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Stadt Hannover Unterwegs mit einem professionellen Tanzpaar
Aus der Region Stadt Hannover Unterwegs mit einem professionellen Tanzpaar
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00:18 20.08.2017
Von Uwe Janssen
„Wir sind ein relativ kleines Paar, da darf es auch schon mal etwas auffälliger sein“: Michaela Frahm hat ihr Kleid für 2500 Euro anfertigen lassen. Quelle: Collage: HAZ
Hannover

Noch zwei Tage. Noch kein Glamour. Keine Kronleuchter. Keine dicke Schminke, keine strenge Topfrisur, keine strengen Wertungsrichter. An diesem Mittwoch, beim letzten Training vor den German Open Championships, den Offenen Deutschen Tanzmeisterschaften, in Stuttgart ist noch Alltag. Ein Gewerbegebiet im hannoverschen Norden, eine Sanitärfirma vermietet dem Tanzsportclub Hannover Räume zum Üben. Michaela Frahm und Mario Müller-Frahm bereiten sich auf ihren Start in der Klasse Senioren II vor. Im vergangenen Jahr haben sie es bei diesem Internationalen Turnier bis in die dritte Runde geschafft. „Das wollen wir wiederholen, mindestens“, sagt Michaela Frahm.

Wichtigster Tagesordnungspunkt an diesem Tag: ihr neues Kleid. Leuchtend rot. Sagt der Laie. Tango Flame, sagt der Tänzer. „Wir sind ein relativ kleines Paar, da darf es auch schon mal etwas auffälliger sein.“ Das Kleid ist von einer Bremer Schneiderin maßgefertigt und schlägt als teuerstes Sportgerät des Paars mit 2500 Euro zu Buche. Heute ist nur Anprobe, das Kleid muss nicht eingetanzt werden. „Ich will es nicht heute schon vollschwitzen“, sagt die 48-Jährige.

Fürs Tanzen war immer Platz

Seit rund 30 Jahren tanzt das Paar, anfangs in Lübeck und nur auf der Tanzfläche verbandelt, später auch privat. 1991 zogen die beiden wegen seines Physikstudiums nach Hannover. Mittlerweile sind sie verheiratet, haben zwei Kinder, 12 und 15, er hat promoviert und ist Softwaremanager bei Bosch in Hildesheim. Sie arbeitet in der Mendelssohnapotheke in der Südstadt. Fürs Tanzen war aber immer Platz. Mit Jobs und Kindern manchmal gar nicht so leicht. „Wir haben uns die Zeit freigeschaufelt“, sagt sie, „aber im Zweifel geht die Familie immer vor.“ Es sind im Laufe der Jahre trotzdem Hunderte Turniere geworden. Heute nur noch Standard, früher auch Latein. „Aber Latein, mit den kurzen Kleidern und bauchfrei“, sagt Michaela Frahm, „das passt dann mit dem Alter irgendwann nicht mehr.“

Mario Müller-Frahm trägt einen funktionellen Body unter der weißen Frackweste. Quelle: Janssen

Zwei Tage später, Stuttgart, Liederhalle. Viele Säle, Tausende Tänzer, viele Altersklassen, viele junge Akteure aus dem Ostblock, Wertungsrichter, kurze Runden, Standard, Latein, zack, zack, Fließbandtanzen. Harte Ausscheidungsverfahren, harte Urteile, Jubel bei Tänzern, Trainern und Angehörigen, genauso wie bittere Tränen auf dick geschminkten Gesichtern unter aufwendig gesteckten Frisuren. Seit Montag geht das schon so. Spätestens hier merkt man, dass es sich um eine Sportveranstaltung handelt.

228 Paare aus 22 Nationen

Bei den Senioren, die in der wunderschönen Alten Reithalle tanzen, geht es etwas weniger emotional, aber trotzdem hochkonzentriert zu. 228 Paare aus 22 Nationen treten in der Seniorenklasse II an, bei denen der jüngere Partner mindestens 40, der ältere mindestens 45 sein muss. Das Paar aus Hannover ist am Abend vorher angereist – zum Friseurtermin bei einer russischen Hairstylistin. Nun sitzt alles bombenfest und bei Michaela in einem strassverzierten Dutt.

