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Stadt Hannover Antiquariat wird am 6.6. 66 Jahre alt
Aus der Region Stadt Hannover Antiquariat wird am 6.6. 66 Jahre alt
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00:35 07.06.2018
Ein Traditionsgeschäft: Ursula-Marlies Mielke und ihr Sohn Stefan Mielke betreiben das Antiquariat am Historischen Museum. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Wer durch diese Tür geht, betritt ein anderes Reich. Der Laden am Holzmarkt ist hell und wirkt doch etwas schummrig. Alte Globen stehen vor ledernen Folianten, in Vitrinen schimmert Tafelsilber. Grimmig blickt Blücher aus einem Gemälde, und auf einem Samtkissen liegt ein Gipsabdruck des Totenschädels von Leibniz persönlich. Und dann sind da natürlich Unmengen uralter Bücher. Alles hier atmet Geschichte, Geheimnis und das Wissen von Generationen. In Fantasy-Filmen bergen verwunschene Geschäfte wie dieses den verborgenen Eingang in sagenhafte Gegenwelten. Doch inmitten dieser Szenerie sitzt kerzengerade und quicklebendig Ursula-Marlies Mielke.

Die elegante Dame blättert in einem F

otoalbum. Ein Bild zeigt einen großen Handkarren zwischen Trümmergrundstücken. „Die Bücherkarre“ steht in alter deutscher Schreibschrift darauf. „Das ist aus der Anfangszeit“, sagt die 84-Jährige. Damals, im Jahr 1952, hatte sie mit ihrem mittlerweile verstorbenem Mann Manfred das Geschäft gerade eröffnet. Ein einziger Raum, seinerzeit noch in der Hohenzollernstraße, und dazu der mit gebrauchten Büchern beladene Karren. Das Antiquariat Mielke wird am 6.6. 66 Jahre alt. Ein Jubiläum ganz eigener Art.

Antiquariate müssen kämpfen

„Nach dem Krieg gab es kaum Bücher, und der Lesehunger war groß“, sagt Ursula-Marlies Mielke. Das Fernsehen war noch keine ernst zu nehmende Konkurrenz, das Internet war Science Fiction. Ein anderes Foto zeigt sie als 19-Jährige zwischen Bücherstapeln. Teils fuhr sie damals mit dem Fahrrad los, um Bücher aufzukaufen.

Heute ist sie die Seniorchefin. Millionen von Büchern gingen in all den Jahrzehnten über ihren Ladentisch. Scharen von Prominenten zählten zu Mielkes Kunden: Die Schriftsteller Ernst Jünger und Uwe Johnson gehörten ebenso dazu wie Walter Kempowski, der sich spontan dazu bereit erklärte, seine eigenen Bücher im Geschäft zu signieren. Politiker wie Gerhard Schröder, Christian Wulff und Herbert Schmalstieg gingen in dem Geschäft ein und aus, das seinen Sitz lange in der Grupenstraße hatte. Und mit Günter Grass diskutierte Ursula-Marlies Mielke in einer Berliner Bar über dessen „Blechtrommel“, die damals gerade erschienen war: „Er war schon ein gut aussehender junger Mann“, sagt sie lächelnd.

Heute haben Antiquariate zu kämpfen. „Nur mit Büchern könnten wir nicht überleben“, sagt ihr Sohn, Stefan Mielke, der das Geschäft heute führt. Landauf, landab klagen Antiquare über den Preisverfall, den der Online-Handel ausgelöst hat. Stefan Mielke hat unlängst eine von Thomas Mann handsignierte Felix-Krull-Erstausgabe für 900 Euro verkauft – früher wäre da deutlich mehr drin gewesen. „Die Preise sind gefallen“, sagt der 49-Jährige mit umwölkter Miene, die sich freilich sofort wieder aufheitert: „Dafür handele ich jetzt zusätzlich mit Antiquitäten – das habe ich immer schon machen wollen.“

Zwischen dem „Adress-Buch des Deutschen Kiautschou-Gebiets“ von 1902 und einer Inkunabel, einem frühen Druck aus dem 15. Jahrhundert (Kostenpunkt: 4200 Euro), finden sich jetzt eben auch historische Uniformen, Ölbilder und Grafiken. Buchhändler sprechen von Non-Book-Produkten. Nur dass diese im Antiquariat eben etwas gediegener ausfallen als anderswo.

Am 6. Juni gibt es in dem Antiquariat neben dem Historischen Museum für Kunden und Freunde einen kleinen Umtrunk.

Von Simon Benne

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