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Stadt Hannover Das wird der Hingucker in der Marktkirche
Aus der Region Stadt Hannover Das wird der Hingucker in der Marktkirche
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00:42 23.04.2018
Altkanzler Gerhard Schröder hat der Marktkirche ein Kirchenfenster von Markus Lüpertz spendiert. Quelle: Riemann/Montage
Hannover

 Durch die schmucklosen Scheiben fällt helles Licht ins Gotteshaus. „Dort wird es sein“, sagt Reinhard Scheibe. Der Kirchenvorstandsvorsitzende der Marktkirche zeigt in die Höhe: „Das Fenster wird einen ganz eigenen Akzent setzen“, sagt er. „Ein bedeutendes Kunstwerk – etwas ganz Neues in einer sehr alten Kirche.“

Noch in diesem Jahr soll die Marktkirche ein „Reformationsfenster“ bekommen. Das mittlere der drei großen Fenster an der Südseite soll farbig gestaltet werden – Richtung Marktplatz also, wo die Hannoveraner sich am 26. Juni 1533 feierlich zur Lehre Luthers bekannten. Prominenter Sponsor ist Altkanzler Gerhard Schröder. Als Ehrenbürger Hannovers wolle er seiner Stadt ein Geschenk machen, erklärt dieser. Zudem sei er selbst Mitglied der evangelischen Kirche: „Und da die Marktkirche ein herausragender Ort in Hannover ist, habe ich mich für sie entschieden.“

Aus der Papst-Werkstatt

Derzeit arbeitet die traditionsreiche Glaskunstmanufaktur Derix im hessischen Taunusstein („Päpstliche Hofglasmalerei seit 1908“), die schon Verglasungen für die Sixtinische Kapelle in Rom gefertigt hat, an einem Kostenvoranschlag. Schröder habe aber bereits zugesichert, die Kosten aus seinen privaten Einkünften zu übernehmen, sagt Scheibe. Experten schätzen, dass allein Herstellung und Einbau des etwa zwölf Meter hohen Spitzbogenfensters gut 100 000 Euro kosten könnten. Wie viel Schröder zudem für den Entwurf bezahlt, ist nicht bekannt. Dieser stammt vom Starmaler Markus Lüpertz, einem persönlichen Freund Schröders: „Er ist einer der bedeutendsten lebenden Künstler in Deutschland – ich schätze ihn sehr“, sagt der Altkanzler.

Schon im Januar 2017 hatte der Marktkirchenvorstand entschieden, das generöse Geschenk anzunehmen. Als dann aber der erste Entwurf in Hannover ankam, runzelten einige Kirchenvorsteher doch die Stirn: Lüpertz’ Fenster wirkt in Teilen düster. Eine Collage, die neben Kreuzmustern, einer angedeuteten Engelsfigur und bunten Mosaikflächen auch eine große, weißgewandete Gestalt zeigt: Luther? Eine alttestamentliche Figur? Der segnende Christus? Verstörend wirken auch mehrere große Fliegen, die über das Fenster zu krabbeln scheinen. Als theologisches Symbol haben Fliegen nie eine große Karriere gemacht. Allerdings kommen sie in einer Variante jener Legende vor, in der Luther auf der Wartburg mit dem Tintenfass nach dem Teufel wirft: Dabei zielt der Reformator auf eine Fliege, um dem Symbol des Bösen den Garaus zu machen.

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass dieses Fenster eine Kunstdebatte auslösen kann wie 1974 die Aufstellung der Nanas oder 2007 die Installation von Gerhard Richters Fenster im Kölner Dom, das aus lauter farbigen Quadraten besteht – und dem damaligen Kardinal Joachim Meisner so gar nicht gefiel.

Kritische Fragen

„Einige im Kirchenvorstand hatten schon kritische Fragen und wünschten sich ein Gespräch mit Lüpertz“, sagt Scheibe. Der Künstler war dazu spontan bereit. Im März kam er zu einem vertraulichen Gedankenaustausch im kleinen Kreis in den Bödekersaal. „Es war ein wahnsinniges Erlebnis, den charismatischen Künstler über die Bedeutung des Lichts sprechen zu hören“, sagt ein Teilnehmer der Runde fasziniert. 

„Wir sind Gerhard Schröder außerordentlich dankbar für das großzügige Geschenk“, sagt der Kirchenvorsteher, Kunstfreund und Kanzlervertraute Reinhard Scheibe. „Bei Kirchenführungen wird es künftig noch mehr zu erzählen geben als bisher.“

Landeskirche und Denkmalpflege müssen dem neuen Fenster noch ihren Segen geben. „Wir sind aber zuversichtlich, dass es keine Hindernisse geben wird“, sagt Scheibe. Es sei angepeilt, das Fenster schon am Reformationstag, also am 31. Oktober, einzuweihen. „Aber wenn das nicht klappt, ist das auch nicht schlimm“, sagt Scheibe. Was sind schon ein paar Tage im Angesicht der Ewigkeit.

Kunststar Markus Lüpertz

Er ist gefeiert und umstritten – und mit halbironischer Pose zelebriert er einen Kult um sein eigenes Genie: Markus Lüpertz ist einer der prominentesten Künstler Deutschlands. Der 76-Jährige gilt als Freund des Altkanzlers: Als 2009 seine Skulptur Apollo in Bamberg aufgestellt wurde, hielt Gerhard Schröder die Laudatio. Lüpertz schuf 2001 auch das Wandbild „Die sechs Tugenden“ für das Bundeskanzleramt. „Gott hat die Maler erfunden, damit sie die Welt erklären“, sagte Lüpertz einmal. Immer wieder hat sich der zum Katholizismus konvertierte Künstler mit religiösen Motiven beschäftigt. Unter anderem schuf er auch Kirchenfenster für die Kölner Dominikanerkirche und die Lübecker Marienkirche.

Von Simon Benne

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