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Stadt Hannover „Reich werden wir heute sicher nicht“
Aus der Region Stadt Hannover „Reich werden wir heute sicher nicht“
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00:15 24.08.2017
Gerald Hohls Lederkoffer für 20 Euro ist eher ein Ladenhüter. Quelle: Wiechers
Hannover

Vermutlich gibt es keinen anderen Ort in der Region, der mehr Garagen hat als Isernhagen mit seinen sieben Ortsteilen. Richtige Garagen, keine Stellplätze. Garagen, in denen Platz ist, in denen man aufheben kann, was man nicht mehr braucht, aber auch nicht wegwerfen möchte. Für den Garagenflohmarkt am gestrigen Sonntag - es gibt sie in lockerer Folge in vielen Orten – erwies sich Isernhagen also wie geschaffen.

Bei Norbert und Barbara Kordowski hat sich so einiges angesammelt. Ein Grundig-Tonbandgerät, ein Kronleuchter, ein Katzenkorb, uralte Diktiergeräte - sie haben auf dem Klapptisch vor ihrer Garage das Angebot angerichtet. Am Hohen Ufer würden sie sicher reichlich Käufer finden. Hier in Altwarmbüchen im Franz-Steineke-Weg hält sich der Andrang in Grenzen. „Reich werden wir heute sicher nicht“, stellt Norbert Kordowski schmunzelnd fest. Aber darauf kommt es bei einem Garagenflohmarkt auch nicht an. Die Nachbarn sind da, man klönt, ab und zu kommt ein Kunde, es gibt Kaffee und Kekse. Alle sind bester Laune, man trifft sich. Das ist wichtig. Die Garage als Ort der Begegnung.

Luftballons als Logo

Vorn an der Hauptstraße haben sie ein Hinweisschild aufgestellt, geschmückt mit pinkfarbenen Luftballons, die wie ein gemeinsames Logo die gesamte Aktion begleiten. „Damit wollen wir die Leute abfangen, die zum großen Flohmarkt vor dem A2-Center wollen“, sagt Norbert Kordowski lachend. Er weiß natürlich, dass seine kleine Anliegerstraße einem Ansturm größeren Ausmaßes rein verkehrstechnisch gar nicht gewachsen wäre.

Sacha Franke will das Skateboard für 15 Euro an den Mann bringen. Quelle: Wiechers

Ein paar Häuser weiter haben Herbert Frey und Ehefrau Marie-Luise angerichtet: Geschirr, Kleidung, ein tragbarer Fernseher. In ihrer Garage liegen sogar zwei Teppiche. Man macht es sich hier gern gemütlich. An der Rückwand hängt eine Leinwand, auf der der Hausherr am Sonnabend einigen Freunden den Sieg der 96er am ersten Bundesliga-Spieltag vorgeführt hat.

Dann schaut eine Nachbarin vorbei. Anja Hahn hat eine Lampe mit Porzellanschirm mitgebracht. Die hing bereits im Haus, als sie vor Jahren eingezogen sind. Sie soll 15 Euro bringen. Ein Spottpreis für das gute Stück. Man lernt: Garagenflohmärkte sind Fundgruben. Hier verkaufen Amateure, denen es nicht um das große Geschäft, sondern um das Vergnügen geht.

Die Lampe für 15 Euro war bei Anja Hahns Einzug schon da. Quelle: Wiechers

Aber Amateure lassen sich nicht übers Ohr hauen. Auch Verkäufer, die auf die Erlöse nicht angewiesen sind, haben ihre Schmerzgrenzen - Gerald Hohl zum Beispiel, der in der Nähe der großen Einkaufsmärkte in Altwarmbüchen wohnt. Er hat in der Einfahrt zu seiner Garage einige Schmuckstücke aufgereiht. Eine Kommode ist bereits vor 12 Uhr verkauft. Für die uralte dampfgebogene Sackkarre aus Oberbayern möchte er gern 15 Euro. Ein Interessent hat 12 Euro geboten. Hohl blieb hart. Verschenkt wird nichts. Wenn sich kein Käufer findet, kommen die Sachen eben wieder in den Keller. Es wäre schade drum. Der Lederkoffer zum Beispiel sieht aus wie neu. „Damit bin ich erst zweimal verreist.“ Aber heute können die meisten Menschen eben mit einem Lederkoffer nichts mehr anfangen. Heute reist man mit Flugzeug und leichtem Kunststoffgepäck.

Wiederholung wahrscheinlich

Die Garagen und ihre Schätze locken nicht nur Sonntagsausflügler an; auch einige professionelle Händler unternehmen eine Rundreise durch die Ortsteile Isernhagens auf der Suche nach Schnäppchen. Einer von ihnen beklagt sich über die vielen Straßensperrungen. Kein Wunder. Isernhagen veranstaltet an diesem Sonntag auch einen Triathlon. Daniela Latzel, stellvertretende Ortsbürgermeisterin in Altwarmbüchen und mit ihrem FDP-Ortsverband Organisatorin des Garagenflohmarkts, nimmt es gelassen. Dass der Triathlon ein bisschen stören könnte, sei klar gewesen. „An anderen Terminen hätten wir mit anderen Flohmärkten konkurriert. Da haben wir das einfach mal riskiert.“

Katzenkorb und Klönschnack: Barbara und Norbert Kordowski präsentieren die Schätze aus ihrer Garage auf einem Tisch.

Eine umfassende Resonanz stand am Sonntag noch aus. Schließlich waren rund 80 Verkaufsstandorte, über alle Ortsteile verteilt, beteiligt. „Aber was man so von Freunden und Bekannten hört, waren die meisten mit der Veranstaltung doch sehr zufrieden“, sagt Daniela Latzel. Mit einer Wiederholung des Ereignisses, so heißt es bei den Liberalen, dürfe man rechnen.

Die nächsten Flohmärkte

In den kommenden Wochen sind für das Stadtgebiet Hannover zwei dezentrale Hofflohmärkte geplant: Am 26. August in der List und am 9. September in der Südstadt. Die genauen Orte werden vom Veranstalter hofflohmärkte-hannover.de erst kurzfristig bekanntgegeben, wenn sich genug Teilnehmer angemeldet haben. Die meisten Garagenflohmärkte hingegen werden nicht langfristig angemeldet, sie zu finden ist daher oft Glückssache.

Darüberhinaus gibt es in Hannover eine große Zahl regelmäßiger Flohmärkte. Der Bekannteste ist der Altstadtflohmarkt (sonnabends, 7 bis 16 Uhr). Große Flohmärkte werden zudem etwa in Langenhagen (Neue Bult), Laatzen (Festplatz), Mittelfeld (an der Messe) und auf dem Faust-Gelände (Linden) sowie auf dem Obi-Parkplatz neben Hanomag (Linden-Süd) angeboten.

Von Hans-Peter Wiechers

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