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Stadt Hannover Ist die Ganztagschule eher Zwang als Erleichterung?
Aus der Region Stadt Hannover Ist die Ganztagschule eher Zwang als Erleichterung?
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07:54 28.02.2017
Von Saskia Döhner
Begehrte Plätze: Erzieherin Susanne Morgenroth mit den Kinder der Keller-Krokos in der List. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

"Zwangsbeglückung“ mag Adam Wolf nicht. Wolf ist Ratsherr der Piraten, nicht eben ein Vertreter der stramm konservativen Fraktion im hannoverschen Rat also. Der Vorsitzende des Schulausschusses ist aber auch Vater, und als solcher hat er mittlerweile den Eindruck, dass Eltern in einem wichtigen Punkt demnächst die Entscheidung gänzlich abgenommen werden soll: In der Frage nämlich, wie viel Zeit ihre Kinder nach dem Unterricht noch in der Schule verbringen sollen.

Dabei geht es um zwei Fragen. Erstens: Sollten Eltern überhaupt gezwungen werden, ihre Kinder tageweise auch nachmittags in der Schule zu lassen - etwa in sogenannten gebundenen oder teilgebundenen Grundschulen? Zweitens: Wenn Nachmittagsbetreuung erwünscht ist, sollte sie dann in der Schule stattfinden - an jenem Ort, an dem die Kinder ohnehin den halben Tag verbringen? Wäre nicht ein Hort an anderer Stelle besser?

Hort in der Schule - ist das gut?

Die zweite Frage hat die Stadt bereits beantwortet: Sie hat vor, die Horte in den nächsten vier bis acht Jahren allmählich in die Grundschulen zu integrieren. Wolf hält davon nicht viel. „Eigentlich ist das doch nur ein Sparplan.“ Dabei hätten viele Schulen schon jetzt kaum genügend Platz für Ganztag. Es fehlten oft Aufenthaltsräume und ein großes Außengelände zum Toben. Für Kinder sei es wichtig, dass sie auch mal aus der Schule herauskämen und nicht den ganzen Tag in einem Gebäude verbringen müssten, meint Wolf. Außerdem biete ein offener Treff im Stadtteil auch die Chance, Gleichaltrige aus einem anderen sozialen Umfeld kennenzulernen, während Schulen häufig in sich geschlossene soziale Systeme seien. In anderen Worten:

Für Susanne Morgenroth, Erzieherin im Hort „Keller-Krokos“ in der Comeniusschule in der List, ist der Hort in der Schule eine Gratwanderung. Einerseits sei es für Eltern und Kinder praktisch, weil keine mitunter gefährlichen Wege zurückzulegen seien. Andererseits könne ein räumlicher Wechsel auch gut sein, weil dann eben die Schule zu Ende sei und mit dem Hort etwas Neues beginne. 20 Kinder gehen in den Hort „Keller-Krokos“. Wenn im Jahr sechs bis acht Plätze frei würden, weil die Kinder die Grundschule verließen, gebe es darauf 30 bis 40 Bewerbungen, sagt Morgenroth.

Eltern wünschen sich Flexibilität, das werde bei Podiumsdiskussionen und Befragungen immer wieder deutlich. Andererseits brauchen Schulen Verlässlichkeit, sie müssen wissen, wie lange die Kinder am Nachmittag bleiben, um Arbeitsgemeinschaften einzurichten und entsprechende pädagogische Mitarbeiter einzustellen. Eine AG funktioniert nicht, wenn sich 15 Kinder anmelden und dann plötzlich nur vier da sind, weil die anderen von ihren Eltern abgeholt wurden, da diese mal spontan früher von der Arbeit gekommen sind.

