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Stadt Hannover Krankenpfleger Christian I. muss lebenslang in Haft
Aus der Region Stadt Hannover Krankenpfleger Christian I. muss lebenslang in Haft
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14:42 21.08.2017
Von Michael Zgoll
Quelle: dpa
Hannover

Das hannoversche Schwurgericht hat Christian I., der in den frühen Morgenstunden des 2. April dieses Jahres die 29-jährige Jana W. umgebracht hat, zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch sah es als erwiesen an, dass der 42-Jährige sein in Bad Nenndorf lebendes Opfer in seiner Wohnung in der Fridastraße (Oststadt) erwürgte. Es habe sich um eine Spontaneität gehandelt, deren Motive bis heute im Dunkeln lägen. D

er Angeklagte habe sein neben ihm im Bett liegendes Opfer, so Rosenbusch, in einer Situation getötet, in der die Frau völlig ohne Arg und wehrlos gewesen sei. Damit sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Von einem niedrigen Beweggrund des Täters als Mordmotiv könne die Kammer dagegen nicht sprechen: "Wir können überhaupt keinen Beweggrund für die Tat erkennen."

Mit dem Urteil folgte das Landgericht der Landeshauptstadt am Montag dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Wie René Jouran in seinem Plädoyer sagte, habe der 42-Jährige sein Opfer sowohl aus niedrigen Beweggründen wie auch heimtückisch umgebracht. Die Verteidigung hatte achteinhalb Jahre Haft wegen Totschlags gefordert. 

Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt gestanden, die 29-Jährige aus Bad Nenndorf Anfang April nachts in seiner Wohnung erwürgt zu haben, ein Motiv konnte er aber nicht nennen. Den Gewaltausbruch führte er auf seinen hohen Alkoholpegel zurück. Der Mann hatte die Leiche in einem Waldstück abgelegt und war danach zunächst nach England geflüchtet.

Täter sei"voll schuldfähig"

Der gelernte Krankenpfleger hatte mit dem Opfer über einen Zeitraum von zwei Jahren immer wieder sexuelle Kontakte gepflegt. Während sie auf eine feste Beziehung hoffte, so der Anklagevertreter, habe I. sie als "Sexspielzeug" betrachtet und "aus- und benutzt", hieß es im Plädoyer. Als sie sich in der Tatnacht nicht mit seiner Form der sexuellen Annäherung einverstanden erklärte, habe er sein vollkommen arg- und wehrloses Opfer geschlagen und mit einer Hand erwürgt. Später habe er die 29-Jährige "wie ein Stück Dreck" in der Natur abgelegt. Jouran sagte, seiner Meinung nach sei I. bei der Tat nicht so stark alkoholisiert gewesen wie von ihm behauptet und "voll schuldfähig".

Wie I. zum Prozessauftakt vor zwei Wochen gestanden hatte, brachte er seine Bekannte in seiner Wohnung in der Fridastraße (Oststadt) in einem "unerklärlichen Gewaltausbruch um", erwürgte die junge Frau aus Frustration über eine Zurückweisung. Er sei in den Stunden vor der Tat allerdings so stark betrunken gewesen, dass er sich an Details nicht mehr erinnern könne. I. hatte die Frauenleiche später in einem Wald im Seelzer Ortsteil Dedensen abgelegt und war dann zehn Tage lang in England abgetaucht. Nachdem er sich Mitte April in London gestellt hatte, wurde er elf Tage später nach Deutschland überführt und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Auch Rechtsanwalt Burkhard Papendick, der die Mutter der getöteten Jana W. vertritt, sprach heute davon, dass I. seine Bekannte als "Objekt" betrachtet habe. Als sie dem 42-Jährigen in der Tatnacht gesagt habe, dass sie seine Form der sexuellen Annäherung als "nicht schön" empfinde, hätte er das respektieren müssen. Dass er sein Opfer aus einer kurzfristigen Enttäuschung heraus umgebracht habe, sei tatsächlich ein Mord aus niedrigen Beweggründen.

Verteidigung sah verminderte Schuldfähigkeit

Demgegenüber führte Verteidiger Holger Nitz aus, sein Mandant dürfe nur wegen Totschlags im Zustand verminderter Schuldfähigkeit verurteilt werden. Deshalb sei eine Haftstrafe von achteinhalb Jahren angemessen. Er warf dem Staatsanwalt vor, I. abgewertet zu haben, weil dieser "nur" sexuelle Kontakte zu der Frau aus Bad Nenndorf gesucht habe. Derartige moralische Bewertungen dürften aber nicht in strafrechtliche Erwägungen einfließen. Nitz verwies darauf, dass sich I. in starkem Maße selbst belastet habe und die Beweisführung zum großen Teil auf seinen Angaben beruhe. Es sei unfair, ihm alles zu glauben, was ihn in einem schlechten Licht erscheinen lasse, die entlastenden Erklärungen dagegen vom Tisch zu wischen. I.s Angaben über eine Amnesie in den Stunden vor dem Verbrechen seien deshalb als ebenso glaubwürdig einzustufen wie seine Ausführungen zu einer erheblichen Alkoholisierung; auch sei ungewöhnlich, dass sein Mandant Erinnerungen an die eigentliche Tat gehabt und preisgegeben habe. Er könne aber verstehen, so der Verteidiger, dass das - teilweise - planvolle Verhalten von I. nach der Tötung der Frau jedermann "erschaudern" lasse.

Der 42-Jährige habe bis zu dem schrecklichen Verbrechen in der Oststadt ein vollkommen straffreies, gutbürgerliches Leben geführt, betonte Anwalt Nitz. Ob er in der Tatnacht tatsächlich geplant habe, seine Bekannte umzubringen, sei äußerst zweifelhaft. Selbst in dem Moment, in dem er der Frau an die Kehle griff, habe er dies möglicherweise noch nicht mit dem Vorsatz getan, sie zu töten. "In diesem Fall bleiben viele Punkte unklar und unerklärlich", so das Fazit des Verteidigers. Doch sehe er weder die Mordmerkmale der niedrigen Beweggründe noch der Heimtücke als erfüllt an.

Christian I. zeigt Reue

In einem emotionalen Schlusswort wandte sich Christian I. an die Mutter des Opfers. Er bereue seine Tat zutiefst und würde sie sehr gerne ungeschehen machen: "Und das nicht etwa, weil ich jetzt in einer Gefängniszelle sitze." Er hätte nicht im Traum daran gedacht, jemals zu einer solchen Tat fähig zu sein, und verstehe bis heute nicht, wie es dazu kommen konnte: "Jemandem das Leben zu nehmen, ist unentschuldbar." Der 42-Jährige sagte, er wisse, dass er - auch in anderen Situationen - häufig gefühlskalt gewirkt habe. Tatsächlich aber "platze ich manchmal vor Emotionen, kann sie aber nicht rauslassen". Darum habe er sich Schwierigkeiten gelegentlich durch Flucht entzogen. Er wisse, ergänzte I., dass er psychologische Hilfe brauche, auch wegen seiner Alkoholprobleme.

Die Mutter von Jana W. hörte sich das letzte Wort des Angeklagten reglos an, ebenso, wie sie im bisherigen Prozessverlauf immer ruhig und beherrscht auf ihrem Platz gesessen hatte. Doch in der nachfolgenden Pause wurde die 51-Jährige von ihren Gefühlen überwältigt und schluchzte hemmungslos.

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