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Stadt Hannover Ex-Schüler zieht Strafantrag gegen BBS-Lehrer zurück
Aus der Region Stadt Hannover Ex-Schüler zieht Strafantrag gegen BBS-Lehrer zurück
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00:27 10.06.2018
Am Amtsgericht endeten die juristischen Auseinandersetzungen für den Berufsschullehrer - sein Einspruch gegen einen Strafbefehl hatte Erfolg. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Ein Beleidigungs-Verfahren gegen einen Lehrer der Berufsschule (BBS) 3, der im November 2017 mit heftigen Vorwürfen wegen behaupteter Schmähungen gegenüber Schülern und angeblich rassistischer Äußerungen konfrontiert wurde, ist am Donnerstag eingestellt worden. Der 21-jährige Ex-Schüler und Anlagenmechaniker, der den 49-jährigen Pädagogen angezeigt hatte, zog seinen Strafantrag während der Sitzung bei Amtsrichter Ino Augenreich zurück; damit durfte und musste nicht mehr über den Fall entschieden werden. Die Verhandlung war anberaumt worden, weil der Lehrer gegen einen Strafbefehl zur Zahlung von 2400 Euro Einspruch erhoben hatte.

Die meisten der neun Schüler, die als Zeugen geladen waren, äußerten sich nach dem Prozess überaus positiv über den Pädagogen. Gegenüber der Landesschulbehörde hatten sich diejenigen Heranwachsenden und Ausbilder, die die massiven Anschuldigungen gegen den 49-Jährigen erhoben hatten, nie erklärt, und bei der Justiz war von allen Vorwürfen nur noch der Beleidigungs-Fall übrig geblieben. „Dieser Lehrer ist offenbar zu Unrecht an den Pranger gestellt worden“, stellte Amtsgerichts-Pressesprecher Jens Buck nach der Sitzung fest.

Kommentar zu NPD-Spot

Angeklagt worden war der Pädagoge wegen eines Satzes, den er im Politikunterricht geäußert haben soll. „Blonde Haare, blaue Augen, wähl doch die NPD, das passt doch“, soll er gegenüber einem damaligen Schüler geäußert haben. Die Klasse hatte sich kurz vor der Bundestagswahl TV-Wahlspots aller Parteien angeschaut und darüber diskutiert; dabei hatte der Schüler den NPD-Spot mit dem Satz „Klingt doch geil, kann man wählen“ kommentiert – und sich möglicherweise dadurch die bissige Replik des Berufsschullehrers eingefangen.

Der 21-Jährige versicherte im Gerichtssaal, nichts mit Rechtsextremen am Hut zu haben, und gab ein Mitverschulden an den verbalen Entgleisungen zu. „Ich wusste nicht, dass Sie meinen Spruch gehört haben“, erklärte er in Richtung des Lehrers, „und wenn Ihre Antwort auch nur ironisch gemeint war, ziehe ich meine Anzeige zurück.“ Richter Augenreich ergänzte, dass er diesen Ablauf des Geschehens für sehr wahrscheinlich halte, der Lehrer gab dem Schüler demonstrativ die Hand, und damit war die Sache erledigt.

In Gesprächen mit der HAZ bestätigten Schüler und Lehrer, dass der Umgangston untereinander oft sehr burschikos und kumpelhaft war – im Unterricht oder über soziale Medien wie Facebook und WhatsApp. Nicht alle jungen Leute hatten Lust zum Lernen, das Unterrichten war häufig schwierig, und so versuchte der 49-Jährige einen Zugang zu den Schülern zu bekommen, indem er ihre Sprache sprach. Lange Jahre hatte der Mann in der Heizungs- und Sanitärbranche gearbeitet, war erst vor fünf Jahren als Quereinsteiger an die BBS gekommen. Nach eigenem Bekunden schickte er junge Leute, die sich schlecht benahmen, auch mal nach Hause, zeigte klare Kante. Doch bei vielen traf er offenbar den richtigen Ton. „Der beste Lehrer, den wir je hatten“ und „Der war echt cool“ lauteten die Einschätzungen einiger Schüler vor dem Gerichtssaal.

Wortwahl nicht angemessen

Etliche der ihm in den Mund gelegten Schmähungen, so stellt es der 49-Jährige dar, seien völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden. Einen Satz wie „Morgen gibt es einen Test, dann werdet ihr richtig gefickt“ habe er beispielsweise nie gesagt. Tatsächlich hätten ihn Schüler eines Abends kontaktiert und sich bei ihm beklagt, dass sie am nächsten Tag bei einem anderen Lehrer überraschend einen Test schreiben sollten. Er habe sie versucht zu überzeugen, dass er das nicht ändern könne und sie sich auf den Hosenboden setzen und lernen sollten; in diesem Zusammenhang habe er dann geäußert: „Wenn ihr nicht übt, werdet ihr gefickt.“ Auch andere diskriminierende oder rassistische Äußerungen seien ihm fälschlicherweise zugeschrieben oder völlig verdreht worden.

Die Landesschulbehörde hatte dem Pädagogen wegen seiner gelegentlich „unangemessenen Wortwahl“ eine Abmahnung erteilt und ihm in der betroffenen Klasse vorübergehend einen Kollegen zur Seite gestellt. Von allen strafrechtlich relevanten Vorwürfen blieb nichts übrig; auch die Behauptung, der BBS-Lehrer habe den Hitlergruß gezeigt, wurde entkräftet. Die Schulleitung hatte den Pädagogen weiter unterrichten lassen. „Ich möchte auch gerne weitermachen, es macht mir unheimlich viel Spaß, mit jungen Leuten zu arbeiten“, sagte der Lehrer nach dem Prozess.

Von Michael Zgoll

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