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Stadt Hannover Supermarkträuber schoss Kassiererin in den Fuß
Aus der Region Stadt Hannover Supermarkträuber schoss Kassiererin in den Fuß
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13:39 12.12.2014
Bei der Polizei sind bereits über 50 Hinweise auf den Todesschützen von Stöcken eingegangen. Quelle: Elsner
Hannover

Die Fahndung nach dem Mann, der am Donnerstagabend den 21 Jahre alten Joey K. erschossen hat, läuft auf Hochtouren. Dabei prüfen die Ermittler auch Zusammenhänge zu anderen Fällen – und sind dabei zumindest in einem Fall erfolgreich. „Bei einem Überfall in Hamm Ende Februar sind wir uns bereits ziemlich sicher, dass er das auch war“, sagt Oberstaatsanwalt Klinge.

Hinweise auf ähnliche Überfälle

Der Überfall in Hamm: Am 24. Februar dieses Jahres hatte dort ein ebenfalls 45 bis 55 Jahre alter Mann einer Kassiererin in den Fuß geschossen, als sie dem Räuber nicht schnell genug das Geld aus der Kasse gab. Zuvor hatte sich der etwa 1,70 Meter große Täter, der mit osteuropäischem Akzent sprach, wie ein normaler Kunde verhalten und war mit Waren an die Kasse gegangen. Dort zog er dann eine Waffe. Nach der Tat flüchtete er genau wie in Stöcken und Hemmingen mit einem Fahrrad. Die Ermittler in Nordrhein-Westfalen fahnden seitdem öffentlich nach ihm. Mitte Mai setzten sie eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro für Hinweise aus, die zu seiner Ergreifung führen. Ein auffallend ähnliches Vorgehen zeigten auch Täter bei Überfällen ...

• am 19. August in Celle
• am 16. Juli in Salzgitter
• am 20. Februar in Ricklingen und
• am 14. Januar in Kassel 

Insgesamt prüfen die Ermittler 19 Überfälle in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

"Nach der Auswertung der Spuren können wir mithilfe von Profilern in einer zweiten Phase der Ermittlungen die Mosaikteile zusammensetzen“, erklärt Klinge. Nach der Veröffentlichung der Bilder aus der Videokamera des NP-Marktes in der Weizenfeldstraße sind allein bis Dienstagmittag mehr als 100 Hinweise bei der Polizei eingegangen. „Diese werden jetzt so schnell wie möglich durchgearbeitet und nach brauchbaren Informationen gefiltert“, sagt Klinge.

Diese sowie die Spuren und Aufnahmen von den Überfällen in Stöcken und am Freitagabend im Lidl an der Weetzener Landstraße in Hemmingen gleichen die Ermittler mit den Beweisen von anderen Überfällen ab, für die der Täter ebenfalls verantwortlich sein könnte. Erst dann können die Spuren und Hinweise aus diesen Überfällen auch für die Ermittlungen in Hannover genutzt werden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft untersuchen Kriminalisten nun auch, ob eine beim Supermarkt-Überfall in Stöcken abgegebene Kugel einer bereits in einem anderen Fall bekannten Waffe zugeordnet werden kann.

Besonders schwierig seien die Ermittlungen, da es eine Vielzahl von Überfällen auf Supermärkte gebe und viele Täter ähnlich dabei vorgingen, sagte Klinge. Dennoch setze die Polizei alles daran, den Mann möglichst schnell zu fassen, da er besonders rücksichtslos und brutal vorgehe. „Man muss sich nur überlegen, dass der Täter einen Menschen tötet und am nächsten Tag direkt wieder einen Markt überfällt, weil er bei der Tat in Stöcken seine Beute liegengelassen hatte“, sagt Klinge.

Dort hatte ein etwa 40 bis 50 Jahre alter Mann am Donnerstagabend um kurz vor 20 Uhr die Kassierin mit einer Schusswaffe bedroht und Geld verlangt. Kurz nachdem sie ihm die Tageseinnahmen gegeben hatte, betrat Joey K. den Discounter. Als er den bewaffneten Räuber sah, wollte er ihn offenbar überwältigen. Bei dem Handgemenge löste sich ein Schuss, der den 21-Jährigen tödlich verletzte. Ein zweiter Supermarktkunde wurde schwer verletzt.

Entsetzen in Fürstenwalde

Im 300 Kilometer entfernten Fürstenwalde herrscht noch immer Entsetzen über die Tat. Die Angehörigen, K.s Mutter, seine Schwester Annika, sein Bruder Florian und die Großmutter, können bis heute nicht begreifen, was mit dem angehenden Hotelfachmann geschehen ist. „Wir hoffen jetzt, dass die Polizei den Täter schnell fasst, damit der Mann zur Rechenschaft gezogen werden kann“, sagt die Schwester des Getöteten im Gespräch mit der HAZ. Ihre Mutter habe die Geschehnisse vom Donnerstagabend so stark mitgenommen, dass sie derzeit mit niemandem darüber sprechen könne, sagte Joey K.s Großmutter.

„Der Schock ist vor allem so groß, weil Joey umkam, weil er einer Person in Not helfen wollte“, sagte Karin Lehmann, Kommunalpolitikerin aus Ks Heimatstadt und Vorsitzende des BSG Pneumant Fürstenwalde, in dem Joeys Bruder Fußball spielt. „Trotz oder vielleicht auch wegen der schrecklichen Nachrichten war Florian am vergangenen Sonnabend bei einem Fußballturnier, das wir veranstaltet haben“, sagt sie. Aufgabe des Vereins und der Bewohner von Fürstenwalde sei es nun, die Familie zu unterstützen und zu trösten.     

Von Jörn Kießler 
und Tobias Morchner / mit dpa

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