Eltern wollen Flexibilität

Horte können da vielleicht flexibler reagieren: „Es ist für uns wichtiger, dass Eltern die Zeit mit ihren Kindern verbringen. Wer mal nicht kommt, muss keinen Antrag stellen“, sagt Martina Scholz, die den Hort des Deutschen Roten Kreuzes in der Kestnerschule leitet. 40 Kinder in zwei Gruppen - die eine geht von 12 bis 16 Uhr, die andere von 12 bis 18 Uhr - werden dort betreut. Der Hort ist beliebt, angemeldet hatten sich für die Plätze zweimal so viele Bewerber. Wenn die Grundschüler aus dem Unterricht kommen, machen sie Hausaufgaben. Danach können sie sich aussuchen, was sie tun. Die einen basteln, die anderen lesen ein Buch oder spielen mit ihren Freunden. „Wir wollen, dass die Kinder ihren Nachmittag selbst gestalten“, sagt Scholz. Der Hort hat auch in den Ferien durchgängig geöffnet, außer zwischen Weihnachten und Neujahr. Längere Betreuungszeiten und kaum Ferien - das sind Vorteile, die viele Ganztagsschulen nicht haben.

Für Erzieherin Morgenroth macht noch etwas den Unterschied aus: Die fachlich kompetente Betreung im Hort. Andererseits ermöglichen viele Schulen gerade Kindern aus Familien, die nicht ins Theater oder in zum Tennis gehen, Angebote, die sie sonst nie hätten. Das sieht man auch beim Stadtsportbund so. Weil die Kinder immer länger in der Schule sind und nachmittags weniger Zeit haben, kommen Sportvereine und Musikschulen jetzt eben in die Schule. „So erreichen wir auch Kinder mit ausländischen Wurzeln oder Behinderungen“, sagt eine Sprecherin der hannoverschen Sportjugend. Und einen schönen Effekt gibt es noch: Einige Schüler treten am Ende dann doch in einen Verein ein.

Ein Tag in der Woche ist Pflicht

Immer mehr Grundschulen entscheiden sich nicht nur für offene Ganztagsangebote, sondern für teilgebundene. Das heißt, die Schüler müssen mindestens einen Tag in der Woche bis nachmittags bleiben. Als Halbtagsschule habe man die Bedürfnisse der Familien nicht erfüllen können, sagt Mechthild Aufderheide von der Albert-Schweitzer-Schule. Viele Kinder kämen aus bildungsfernen Schichten, könnten von ihren Eltern nicht unterstützt werden, und wenn Vater und Mutter berufstätig seien, fehle sowieso eine Bezugsperson. Auch die Grundschule Tegelweg stellt zum Sommer auf einen teilgebundenen Betrieb um, so könnten einerseits Kinder mit ausländischen Wurzeln besser Deutsch lernen und andererseits Eltern Beruf und Familie besser vereinbaren, betont Leiterin Karen Hauschildt-Behrens.

Für Frank Post von der Grundschule Fuhsestraße ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter beider Systeme eng abstimmen: „Die Betreuer am Nachmittag müssen doch wissen, was mit dem Kind am Vormittag los war.“ Abstimmung kann bei diesem Thema generell bestimmt nicht schaden.

Für den Piraten Wolf indes fängt hier die Zwangsbeglückung schon an, wenn der Ganztagsbetrieb an einem Tag in der Woche Pflicht ist. Nach Angaben der Stadt besuchen derzeit 10 777 Schüler die 38 Ganztagsgrundschulen in Hannover, davon nehmen 7218 Schüler das Ganztagsangebot wahr - das entspricht 69 Prozent. Die Nachfrage ist also groß - aber nicht allumfassend. Wie aber finden die 31 verbleibenden Prozent der Eltern eine Ganztagspflicht?

Adam Wolf setzt auf Freiwilligkeit. Eltern sollten sich entscheiden dürfen, ob sie ihre Kinder an Ganztagsschulen geben oder nicht, fordert er. Und Schüler sollten selbst entscheiden, ob sie nachmittags an einem Betreuungsangebot teilnehmen oder nicht. Egal, ob im Hort oder in der Schule.

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