der Verein Stattreisen und das Deutsch-Türkische Netzwerk (DTN) haben erstmals vor allem türkischstämmige Hannoveraner eingeladen, um ihnen beim Bummel durch die adventliche Altstadt deutsche Bräuche und Traditionen rund um Weihnachten näherzubringen. Es gab auch schon eine Veranstaltung mit umgekehrten Vorzeichen: das Fastenbrechen, zu dem gezielt deutsche Gäste eingeladen waren. „Wir möchten die Kulturen zusammenbringen“, sagt der DTN-Vorsitzende Irving Wolther, der deutsche und französische Wurzeln hat, immer mal wieder in Istanbul lebt und sich als „Hobby-Türken“ bezeichnet.

Hatipoglu hat sich darauf eingestellt, als Dolmetscher einzuspringen. Doch das ist nicht nötig: Die türkischstämmigen Teilnehmer, die sich mit Stadtführerin Marlies Siebecke auf den Weg machen, sprechen perfekt Deutsch. Sie sind alle hier geboren. Und sie sind bestens im Thema. „Meine Eltern sind in den Siebzigerjahren hierher gekommen und haben sich schnell integriert“, sagt Fatma Girtten. „Wir haben schon immer Weihnachten gefeiert, mit Liedern und allem, was dazu gehört.“ In der Familie ihres Mannes Murat war das ähnlich.

Gleichwohl kann Siebecke ihren Zuhörern genug Neues berichten. Sie erfahren, dass der erste Adventskalender anno 1904 von einem Münchener Druckereibesitzer namens Gerhard Lang auf den Markt gebracht wurde. Dass der im 19. Jahrhundert immer beliebter werdende Weihnachtsbaum seine Vorläufer in den festlich geschmückten Bäumen der mittelalterlichen Zünfte hat. Oder dass der Christstollen einst nur aus Wasser, Mehl und Hafergrütze bestand, weil die Kirche verboten hatte, der Fastenspeise Butter beizumischen – das änderte sich im 17. Jahrhundert nach- und kalorienhaltig.

Auch Türken schmücken Bäume

„Mein Mann liebt Stollen“, sagt Gülcan Celik, die mit einem Deutschen verheiratet ist. Sie kann sich nicht an das Gebäck gewöhnen. „Ich mag um diese Jahreszeit lieber Waffeln.“ Aber die Hitjepuppen der Bäckerei Borchers würde sie gern einmal probieren. Die rotglasierte Pfefferkuchen mit Zuckerverzierungen werden dort seit 1847 nach einem streng gehüteten Familienrezept alle Jahre wieder in den Ofen geschoben.
Ach ja, es darf natürlich auch nicht vergessen werden, dass der Heilige Nikolaus eigentlich ein Türke war. „Er lebte im griechischen Myra, dem heutigen Ort Demre in der Nähe von Antalya“, sagt Weihnachtsführerin Siebecke. Aytekinhan Hatipoglu wusste das. „Wozu hab ich mal vier Semester Geschichte studiert?“, fragt er fröhlich.

An der Marktkirche ist Endstation. Aber Weihnachten kommt ja erst. Und auch danach ist noch nicht Schluss: „Die Türken schmücken ihren Neujahrsbaum an Silvester so wie wir unseren Weihnachtsbaum, und es gibt dann auch Geschenke“, erklärt der DNT-Vorsitzende Wolther. Wer sich in beiden Kulturen heimisch fühlt, kann sozusagen gleich zweimal Weihnachten feiern.

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