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Stadt Hannover "Verrohung und Gewalt" an der Grundschule Mühlenberg?
Aus der Region Stadt Hannover "Verrohung und Gewalt" an der Grundschule Mühlenberg?
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07:52 10.08.2017
Von Jutta Rinas
An der Grundschule Mühlenberg machen auch Eltern Probleme. Quelle: Tim Schaarschmidt
Mühlenberg

Die Probleme in der Grundschule Mühlenberg sind weitaus dramatischer als bislang bekannt. Die Schule leidet nicht nur darunter, dass dort - wie berichtet - so viele Kinder aus schwierigen Verhältnissen und mit wenig Deutschkenntnissen lernen, dass Unterricht nach Lehrplan oft kaum möglich ist. Christian Schön, Vorsitzender des Fördervereins, schlägt zudem wegen des Schulklimas Alarm, das von „Verrohung und Gewalt“ geprägt sei. Tritte und Schläge unter Kindern seien an der Tagesordnung, sagt er. Er selbst habe einmal eine Prügelei beendet, bei der ein Kind zu Boden geschlagen und getreten wurde.

Schön berichtet vom Auftritt eines Vaters, der eine schulische Mitarbeiterin mit den Worten „Mit Dir sprech’ ich gar nicht, Dich stech’ ich ab“ bedrohte. Auch einem vertraulichen Papier zufolge, das nach Abstimmung mit Schulvorstand und Personalrat an die zuständigen Behörden weitergeleitet wurde, sind Lehrkräfte und schulische Mitarbeiter einer als „besonders hoch wahrgenommenen verbalen und körperlichen Gewaltbereitschaft“ von Schülern und Eltern ausgesetzt. Die Palette reiche von Beschimpfungen bis zu verbalen Bedrohungen.

Internes Papier belegt Gewalt

Schulleiterin Stefanie Ramberg wollte sich am Montag zu dem Papier, das der HAZ vorliegt, nicht äußern: „Das ist ein interner Vorgang.“ Sie bestätigte aber, dass die „Aufwachsbedingungen“ der Kinder so schwierig seien, dass sich dies „nicht selten in einem dysfunktionalen und häufig aggressiven Umgang damit“ niederschlage. Lehrer könnten schwierige Situationen im Unterricht noch auffangen: „Pädagogische Mitarbeiter dagegen, die kranke Lehrer vertreten, schicken wir zu zweit in den Unterricht.“ Die Grundschule Mühlenberg ist eine von zwei Schulen, für die hannoversche Bildungsexperten kürzlich aufgrund eines „pädagogischen Notstandes“ ein Intensivkonzept für soziale Brennpunktschulen gefordert haben. Am Dienstag ist dieses Konzept auf Antrag der Landes-CDU Thema im niedersächsischen Landtag.

CDU fordert Konzept für Brennpunktschulen

410 Schüler gehen zur Zeit in die Grundschule Mühlenberg. Noch vor drei Jahren waren es 327. Rund 90 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Fast alle dieser Schüler haben einen Förderbedarf im Bereich der deutschen Sprache. Neun Prozent sind Inklusionskinder, dazu kommen etwa 40 nicht deutschsprachige Kinder, viele aus Bulgarien oder Rumänien, die teilweise nie zuvor eine Schule besucht haben.

Die CDU-Landtagsfraktion fordert in ihrem Antrag, dass die Landesregierung mit den kommunalen Spitzenverbänden ein Konzept zur Verbesserung der Bildungsangebote in sozialen Brennpunkten erarbeitet. Sie sollen bei Sprachlernklassen, Sprachförderungen, Schulsozialarbeitern und pädagogischem Unterstützungspersonal besonders berücksichtigt werden.

Vor allem Mädchen seien Zielscheibe heftiger Beschimpfungen, berichtet Schön. „Du Schlampe“ sei noch harmlos. Schön hat deshalb einen Elternabend zum Thema Mobbing/Gewalt anberaumt. Konflikte, die Eltern beim Bringen der Kinder in der Schule austrugen, hätten zudem dazu geführt, dass die Eingangstür der Schule seit den Sommerferien auch vormittags ständig verschlossen sei. Wer während der Unterrichtszeit in die Schule will, muss sich unter einer Telefonnummer an der Eingangstür melden und wird dann hereingelassen. Offen sei die Schule nur zum Unterrichtsbeginn für Schulkinder und Lehrer, so Schön.

Lehrer rufen Polizei um Hilfe

Zu der Entscheidung, Eltern den Zutritt zum Schulgebäude zu verwehren, habe auch geführt, dass Mütter die Aula stundenlang als Aufenthaltsort nutzten. Schwierigkeiten mit Eltern gab es sogar beim Mittagstisch, der billige Mahlzeiten für arme Kinder anbietet. Auch arme Mütter hätten immer wieder versucht, Essen zu bekommen. „Die Lehrer sind hoch engagiert“, sagt Schön. „Wenn die Zahl der Störer ein gewisses Maß überschreitet, hat man aber nicht mehr die Chance, sich angemessen zu kümmern.“ Es habe Fälle gegeben, in denen Lehrkräfte die Polizei zu Hilfe gerufen hätten, sagt Schön. Die Übergriffe hätten aber keine strafrechtliche Relevanz gehabt, heißt es vonseiten des Polizeikommissariats Hannover-Ricklingen.

Um die Situation im Eingangsbereich der Schule zu verbessern, habe man eine Klingelvorrichtung mit Überwachungskamera am Eingang und einem Türöffner im Sekretariat beantragt, sagt Ramberg. Brennpunktschulen wie ihre bräuchten zusätzliche Lehrerstunden, mehr sonderpädagogische Unterstützung, um ihren Bildungsauftrag zu erfüllen. Viele Probleme, auch bedrohlich wirkende Konflikte, könnten mit Dolmetschern leichter gelöst werden. „Es ist gut, dass Land und Schulträger Sprachvermittler zur Verfügung stellen. Sie reichen an Standorten wie diesem aber bei Weitem nicht aus.“

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