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Stadt Hannover So verliefen die dramatischen Stunden am Airport
Aus der Region Stadt Hannover So verliefen die dramatischen Stunden am Airport
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20:42 30.12.2018
Sicherheitskräfte überprüfen das Auto des 21-Jährigen. Quelle: Christian Elsner
Hannover

Reisenden, die am Sonnabend vom Flughafen Hannover aus in den Silvesterurlaub starten wollten, bot sich ein ungewohntes Bild. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten versperrten ihnen den Weg zu einem Teil des Terminals A. Der rechte Eingang zu der Halle war weiträumig abgesperrt. Auch einen Blick oder gar Handyfotos von dem Bereich vor dem Terminal auf das Geschehen auf dem Vorfeld untersagten die Einsatzkräfte strikt.

Homepage bricht zusammen

Die Sicherheit am Airport war gegen 15.30 Uhr massiv hochgefahren worden, nachdem ein 21-jähriger Mann mit einem silbernen 5er BMW erst ein Tor im Zaun des Außengeländes und dann eine Schranke zum Vorfeld durchbrochen hatte und quer über das Gelände des Flughafens auf eine gerade gelandete und sich noch im rollen befindende Maschine der Fluggesellschaft Aegaen-Airline zufuhr. Die Flughafenfeuerwehr rückte mit zahlreichen Fahrzeugen zu der betroffenen Maschine aus. Fahrzeuge des Flughafens unterstützten die Einsatzkräfte bei dem Versuch, die Sicherheit der Fluggäste an Bord der Maschine zu gewährleisten.

Der Flugverkehr am Flughafen Hannover ist am Sonnabend stundenlang eingestellt worden. Ein Mann war mit dem Auto auf das Vorfeld vorgedrungen.

„Wir hatten zunächst den Eindruck, es handele sich um eine groß angelegte Übung“, sagte ein Augenzeuge der HAZ. Erst unmittelbar unterhalb des Airbus A 320 stoppte der 21-Jährige den BMW. Beamte der Bundespolizei, die bereits auf den Vorfall aufmerksam geworden waren, nahmen den Autofahrer fest. Ein Drogenschnelltest ergab, dass der junge Mann Kokain und Amphetamine genommen hatte. Das Motiv für die Tat ist unklar. Einen terroristischen Hintergrund schließen die Ermittler derzeit aus, weil weder bei dem jungen Mann noch in dem BMW Waffen oder Sprengstoff entdeckt worden waren.

22 Maschinen umgeleitet

Der Flughafen stellte den Flugverkehr wegen des Vorfalls sofort ein. 22 Maschinen mussten umgeleitet werden. Ein Flug nach München wurde sogar ganz gestrichen. Hunderte Passagiere konnten ihre geplante Reise nur mit großen Verzögerungen antreten. Von einer möglichen Bedrohungslage bekamen die Gestrandeten, die in den Terminals warteten, allerdings nichts mit.

„Es ist nur von einem sicherheitsrelevanten Einsatz die Rede, mehr hat man uns nicht erklärt“, sagte ein Betroffener, der ein Ticket für die Lufthansa-Maschine nach München hatte. „Ärgerlich ist, dass wir überhaupt keine Informationen bekommen, was hier eigentlich los ist und wann es für uns weitergeht“, sagte ein weiterer Reisender, der auf seinen Flug nach Athen wartete. Die Internetseite des hannoverschen Airports war wegen der vielen Nachfragen zwischenzeitlich zusammengebrochen.

Motiv bleibt unbekannt

Über den Täter und seine Beweggründe ist bislang nur wenig bekannt. Bei seiner Befragung durch die Bundespolizei soll er sich dem Vernehmen nach ruhig verhalten haben. Da er keine Papiere bei sich trug, dauerte es ein wenig, bis die Polizei die Identität des Mannes geklärt hatte. Es handelt sich um einen 21-jährigen Polen, der nach Angaben der Behörde dort auch gemeldet ist und in der Vergangenheit bereits wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgefallen ist. Nach HAZ-Informationen stammt der Autofahrer aus dem Landkreis Kolobrzeski an der Ostsee.

 Der BMW gehört, das teilte die Polizei auf Anfrage mit, einem Familienmitglied des jungen Mannes. Wie lange der 21-Jährige sich bereits in Hannover aufhält, ist derzeit völlig unklar. Ebenfalls nicht geklärt ist, ob er Verbindungen nach Hannover hat und was ihn sonst bewogen hat, die mehr als 560 Kilometer weite Fahrt zurückzulegen.

Die Zufahrt auf das Vorfeld des Airports von der Flughafenstraße gegenüber der Einmündung der Evershorster Straße, ist selbst Ortskundigen kaum bekannt. Was den 21-Jährigen dazu gebracht hat, diesen Weg einzuschlagen, ist ebenfalls noch unklar. „Das alles ist Gegenstand der Ermittlungen“, sagt Polizeisprecher André Puiu. Auch der Flughafen will den Fall noch aufarbeiten: „So etwas hat es bislang weder bei uns noch an irgendeinem anderen deutschen Flughafen gegeben“, sagte Flughafenchef Raoul Hille im HAZ-Interview.

Der 21-Jährige sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Nach Informationen der HAZ besteht bei dem Polen Fluchtgefahr. Er wird sich wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Fahrens unter Drogeneinfluss verantworten müssen.

Von Tobias Morchner

Der Autofahrer, der am Sonnabend mit einem Wagen über das Vorfeld des Flughafens in Hannover-Langenhagen fuhr, muss in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht hat am Sonntag einen entsprechenden Beschluss gefasst.

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