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00:16 05.01.2018
Ernst Müller und Hans-Dieter Bader bereiten das Konzert für die  HAZ-Weihnachtshilfe vor. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

 Die Begrüßung fällt herzlich aus. Ernst Müller streckt seinem langjährigen Wegbegleiter Hans-Dieter Bader freudig die Hand entgegen, führt ihn sanft an Notenpulten vorbei gen Bühnenmittelpunkt. Beide nicken sich professionell zu – und dann geht es los. Müller am Taktstock, Bader am Mikrofon, Mitglieder das Langenhagener Akkordeon-Club unter der Leitung von Nemanja Lukic stimmen später ein, dazu kommen etwa 40 weitere Musiker des Hausorchester, die Langenhagener Symphonikern unter dem Vorsitz des eloquenten Moderators Detlef Leonenko. Es gibt Ausschnitte aus „Die lustige Witwe“, „Tritsch-Tratsch-Polka“, „Hello, Dolly“ und „Petersburger Schlittfahrt“. So modern klingen Klassiker selten.

Müller lernte Hans-Dieter Bader in den siebziger Jahren kennen. Der „Freischütz“ feierte in der Oper Premiere. Für Müller, der Musikdirektor und Langenhagener Dirigenten, war es schon die sechste oder siebte Premiere überhaupt. Damals lauschte er beeindruckt dem Kammersänger Bader und traf ihn später in der Opernkantine. Man verstand sich und wagte ein Experiment. „Bader sollte der erste Tenor werden, der mit einem Blasorchester auf Tournee gehen sollte“, erinnert sich Müller. Es gab keine passenden Noten, Arrangements, Vorbilder. Sie versuchten es trotzdem. Damals ahnten sie noch nicht, dass sie eine 40-jährige Bühnenkarriere planten, die am Dienstag im Aegi das Publikum zum Beispiel mit einer deutschen Version von „My Way“ begeistert.

Die Ansagen zwischen den Liedern sind kurz. Erneut wird für die HAZ-Weihnachtshilfe gesammelt, mehrere Tausend Euro sollten zusammenkommen. Für Müller dürfte die Summe ingesamt viel größer sein, denn immer wieder lud er in den Jahrzehnten zu Benefiz-Aktionen für Menschen in Not vor Ort. Oft stand Bader dabei an seiner Seite. „Ich kenne keinen Tenor, der so genau nach dem Taktstock singt“, sagt Müller. Probleme? „Gab es eigentlich nie“, sagt Bader. „Wir haben einfach oft einen Wein miteinander getrunken.“ Zudem stimmte die Mischung der Kompositionen: „Radetzky-Marsch“ trifft auf „Chianti-Lied“. Und die Solistin Lisa Hintzke präsentiert ein Abba-Medley. „Wir haben immer für das Publikum gespielt“, sagt Müller. 

Im Aegi folgen Klassiker schnell gespielten, eingängigen Kompositionen. „Viele kennen manche klassischen Lieder nur noch als Klingelton, nicht von Konzerten“, sagt Detlef Leonenko. „Darum spricht das Neujahrkonzert immer öfter junge Leute an.“ Das Motto des Abends lautet: „Freunde, das Leben ist lebenswert“. Und Müller und Bader scheinen gemeinsam zurückzublicken. In Japan spielten sie 1989 zur Expo in Hiroshima, Tokio, Osaka und Kyoto. 1991 traten sie in Chile auf. In Santiago kamen 25000 Menschen zum Konzert. „So viele Menschen haben wir noch nie in unserem Leben gesehen“, erinnert sich Müller. 1998 ging es nach Vietnam. Müller und Bader kämpften gegen Dauerregen und mussten die Konzertreise wegen einer Flut abbrechen. „Die Instrumente wurden vom Regen angegriffen, der Busfahrer fuhr nur noch durch das Hochwasser davon,“ erzählt Müller. „Wir hatten etliche Konzerte, aber so eine Tour vergisst man nicht“, sagt Bader.

Müller ist heute 78 Jahre alt, Bader wird 80. „Nichts ist schwerer als die leichte Muse“ sagt Müller. Und der leidenschaftliche Operetten-Freund Bader nickt. Eine zeitlose Weisheit. Großer Applaus für den Abend – und dieses Lebenswerk.

Von Jan Sedelies

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