Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Stadt Hannover Enercity plant Klärschlamm-Verbrennanlage
Aus der Region Stadt Hannover Enercity plant Klärschlamm-Verbrennanlage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 17.08.2017
Von Conrad von Meding
"Gibt es nicht auch sicherere Methoden?": Diskussionsveranstaltung zur geplanten Klärschlamm-Verbrennung im Hotel Föhrenhof an der Kirchhorster Straße. Quelle: Conrad von Meding
Hannover

Geht es nach den Plänen der Stadtwerke, dann entsteht in Lahe bis 2019 sozusagen eine kleine Schwester der großen Energy-from-Waste-Müllverbrennungsanlage. Deren Schlot ist 70 Meter hoch, die neue Klärschlammverbrennungsanlage dagegen wird wohl nur einen 40 Meter hohen Schornstein bekommen. Mit 2800 Quadratmetern Grundfläche und 35 Metern Gebäudehöhe soll die geplante Anlage aber durchaus auch Format zeigen.

120.000 Tonnen nasser Klärschlamm könnten dort jährlich verbrannt werden, 15 000 Tonnen Asche müssten danach auf Deponien gebracht werden. Kommunalpolitiker sorgen sich bereits um eine weitere Zunahme des Verkehrs in den umliegenden Stadtteilen. „Wie wollen Sie verhindern, dass bei Staus auf der Autobahn noch mehr Lkw-Verkehr durch die Stadtteile fährt?“, fragte der Bothfelder CDU-Ratsherr Felix Blaschzyk. „Sie sind ein gebeutelter Stadtteil“, räumte der von den Stadtwerken beauftragte Verkehrsplaner Heinz Mazur ein. Trotzdem sei nicht damit zu rechnen, dass die kalkulierten 30 bis 40 zusätzlichen Lkw am Tag einen Verkehrskollaps verursachten. „Der Standort ist über Autobahnen und Schnellwege gut zu erreichen“, sagte Mazur.

50 bis 60 Millionen Euro wollen die Stadtwerke investieren. Weil von der benachbarten großen Müllverbrennungsanlage ohnehin ein Anschluss zur Einspeisung von Restwärme ins hannoversche Fernwärmenetz gebaut werden soll, sei der Standort optimal für eine weitere Verbrennungsanlage, sagt Stadtwerke-Projektleiter Manfred Schüle. Für das kommunale Unternehmen eine gute Gelegenheit, den Anteil der regenerativ erzeugten Fernwärme zu erhöhen. Bisher wird sie ausschließlich mit Gas und Kohle hergestellt. „Das ist Ressourcenverschwendung, die wir nicht mehr wollen“, sagt Schüle.

Zürich als Vorbild

Bei der Konzeption des Projekts orientieren sich die Stadtwerker derzeit an einer Anlage, die in Zürich steht. Tabellenweise zeigte Schüle, dass alle Grenzwerte etwa für Blei, Cadmium, Staub oder Chlorverbindungen nicht nur eingehalten würden, sondern sogar unter der Irrelevanzgrenze der Technischen Anleitung (TA) Luft lägen. Allerdings werden die Schadstoffe bei diesem Anlagentyp erst nach der Verbrennung in der Rauchgasreinigung herausgeholt, wie der Bothfelder Anwohner Johannes Schott kritisch anmerkte: „Gibt es da nicht auch sicherere Methoden, bei denen das vorher passiert?“ Schüle bejahte das zwar in der Theorie, diese seien aber noch nicht ausgereift. Ohnehin sei man jedoch sehr früh im Planungsstadium. „Wir informieren die Öffentlichkeit heute bereits vor dem Gewerbeaufsichtsamt“, sagt Schüle. Anfang 2018 soll es eine weitere Veranstaltung geben, kündigt Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg an. Er selbst sehe das Projekt „relativ entspannt“.

Offen ist aber noch, wo die Asche deponiert wird. Weil in einer Informationsveranstaltung in Isernhagen in der vergangenen Woche exemplarisch der Deponiestandort Wunstorf-Kolenfeld genannt wurde, hat dort vorsorglich schon mal Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt protestiert. „Die Kolenfelder sind belastet genug“, sagt Eberhardt. Stadtwerke-Sprecher Carlo Kallen allerdings stellte am Montag klar, dass Kolenfeld nur ein beliebiges Beispiel gewesen sei – noch gebe es keine konkreten Pläne. Im Übrigen gehe es nicht um reinen Phosphor, sondern um gewöhnliche Phosphatverbindungen. „Das ist kein Schadstoff wie Asbest oder Radioaktivität, sondern ein ganz normales Düngemittel.“ Auch Stadtwerke-Gutachterin Sabine Barth merkte an: „Wir reden nicht über Gefahrenstoffe, sondern über ein Material, das bisher auf Felder gebracht wird.“

Das soll aus Umweltgründen ab 2018 immer seltener passieren, so sieht es die Klärschlammverordnung des Bundes vor. Ab 2029 wird es zudem für Großstädte wie Hannover Pflicht, Phosphatverbindungen aus Klärschlamm zurückzugewinnen – kleinere Kommunen sind etwas später dran. Die Stadtwerke wollen die Anlage daher so dimensionieren, dass sie Schlamm aus kommunalen Kläranlagen im Umkreis von 150 Kilometern verbrennen kann. Der Standort Lahe, sagt Schüle, sei mit der Metropolregion abgestimmt – er sei von acht geprüften Standorten etwa in Braunschweig oder Hildesheim der beste gewesen.

