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Stadt Hannover Was macht eigentlich Promi-Bäcker Jochen Gaues?
Aus der Region Stadt Hannover Was macht eigentlich Promi-Bäcker Jochen Gaues?
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00:15 16.01.2017
Von Bärbel Hilbig
Rustikaler geht nicht: Jochen Gaues vor seiner Filiale in der Brabeckstraße. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Das Großsprechen hat Jochen Gaues nicht verlernt. Trotz Insolvenzen, Stress mit Geschäftspartnern und gravierenden Hygienemängeln in der früheren Backstube in Ledeburg. Die Namen von Prominenten, die Gaues Brot zu schätzen wissen, purzeln nur so aus seinem Mund, kaum ist das Gespräch eröffnet. Schauspieler Til Schweiger, noch so ein Spezialist in Selbstvermarktung, bezieht seit Kurzem Backwaren von Gaues für sein Hamburger Lokal Barefood Deli. Roman Herzog? „Der erste Bundespräsident, den wir beliefert haben.“

In Hannover ist der „selbst ernannte Promi-Bäcker“, wie manche lästern, eine Weile wenig in Erscheinung getreten. Schließlich spielten hier einige seiner größten Abstürze. Mehrmals hat er sich geschäftlich verhoben, als der Betrieb größer wurde, das erste Mal, als er 2002 mit seiner ersten Frau Sabine die Bäckerei Scheibe in Anderten übernommen hatte. Ein Insolvenzverwalter warf dem Bäcker 2011 vor, Vermögenswerte zu verheimlichen. Gleichzeitig fuhr Gaues damals gerne mit seinem Ferrari vor.

Spitzenköche schätzen sein Brot

Doch wahr ist auch, dass viele Kunden Gaues‘ Brot mit der oft arg dunklen Kruste sehr schätzen. Darunter etliche Köche wie Norbert Schu, Cornelia Poletto, Tim Mälzer, die wissen, wovon sie reden.

Gaues hat seinen Namen zu einer Marke entwickelt. Es hilft, dass der 50-Jährige beim NDR einen Fuß in der Tür hat und gelegentlich als Experte Brot testet. NDR-Fernsehkoch Rainer Sass sei ein wirklicher Freund. „Der ist auch so laut wie ich.“ Privatsender, immer auf der Suche nach lärmigen, kernigen Typen, strecken sowieso gerne ihre Fühler nach ihm aus.

Das Geschäft läuft wieder. 15 eigene Filialen, fast so viele wie zu früheren Höchstzeiten, betreibt die Bäcker Gaues GmbH aktuell. Neun Läden allein in Hamburg in besten Einkaufslagen in Blankenese, Eppendorf, Eimsbüttel, Altona. Läden mit eigenem Verkaufspersonal gibt es außerdem in der Kirchröder Brabeckstraße, in Großburgwedel, Lachendorf, Celle, Braunschweig und Wolfsburg. Beliefert werden Supermärkte in Braunschweig und dem Raum Celle, in Hannover vier Geschäfte von Olaf Kaune in Südstadt, List und Nordstadt. Und, nicht zu vergessen, namhafte Restaurants wie Clichy, Schweizerhof und Insel in Hannover, Le Canard in Hamburg, La Vie in Osnabrück und Grill Royal oder Fischers Fritz im Regent-Hotel in Berlin.

Geschäftspartnerin Kira Koenemann hält im Gaues-Imperium die Fäden in der Hand. Quelle: Tim Schaarschmidt

Auf die Schienen gesetzt hat den Erfolg Gaues’ neue Geschäftspartnerin Kira Koenemann. Die mehrfache Firmeninhaberin hat die Backstube in Lachendorf bei Celle Mitte 2014 übernommen, als Gaues sich von seinen letzten Rettern um Valentin Zurr trennte. Die hatten nach der jüngsten Insolvenz 2013 die Rechte am Label „Broterbe Gaues“ erworben, der unduldsame Gaues arbeitete als Bäcker. Lange ging das nicht gut.

Gaues ist jetzt wieder als Bäcker angestellt, ebenso Ehefrau Betty, Stiefsohn Tobias und Sohn Christian aus erster Ehe. „Die wollen aber nicht in der gleichen Schicht wie ich arbeiten“, sagt er mit deutlicher Selbstironie. „Weil ich des kooperativen Führungsstils nicht mächtig bin.“ Sechs Söhne zwischen acht und 24 Jahren hat Gaues aus seinen zwei Ehen. Elisabeth (Betty) Gaues hat außerdem zwei eigene Kinder mit in die Ehe gebracht.

Die zierliche Koenemann, Geschäftsführerin und alleinige Gesellschafterin der Bäcker Gaues GmbH, scheint mit dem leicht aufbrausenden und immer selbstverliebten Bäcker trotz allem gut zurechtzukommen. „Die Wetten liefen, wie lange wir es miteinander aushalten“, verrät Koenemann, die auch Mitgesellschafterin beim hannoverschen Plattenlabel SPV ist. Ihr Ehemann, ein Steuerberater, behält die Finanzen der Firma im Blick.

Ein eigener Putztrupp für die Backstube

150 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen inzwischen: 18 Bäcker inklusive der Gaues, Verkäuferinnen, Auslieferer und einen eigenen Putztrupp in der Backstube. „Damit uns das Hygieneproblem nicht mehr einholen kann“, sagt Koenemann. Bei ihrem Einstieg half ein mit Gaues befreundeter Geldgeber, der nicht in Erscheinung treten will, mit einem Kredit. Eine neue Bäckerei, die bald notwendig werden könnte, will Koenemann allein finanzieren.

Auch bei den vergangenen Insolvenzen hatten die Gaues danach jedes Mal betont, sich jetzt nur noch auf das konzentrieren zu wollen, was sie können: das handwerkliche Backen. Dieses Mal scheinen die richtigen Partner für alles andere gefunden. An manchen Punkten gibt sich der Bäcker fast schon bescheiden. „Ich könnte das gar nicht: Dienstpläne, Kühlketten, Kommissionieren.“ Dass der finanzielle Absturz kurz bevorstand, macht Gaues seinen neuen Investoren gegenüber dankbar.

„Ich bin ja so schwierig, wie ich bin“, sagt er. Ganz ohne Streit verläuft denn auch die neue Geschäftspartnerschaft nicht. Doch Gaues hat wohl einiges begriffen in den letzten Jahren. Koenemann habe am Ende oft recht, sagt er. Und wider eigene Erwartung habe er gelernt, das anzunehmen.

Ein begehrter Name

Eine Weile war in Hannover die Verwirrung komplett: Drei Bäckerei-Unternehmen liefen unter dem Namen Gaues. Das von Jochen Gaues etablierte Label „Broterbe Gaues“, einige Verkaufsfilialen sowie die Bäckerei in Lachendorf hatte nach einer Insolvenz Gastronom Valentin Zurr mit einem Partner übernommen. Gaues arbeitete dort als angestellter Bäcker. Mit seiner neuen Geschäftspartnerin Kira Koenemann startete Gaues dann aber die Bäckerei Gaues GmbH. Gleichzeitig gibt es weiterhin das Gehrdener Backhaus von Jochen Gaues erster Frau Sabine Gaues. Sie beliefert in Hannover Verkaufsstellen von Boris Kaune. Dessen Bruder Olaf bezieht inzwischen wieder Backwaren von Jochen Gaues.

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