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Stadt Hannover Gewalt an Schulen: Das sagen Schulleiter in Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Gewalt an Schulen: Das sagen Schulleiter in Hannover
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17:57 23.04.2018
Der Ton wird rauer: Die Kriminalität an Schulen in Niedersachsen ist um ein Drittel gestiegen. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

 Anfang 2017 wird ein Lehrer von einem Siebtklässler bedrängt, der zuvor schon einen Mitschüler angegriffen hatte. Er war bereits von mehreren Schulen suspendiert worden. Im September geraten am Rande eines Schulfestes an einer anderen Schule zwei Jugendlichengruppen aneinander, sicherheitshalber wird die Polizei gerufen. Die patrouilliert zwei Stunden lang im Bezirk, aber alles bleibt ruhig. Weitere Straftaten an Schulen aus dem Jahr 2017 sind in Hannover nicht öffentlich geworden, die Polizei führt keine eigene Statistik darüber. Auch eine Umfrage unter Schulleitern ergab keine Hinweise darauf, dass die Kriminalität an Schulen zuletzt explodiert ist. Landesweit gab es im vergangenen Jahr aber einen Anstieg von 32 Prozent, darunter fallen auch Fahrraddiebstähle und Drogenhandel.  

Kaum Straftaten an Schulen bekannt für 2017

Für Wolfgang Schimpf von der Direktorenvereinigung ist der Anstieg der Straftaten an Schulen alarmierend, für Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte allerdings nicht sonderlich überraschend. An vielen Haupt-, Real- und Oberschulen im Land kämen Lehrer teils in den Jahrgängen 5 bis 7 gar nicht dazu, Unterricht zu erteilen, weil sie immer wieder Auseinandersetzungen und Rangeleien unter Schülern zu schlichten. 

Polizei: „Wesentliche Faktoren nicht berücksichtigt“

Die Polizeidirektion Hannover hält die Statistik, wonach die Kriminalitätsrate in Hannover im Städtevergleich am zweithöchsten ist, für verzerrt. Wesentliche Faktoren seien dabei nicht berücksichtigt worden, teilte die Behörde auf Anfrage mit. So fehlten beider Erhebung unter anderem geographische Voraussetzungen oder infrastrukturelle Besonderheiten der verglichenen Städte.

Auch habe der Personaleinsatz von Ladendetektiven und Kontrolleuren bei Kaufhäusern und Nahverkehrsbetrieben sowie die Auslobung von Prämien für das Feststellen sogenannter Schwarzfahrer einen entscheidenden Anteil an der Anzeige und der Aufklärung von derartigen Delikten, teilte die Behörde weiter mit.

Die Zahl im Bereich Gewaltdelikte an Schulen sind nur bedingt belastbar. Im Eingabesystem der Polizeidirektion ist das Ausfüllen dieses Feldes keine Pflicht. Die Beamten hielten im Jahr 2017 366 sogenannter Rohheitsdelikte an Schulen fest. Ein Jahr davor waren es nur 280. In der mittelfristigen Betrachtung der Erhebungen sind die Daten äußerst schwankend. In den Jahren 2011 und 2012 bewegten sie sich auf dem Niveau von 2017. 2008 und 2009 registrierte die Behörde je rund 450 Fälle. 

Gleichzeitig hat Kriminologe Christian Pfeiffer eine erhöhte Anzeigebereitschaft beobachtet. Das bestätigt auch Frank Stöber, Vorsitzender des Schulleitungsverbandes und Leiter der IGS Uetze (Region Hannover). Einerseits sei es gut, wenn besser hingeschaut werde, andererseits fehle das klärende Gespräch zwischen den Betroffenen, sagt Neumann.

Eine Verrohung der Sprache ist Stöber aber aufgefallen, Beleidigungen wie „Du Hurensohn“ sei deutlich öfter auf dem Schulhof zu hören als früher. Beate Günther, Sprecherin der hannoverschen Gymnasien und Leiterin der Schillerschule, merkt an: „Wir passen sehr genau auf und bitten zum Gespräch, wenn uns ein rüder Ton auffallen sollte.“

Kontaktbeamte und Sozialarbeiter entschärfen die Lage

Da Lehrer weder Ermittler noch Juristen seien, sollten Schulen so schnell wie möglich die Polizei einschalten, rät Schimpf. Auch Sozialpädagogen können die Lage entschärfen, die fehlen aber an vielen Schuen, wie etwa der Realschule Misburg: „Schule ist kein rechtsfreier Raum, und wir arbeiten unabhängig der Statistiken eng und vertrauensvoll mit der hiesigen Polizei und unseren Kontaktbeamten zusammen“, sagt Schulleiter Jens Bormann. „Schulen kommen ohne Präventionsarbeit und schulische Sozialarbeit nicht aus. Wir würden es uns sehr wünschen überhaupt einen Sozialpädagogen an unserer Schule zu haben, um unsere bestehenden Bemühungen noch intensiver zu unterstützen.“ Brigitte Naber von der IGS Roderbruch sagt, eine gute soziale Durchmischung der Schülerschaft mache körperliche Attacken möglicherweise unwahrscheinlicher.  

Karin Haller von der Peter-Ustinov-Schule meint: „Schule ist die letzte und – für  manche neu eingewanderte Kinder und Jugendliche die erste Sozialisationsinstanz. Daher hat sie ein enorm wichtige pädagogische und gesellschaftliche Aufgabe. Schulen mit hohem Gewaltpotenzial müssen in Folge dann aber auch entsprechende Rahmenbedingungen von Stadt und Land und letztlich von der Politik erhalten, um diesen Auftrag erfolgreich erfüllen zu können.“ Wichtig sei es aufzuzeichnen, in Fachkreisen öffentlich zu diskutieren, Ursachen zu analysieren und Interventions- und Präventionsprogramme zu erarbeiten.

Stöber warnt vor einer länderübergreifenden Meldepflicht für Gewaltvorfälle an Schulen wie sie der Deutsche Lehrerverband fordert. Das könne zu Stigmatisierungen führen.

Von Saskia Döhner und Tobias Morchner

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