Ob die Preise für das Abwasser künftig steigen, war in der Versammlung kein Thema. Um etwa 10 bis 15 Prozent könne sich die Klärschlammentsorgung verteuern, wenn das Material als Dünger verboten sei, schätzte ein Experte am Rande des Termins.

Nebenan wird Wärme in Containern transportiert

Während die Abwärme von Klärschlamm- und Müllverbrennungsanlage künftig über das Fernwärmenetz genutzt werden soll, entsteht in direkter Nachbarschaft ein bundesweit gefördertes Modellprojekt zur „leitungsungebundenen Abwärmenutzung“. Für Investitionskosten von 1,7 Millionen Euro wird ab September Wärmeenergie aus der Restmüllverarbeitung in speziellen Mobilcontainern zum Schulzentrum Altwarmbüchen gebracht, um dort die Heizung zu unterstützen.

In Laienohren klingt das nach einer Schnapsidee: Mit einer Elektro-Zugmaschine soll täglich Warmwasser von der Deponie zum Schulzentrum gebracht werden, während genau nebenan ein Fernwärmeanschluss entsteht, mit dem Heizenergie durch Rohre nach Hannover transportiert wird. Bei der Klimaschutzagentur, die das Projekt gemeinsam mit dem Abfallentsorger Aha und der Gemeinde Isernhagen vorantreibt, betont Ingenieur Udo Scherer aber den Modellcharakter: „Die Gemeinde Isernhagen ist sehr innovativ, sie betreibt mehrere Blockheizkraftwerke und war die erste, die eine kommunale Brennstoffzelle in einem Schulzentrum installiert hat – deshalb bringen wir nun auch dieses Projekt mit ihr auf den Weg.“ Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit 1,4 Millionen Euro, allerdings hapert es noch an einigen technischen Details.

Darum geht es: Schon jetzt wird Methangas, das bei der gesetzlich vorgeschriebenen mechanisch-biologischen Abfallbehandlung („Kalte Rotte“) entsteht, weil etwa Bananenschalen oder Brot im Restmüll sind, abgesaugt und in einem Blockheizkraftwerk zu Strom umgewandelt. Die Wärme aber verpufft bisher. Dank des Pilotprojekts soll sie nun genutzt werden.

Die Flüssigkeit in den Wärmecontainern ist aber kein normales Wasser, sondern Natriumacetat (quasi Nitritpökelsalz). Skifahrer kennen es von den Taschenwärmern mit Knickplättchen: In ihnen findet ein Phasenwechselprozess statt, der es erlaubt, in der Flüssigkeit etwa doppelt so viel Energie zu speichern wie in Wasser. Diesen Prozess hat sich die Oranienburger Firma Latherm für ihre mobilen Wärmecontainer patentieren lassen. Das System sei schon im Einsatz, beteuert Scherer: „Wir starten kein Pilotprojekt mit Kinderkrankheiten.“

Allerdings wird der für nächste Woche geplante Projektstart noch mit Provisorien auskommen müssen. Die Firma, die die Wärmecontainer bauen sollte, ist verkauft worden und liefert nicht, deshalb kommen gebrauchte Container zum Einsatz. Auch die Elektro-Zugmaschine, die die Container dank Ökostrom klimaneutral zum Schulzentrum bringen soll, ist noch nicht gebaut, ein Ersatzfahrzeug stehe aber bereit, heißt es. Rentabel ist das auf drei Jahre angelegte Projekt nur dank der Bundesförderung. Aber die sei ökologisch sinnvoll, sagt Scherer: „Wir nutzen künftig einen Rohstoff, der sonst verpufft.“ Ein Anschluss an die geplante Fernwärmeleitung vom Deponiegelände sei wenig sinnvoll: „Es wird mehrere Jahre dauern, bis die kommt, wir aber können jetzt starten.“

Die Justiz steht vor gewaltigen Umwälzungen. Bereits zum 1. Januar 2018 muss dann die gesamte niedersächsische Justiz beim sogenannten fakultativen ERV mitmachen. Die elektronische Akte folgt später. Bis 2025 soll die digitale Akte das Papier ersetzen. 

Michael Zgoll 17.08.2017
Stadt Hannover Stadtspaziergang mit Journalist Bernward Kalbhenn - „Ich mag es, Geschichten zu erzählen“

Bernward Kalbhenn war Redakteur beim Stern, danach berichtete er 16 Jahren lange für den NDR und ist jetzt im Ruhestand als Kirchenführer in Hannover unterwegs. In seinem Ehrenamt bietet er unter dem Titel "Reformation im Vorübergehen" Touren durch die Stadt an. 

Simon Benne 17.08.2017

Ein ehemaliger Mitarbeiter des AWD behauptet, dass ihn der Konkurrent DVAG bezahlt habe, um das Unternehmen von Carsten Maschmeyer zu diffamieren. Das hat er in einem Buch geschrieben – und sorgt damit für Aufregung in der Finanzbranche.

Albrecht Scheuermann 14.08.2017