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Stadt Hannover "Wie ist das Leben als Flüchtling in Hannover?"
Aus der Region Stadt Hannover "Wie ist das Leben als Flüchtling in Hannover?"
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20:21 19.09.2016
Von Michael Zgoll
Amorus Coulbi (links) und Noumou Somafils leben seit Herbst 2015 in der Stadt. Mit Unterstützung von Marion Terle vom Nachbarschaftskreis Mitte, die als Dolmetscherin fungiert, erzählen sie der HAZ von ihren Erfahrungen. Quelle: Zgoll
Hannover

Viel Gutes haben der 22-jährige Noumou Somafils und der 43-jährige Amorus Coulbi (Namen von der Redaktion geändert) hier erlebt, viele ihnen wohlgesonnene Menschen kennengelernt. Doch auch Diskriminierung bekamen sie zu spüren – etwa auf dem Schützenplatz. Somafils und Coulbi sind zwei der drei Schwarzafrikaner, die im Juli nicht in das „Gilde Island“-Partyzelt gelassen wurden, angeblich, weil es überfüllt war. Die erst mithilfe von zwei Polizisten und einer Begleiterin aus dem Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte, der Bürgermeisterin Regine Kramarek, Einlass fanden. War diese Ausgrenzung typisch für ihre bisherige Zeit in Hannover? Oder doch eher die Ausnahme? Die HAZ hat sich mit den beiden Asylbewerbern getroffen.

"Ich war froh, dass die Polizei auf unserer Seite stand"

Das Erlebnis auf dem Schützenplatz steht beispielhaft für viele Erfahrungen des 43- und des 22-Jährigen in Hannover: das Einerseits und das Andererseits. „Ich fühlte mich sehr verletzt, nicht reingelassen zu werden“, sagt Coulbi. „Ich war wütend“, erinnert sich Somafils. Doch dann die Wendung. „Ich hatte Angst, dass es drinnen noch mehr Probleme gibt. Gab es aber nicht“, berichtet der Ältere. „Und ich war froh, dass die Polizei auf unserer Seite stand“, ergänzt der 22-Jährige. Das ist nicht selbstverständlich, mit Ordnungskräften in anderen Ländern haben sie auf ihrer Flucht schon ganz andere Erfahrungen gemacht. Kramarek hat gegen die Betreiber des „Gilde Island“ Anzeige erstattet, das Ordnungswidrigkeitenverfahren läuft noch.

Die Muttersprache der beiden Flüchtlinge ist Französisch, erst langsam lernen sie Deutsch. Die Sprachbarriere: Das ist – neben der Hautfarbe – im Alltag der größte Hemmschuh für eine unverfängliche Kontaktaufnahme. Als Noumou Somafils im Hauptbahnhof einen älteren Mann anspricht und nach einer Adresse fragt, radebrechend, gibt dieser sofort Fersengeld. Offenbar fühlt er sich bedroht. Und dann das krasse Gegenteil: Ein anderer Passant erklärt dem 22-Jährigen den Weg zum Bildungsverein in Hainholz nicht nur mit Worten. Sondern setzt sich mit ihm in eine Stadtbahn der Linie 6, begleitet ihn bis zur Schulenburger Landstraße.

Mord und Folter, Kriegsverbrechen: Das hat eine ganze Generation geprägt

Warum sind die beiden Männer, die in der Elfenbeinküste als Mechaniker arbeiteten, nach Deutschland gekommen? Ihr Heimatland ist zerrissen von Konflikten zwischen Nord und Süd. Seit Jahren prägen Auseinandersetzungen das westafrikanische Land, mal in alltäglichen Feindseligkeiten ausgetragen, mal im offenen Bürgerkrieg mündend. Mord und Folter, Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen: Das hat eine ganze Generation geprägt. Somafils war schon 2013 geflohen, arbeitete zwei Jahre in Libyen, bevor er über das Mittelmeer via Italien nach Deutschland kam. Coulbi setzte sich mit dem Flugzeug in die Türkei ab, fand den Weg ins Braunschweiger Aufnahmelager über die Balkanroute. Dass die Ivorer ihre echten Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, hängt mit Ängsten wegen der politischen Lage in ihrer Heimat zusammen.

Diskriminierung – wie häufig haben sie diese in Hannover zu spüren bekommen? Offene Feindseligkeit auf der Straße, nein, das kennen sie nicht. Ihre Unterkunft liegt in der Steigertahlstraße, in Linden-Nord ist multikulti nichts Besonderes. Da treffen sie schon mal auf Menschen, die ein Selfie mit ihnen machen wollen. Einfach so, gut gelaunt, am Leineufer. Es gibt aber auch Situationen, die die Ivorer schwer einschätzen können. Dass der Busfahrer am Goetheplatz nicht angehalten hat und sie an der Haltestelle stehen ließ – war das nun verkappter Rassismus oder nur ein dummes Versehen?

Besuch im Café? Können sie sich nicht leisten

Und wie ergeht es ihnen, wenn sie sich in ein Café setzen? Die beiden müssen lachen. Denn das können sie sich gewöhnlich nicht leisten. 322 Euro bekommen sie allmonatlich vom Staat, davon gehen rund 90 Euro für Fahrkarten, Telefon- und Internetgebühren ab. Ihre Kleidung stammt großteils aus dem Fairkaufhaus oder der Kleiderkammer der Diakonie, auch ihr Essen müssen sie selbst bezahlen. Immerhin kostet sie der Sprachkurs nichts, und für Extras wie Schulmaterial kommen häufig Helfer auf, etwa aus dem Nachbarschaftskreis Linden-Nord. Die laden sie auch zum Tretbootfahren auf dem Maschsee ein, stiften die Zutaten zum deutsch-afrikanischen Essen oder spendieren den Eisbecher auf der Limmerstraße.

Das Fazit der Flüchtlinge: Sie sind dankbar, in Deutschland Aufnahme gefunden zu haben. Sie wissen die Hilfsbereitschaft vieler Hannoveraner zu schätzen. Die Diskriminierung, die sie im Alltag gelegentlich erleben, sei natürlich schmerzhaft, sagen sie. Aber generell haben sie andere Sorgen, die sie viel stärker belasten: Wie klappt es mit dem Deutschkurs? Wie wird der Asylantrag beschieden? Und wie steht es um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

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