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Stadt Hannover Wie fühlt sich eigentlich der Weihnachtsmann?
Aus der Region Stadt Hannover Wie fühlt sich eigentlich der Weihnachtsmann?
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19:06 19.12.2016
„Meine Freundin sagt, den Weihnachtsmann gibt es nicht“: HAZ-Volontärin Julia Polley beim Einsatz im Supermarkt. Quelle: Tim Schaarschmidt
Ronnenberg

Die Kühlregale summen leise, als ich eine Grundsatzentscheidung zu treffen habe. In der Obst- und Gemüseabteilung von Edeka in Ronnenberg leuchten die Äpfel rot und die Kartoffeln gelb, hin und wieder klingelt der Backautomat, wenn er fertig ist, und die Kasse sowieso. Vor mit steht ein kleiner, schlanker Junge und zieht eine Augenbraue hoch. „Bist du denn auch der echte Nikolaus?“, fragt er und schaut mich skeptisch an.

Was sagt man da? Dies ist die Gretchenfrage für jeden echten und jeden falschen Nikolaus. Es ist Dienstagnachmittag, Nikolaustag, und ich stehe mit Mantel, Mütze, Bart und Sack im Supermarkt. Dort haben Kinder vor Tagen leere Stiefel abgegeben, jetzt bekommen sie sie gefüllt zurück. Von den meisten Erwachsenen, die durch die automatische Tür kommen, ernte ich nur ein Lachen und einen Blick, der sagt: „Was ist das für ein kleiner Nikolaus, und dann auch noch ein weiblicher?“ Die Kinder aber stellen Fragen.

Bin ich also der echte Nikolaus? „Ja“, sage ich sofort.

„Bist du echt?“

Der Junge ist pfiffig. Er bohrt weiter. „Welchen Stiefel hatte ich heute Morgen vor der Tür stehen?“, fragt er. Oha. Von dieser Frage hatte ich gehofft, dass sie mir erspart bleibt. Ich überlege kurz, eine Schweißperle läuft mir über die Stirn. „Also“, setze ich an, kratze mir am Bart und versuche, meiner Stimme einen weihnachtsmännischen Klang zu geben. „Ich habe so viele Stiefel gefüllt, dass ich mich nicht an jeden einzelnen erinnern kann - aber ich glaube, er war schwarz.“ Sind nicht die meisten Schuhe schwarz? Der Junge in seiner dicken Winterjacke bekommt große Augen. „Ja genau die, die ich gerade trage, mit den gelben Streifen. „Ich erinnere mich“, sagte ich und nicke bestimmt. Er strahlt. „Dann bist du ja wirklich echt!“

Zur Weihnachtsfrau zu werden, ist nicht besonders schwierig. Ich selbst bewerbe mich beim Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und des Jobcenters in Hannover auf eine Stellenanzeige unter dem Titel „Werde ein Weihnachtsmann/Nikolaus!“. Es gibt eine Bewerbungsmappe und ein Casting-Gespräch. „Wir wollen sicherstellen, dass unsere Weihnachtsmänner seriös und für den Job geeignet sind“, sagt Sebastian Kriebler, Teamleiter der Weihnachtsmannvermittler vom Arbeitgeberservice. Fragen werden gestellt: Lebenslauf, Erfahrungen im Weihnachtsmannsein, Einsatzgebiete, Routenplanung, Umgang mit Kindern und Wissen über das Weihnachtsfest. „Die wichtigste Voraussetzung ist das Kostüm. Es muss aus einem roten Mantel, einer schwarzen oder roten Hose, einer Mütze oder Kapuze, schwarzen Schuhen, einem langen weißen Bart und entweder einer Glocke oder einem Sack bestehen“, erklärt Mitarbeiterin Ana Hartmann. Nach der Kostümvorführung, werde ich in die Weihnachtsmannkartei aufgenommen. „Wir haben derzeit 15 Weihnachtsmänner in unserer Kartei“, sagt Kriebler. „Und jetzt die erste Frau“, ergänzt er lachend.

Bewerbung? Beim Jobcenter?

In Ronnenberg kommt das nächste Kind, ein Mädchen mit seiner Mutter. Die Kleine mit den zwei Zöpfen lacht, als sie mich sieht, und steuert sofort auf mich zu. Hier sind hoffentlich keine kritischen Fragen zu erwarten. „Möchtest du deinen Stiefel abholen?“, frage ich sie. Möchte sie nicht, sie hat keinen abgegeben. Aber wozu ist man der Nikolaus? Ich gebe ihr also einen Schoko-Lutscher und eine Mandarine aus meinem Sack.

Aber damit ist für sie unsere Begegnung noch nicht abgeschlossen. Ich merke, dass sie noch etwas beschäftigt. „Jetzt kann ich meiner Freundin endlich sagen, dass ich den echten Nikolaus getroffen habe“, sagt sie endlich. „Sie sagt immer, dass es den Nikolaus nicht gibt. Aber ich sehe dich ja gerade.“ Siehste. Mein Hiersein zwischen Gurken und Tomaten in Ronnenberg ist der Beweis. Überglücklich geht das Mädchen mit seiner Mutter einkaufen.

Ich bin der Beweis!

Zu keiner Zeit im Jahr denkt man so oft an die eigene Kindheit zurück wie an Weihnachten. Mir selbst sind Nikolaus und Weihnachtsmann zuerst in einem Buch untergekommen, dann immer mal wieder in Geschichten. Und plötzlich, eines Tages, stand der Nikolaus im Kindergarten. Er schaute aus dem Fenster im ersten Stock und fragte, ob wir auch alle artig gewesen seien. Für mich waren damit alle Zweifel beseitigt. Ich war da pflegeleicht.

Bei uns kam der Nikolaus immer schon am 5. Dezember abends und machte seine erste Runde, während wir Plätzchen backten. Ich stellte ein paar vor die Tür, für die Rentiere. Kurze Zeit später lagen auf dem Teller nur noch Krümel - der Nikolaus war da gewesen. Mit diesem Glauben lebte ich jahrelang. Bis an einem heiligen Abend die Geschenke nicht mehr, wie sonst immer, unter dem Baum lagen, als ich vom Krippenspiel nach Hause kam. Damit begann mein Leben ohne Weihnachtsmann.

In Ronnenberg wird mir unterdessen immer heißer in meinem Plastikkostüm. Mein Kissen unter dem Mantel rutscht immer wieder herunter, ständig habe ich falsche Barthaare im Mund. Nikolaus zu sein hat seine Tücken.

Es ist heiß unterm Bart

Der kleine Julian kommt mit seinem Vater und holt seinen Stiefel ab. Reden will er nicht mit mir - er ist schüchtern. Trotzdem merke ich ihm an, dass er sich freut. Wenig später kommt eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter in den Laden, die nicht älter als zwei ist. Ob ich der Tochter einen Lolli schenken darf, frage ich, denn wer weiß heutzutage schon, ob nicht irgendetwas gegen Lollis spricht. Als die Kleine mit den roten Bäckchen sieht, was ich aus meinem Sack hole, ist sie begeistert. Ihre Augen leuchten. Ein Wort bringt sie nicht heraus.

Keine Frage: Ich bin kein dicker, alter Mann. Aber das hat niemanden gestört. Und nach einem Tag im Supermarkt weiß ich: Der Weihnachtsmann ist nicht um seine Arbeitskleidung zu beneiden oder um die Dudelmusik in Supermärkten, nicht um die Arbeitszeiten oder die Abhängigkeit von einer Saison.

Aber um seinen Job schon. Dafür gibt es viele, kleine Gründe.

von Julia Polley

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