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Stadt Hannover Sprache lernen, Vertrauen fassen
Aus der Region Stadt Hannover Sprache lernen, Vertrauen fassen
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09:29 16.12.2014
Von Saskia Döhner
„Manche Kinder öffnen sich uns erst nach Monaten“: Lehrerin Kristina Gräfenstein kommt aus Kasachstan und weiß, wie es ist, fremd zu sein. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Hannover

Der Teufel liegt im Detail. „Was machen die vier anderen Finger?“, fragt Lehrerin Manijeh Messdaghi die 16 Kinder aus der Sprachlernklasse in der Fichteschule. Eben hat sie in einem Gedicht erzählt, was die fünf Finger an einer Hand alles so unternehmen. Armando meldet sich: „Der vierte geht zur Tür hinaus.“ Das ist zwar richtig, aber gefragt worden war nicht nach dem vierten Finger, sondern nach den vier, die den fünften wärmen.

Dafür, dass die Erst- bis Viertklässler, die hier zusammen in einer Klasse lernen, kurz nach den Sommerferien überhaupt keine Deutschkenntnisse hatten, sind sie jetzt nach drei Monaten schon ganz schön weit gekommen, wenn sie bereits an sprachlichen Feinheiten wie dem Unterschied zwischen „vier“ und „vierter“ arbeiten.

An der Fichteschule sind Sprachprobleme keine Seltenheit

Erstmals gibt es in diesem Schuljahr in Hannover neben den Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie der Herrschelschule als einzigem Gymnasium auch an Grundschulen Sprachlernklassen. Die Fichteschule ist eine von sieben Grundschulen. Rektorin Cornelia Heimbucher sagt, sie sei froh, dass jetzt dieses Angebot an ihrer Schule vorgehalten wird. Sprachprobleme sind an der Grundschule in Hainholz mit einem ­Migrantenanteil von 95 Prozent keine Seltenheit. Rund 35 unterschiedliche Nationen findet man hier: „In einer Klasse sitzen im Schnitt vier Kinder von insgesamt 22, die Deutsch als Erstsprache haben“, sagt Lehrerin Messdaghi, die selbst aus dem Iran stammt.

Aber zwischen Kindern mit ausländischen Wurzeln, die mitunter fehlerhaft Deutsch sprechen, und Flüchtlingen, die kein Wort Deutsch können, sind meilenweite Unterschiede. „Ein Kind, das ohne Sprachkenntnisse zu uns kommt, kann man in einer Klasse mit auffangen“, sagt Schulleiterin Heimbucher, „aber nicht zwei oder drei Flüchtlingskinder.“

Viele Flüchtlingskinder sind traumatisiert – und sprachlos

Die Sechs- oder Zehnjährigen sind oft verängstigt. Wer aus Kriegsgebieten kommt, hat häufig so viel Schreckliches erlebt, dass er erst mal verstummt. Messdaghi und ihre Kollegin Kristina Gräfenstein, gebürtig aus Kasachstan und Mathematiklehrerin in der Sprachlernklasse, berichten von Kindern, die monatelang schweigend unterm Tisch sitzen und nur sehr langsam ihr Herz öffnen. Schulleiterin Heimbucher hat bewusst Pädagoginnen mit ausländischen Wurzeln für die Sprachlernklasse ausgewählt: „Die wissen, wie es sich anfühlt, fremd zu sein.“ Maria, Eleftheria, Ismet, Armando und die anderen Kinder aus der Sprachlernklasse kommen aus Bulgarien, Griechenland, Rumänien oder Spanien. So unterschiedlich die Herkunft, in Hannover fühlen sie sich als eine verschworene Schicksalsgemeinschaft. Die meisten von ihnen sind Erstklässler, lernen in Hainholz das erste Mal das Schulleben überhaupt kennen. Für viele ist es auch das erste Mal, dass sie so etwas wie einen regelmäßigen Tagesablauf erleben. Pünktlichkeit, Schulpflicht – für Eltern, die selbst niemals lesen und schreiben gelernt haben, ist das gewöhnungsbedürftig. Und die Lehrerinnen müssen erfinderisch sein. Da wird die Abfrage, ob die Kinder für die Zeitung fotografiert werden dürfen, eben als Piktogramm, als kleines Bild, und nicht in Schriftform gestellt. Als es ihr zu lange dauerte, bis die Kinder ihre Sportsachen zusammen hatten, ist Deutschlehrerin Messdaghi mit den Kindern einfach mal in die Turnhalle gegangen und hat ihnen gezeigt, dass sie dort an Ringen turnen könnten. „Das hat sie beeindruckt.“ Wenige Tage später hatten alle Schüler auf einmal einen Turnbeutel dabei.

Wie groß das Heimweh ist, wird manchmal erst durch kleine Nebensätze deutlich. „Neulich hat eine Schülerin gesagt, ihre Puppe sei in Polen geblieben.“ Spielzeug würden viele Kinder überhaupt nicht kennen.

Niemand will in Gettos leben

Der Schulausschuss der Stadt hat neulich über die Errichtung einer Zentralstelle für die Verteilung der Sprachlernklassen diskutiert. Eine bessere regionale Verteilung sei wichtig, sagt Rektorin Heimbucher. „Die Menschen wollen nicht wieder in Gettos leben.“ In Bezirken wie der Südstadt fehlt bislang eine Sprachlernklasse, obwohl dort ein Flüchtlingsheim mit 50 Plätzen entsteht.

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