Sie gehen mit der zugelosten Nummer 52 an den Start, die etwas schmucklos auf Mario Müller-Frahms Rücken gepinnt wird. Gefordert sind die Tänze Langsamer Walzer, Wiener Walzer, Slowfox, Tango und Quickstepp. Getanzt wird jeweils zwei Minuten in Gruppen zu zehn bis zwölf Paaren. Da geht es trotz vorgegebener Tanzrichtung gegen den Uhrzeigersinn schon mal zu wie beim Autoscooter. Karambolagen sind nicht ungewöhnlich, es gibt – auch an diesem Tag - sogar Stürze. Auswirkungen auf die Wertung habe das allerdings nicht, sagen die Frahms. Jeder der elf Richter beurteilt jedes Tanzpaar während der zwei Minuten, die Entscheidungen fallen schnell, mit einem Kreuz auf einem Tablet - oder eben nicht. Hopp oder Top. Für das hannoversche Paar geht es locker in Runde zwei, man erfährt das Ergebnis durch Aushänge oder über eine App auf dem Smartphone.

Ein Kleid hält fünf Jahre

Mittagspause. Raus aus Frack und Kleid, rein in die gemütlichen Sachen. Man trifft befreundete Paare, die man von vielen Turnieren kennt, fachsimpelt, plauscht ein wenig über die Familie, wirft einen Blick in die anderen Hallen oder guckt sich auf den Fluren um, in denen Hunderte von knallbunten, strassglitzernden Kleidern, Schuhen und Accessoires auf Käufer warten. „Es gibt gar nicht so wenige, die hier ein neues Kleid für hohe Beträge kaufen“, sagt Michaela Frahm. Sie selbst trage ihre Kleider bis zu fünf Jahre, auch der Frack ihres Mannes leide auf dem Parkett - vor allem unter den Steinchen an ihrem Kleid.

Nachmittags geht es dann weiter. Runde zwei. Wieder rein also in Frack und Kleid. Spätestens beim Umziehen verliert ein Tanzturnier den Glamour, den es nach außen versprüht. Sammelumkleide, Männer und Frauen gemeinsam. Alles ist eng, halb nackte Menschen laufen durcheinander, helfen sich gegenseitig in die Kleider, drängeln sich vor den wenigen Spiegeln. Müller-Frahm trägt einen funktionellen Body unter der weißen Frackweste, früher habe er sogar mal Fliegen selbst gebunden, sagt er. Nadel und Faden sind für kleinere Reparaturen griffbereit, größere Malheure erledigen Turnierschneider. Es muss eben alles schnell gehen, niemand wartet auf Paar 52.

Die Tänzer drängeln sich um die Tanzfläche, einige rauchen draußen noch schnell eine. Nach zwei Minuten werden die nächsten zwölf Paare aufgerufen. Und so weiter. Die Frahms sind in der dritten Gruppe dran. Fünfmal. Dann ist klar: Sie haben es geschafft, sie dürfen am Sonnabend weitermachen. 132 Paare sind noch übrig. Das Minimalziel ist erreicht.

Am Sonnabend um 9.30 Uhr geht es weiter, und es geht sogar in Runde vier – und in den Beethovensaal, wo auch die Stars tanzen. „Das ist der Centre-Court“, sagt Müller-Frahm. Dort ist schließlich Schluss, aber mit „Platz 61 bis 64“, so lautet das offizielle Ergebnis, ist das Paar hochzufrieden. Einpacken, ab nach Hause. Am Sonntag geht’s mit den Kindern in den Heide Park – als Entschädigung. Montag geht’s zur Arbeit. Und am Mittwoch wird dann wieder im Gewerbegebiet mit dem Tanzsportclub Hannover trainiert. Ohne Glamour. Aber es gibt eine Menge zu erzählen.

Nicht nur für Profis

Der Tanzsportclub (TSC) in Hannover wurde 2011 von vier Paaren gegründet und hat mittlerweile mehr als 100 Mitglieder. Neben freien Trainingszeiten auch für Hobbytänzer bietet der Club für ambitionierte Paare individuelle Trainerstunden an. Rollstuhltanz und Fitness gehören zum Angebot. Die Übungssäle sind in der Lilienthalstraße. Im März 2018 ist der TSC Gastgeber für die Landesmeisterschaften der Seniorenklassen. Alle Infos unter www.tsc-in-hannover.de.

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