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Stadt Hannover Das erlebt der neue Ordnungsdienst bei Streifgängen
Aus der Region Stadt Hannover Das erlebt der neue Ordnungsdienst bei Streifgängen
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00:17 12.06.2018
Marco Brinkmann (48, li.) und Lars Anfang (40) sorgen als Mitglieder des neuen Ordnungsdienstes für Sicherheit in der Stadt. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Ein Bettler sitzt in der Fußgängerzone und streckt einen Plastikbecher in die Höhe. Neben ihm döst ein Hund, das Tier wirkt apathisch. „Das müssen wir uns genauer anschauen“, sagt Marco Brinkmann, Teamleiter beim städtischen Ordnungsdienst. Zusammen mit seinem Kollegen Lars Anfang spricht er den Bettler an, lässt sich den Impfpass des Hundes zeigen. Sofort springt das Tier auf, wedelt mit dem Schwanz. „Alles gut, der Hund wirkt gesund und gepflegt“, resümiert Brinkmann. Aber besser einmal mehr kontrollieren, denn die Tiere von manchen „Hundebettlern“ seien in bedauernswertem Zustand.

„Wir müssen gut zu Fuß sein“

Bettler kontrollieren, Trinker in Schranken weisen, illegale Müllhaufen melden und nebenbei Knöllchen für Parksünder verteilen – das sind nur einige der Aufgaben, die der neu geschaffene Ordnungsdienst übernimmt. Die Mitarbeiter sollen sich nicht nur auf die Innenstadt konzentrieren, wie ihre Vorgänger von der Servicegruppe Innenstadt, sondern auch durch Grünanlagen streifen und auf Stadtteilplätzen nach dem Rechten sehen. 15  Kilometer pro Tag legen sie dabei durchschnittlich zurück. „Wir müssen gut zu Fuß sein“, sagt Brinkmann. Neue Uniformen haben sie jetzt bekommen, dunkelblau mit rotem Stadtwappen auf beiden Ärmeln. Stichfeste Westen sollen folgen. Die Ausrüstung etwa mit Schlagstöcken und Pfefferspray ist nicht vorgesehen. „Kopf und Mund sind unsere Waffen“, sagt Brinkmann.

Der Erwartungsdruck ist hoch, schließlich will Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) mit dem Ordnungsdienst zeigen, dass die Verwaltung durchgreift. Zuvor hagelte es Beschwerden über lautstarke Trinker auf City-Plätzen, über aggressive Bettlerbanden und lärmende Straßenmusikanten.

24 Ordnungshüter sollen es jetzt richten und die Gemüter wieder beruhigen. Eigentlich soll die Truppe aus 44 Mitarbeitern bestehen, das Bewerbungsverfahren laufe noch, heißt es vonseiten der Verwaltung. Es scheint nicht leicht zu sein, Männer wie Brinkmann und Anfang zu finden, die ihren Job als Dienst für die Bürger verstehen, die Regeln durchsetzen können, aber auch Hilfe anbieten.

Auf dem Weißekreuzplatz haben sich mehrere Trinker in den Schatten verzogen. Es ist glühend heiß, der Rasen verdorrt. Weder Streitereien zwischen Betrunkenen noch laute Musik stören die Mittagsruhe. Das ist keineswegs immer so, wie Anwohner berichten. Manchmal rufen sie die Polizei, weil der Lärm kaum auszuhalten ist, besonders am späten Nachmittag, wenn der Alkoholpegel steigt. „Für den Weiße­kreuzplatz ist eigentlich ein privater Sicherheitsdienst zuständig, im Auftrag der Stadt“, sagt Brinkmann. Aber der Platz liege auf ihrer Tour, und selbstverständlich achte man auf alles. Heute fällt dem Ordnungsdienst ein Kleiderbündel unter einem Busch auf. „Könnte ein schlafender Mensch sein oder die Überreste eines Nachtlagers“, sagt Brinkmann. Beide Ordnungshüter sehen sich das Bündel näher an. Tatsächlich sind es Kleidungsstücke, Brinkmann macht ein Handyfoto und schickt es an das Entsorgungsunternehmen Aha. „Die sollen das entfernen“, sagt er.

Ruhig in brenzligen Situationen

Brinkmann ist eine imposante Erscheinung, groß, breitschultrig, ruhige Augen. Der 48-Jährige ist erst seit zwei Jahren beim städtischen Ordnungsdienst, blickt aber auf 25  Jahre Erfahrung bei privaten Sicherheitsdiensten. Sein Kollege geht erst seit April auf Streife, ist aber kein Anfänger. „Ich habe zuvor als Marktmeister bei der Stadt gearbeitet, da musste ich unter anderem Platzverweise für Bettler auf Wochenmärkten erteilen“, sagt der 40-jährige Anfang. Brenzlige Situationen habe er seit seinem Dienstantritt bei den Ordnungshütern schon häufig erlebt. Erst kürzlich beobachtete er, wie sich neben dem Raschplatz-Pavillon Drogensüchtige mit Pflastersteinen bewarfen. „Wir haben uns nicht eingemischt und wollten die Polizei rufen, aber die kam sogleich“, erzählt der hochgewachsene Mann.

Der Job ist nichts für Zartbesaitete, so viel ist klar. „Wir müssen mit Menschen in Dialog treten, die viele nicht als angenehm empfinden“, sagt Brinkmann diplomatisch. Punks pöbeln herum, wenn ihnen die Ordnungshüter die Rote Karte zeigen, weil sie die Bahnhofstraße mal wieder verengen („Betteltrichter“) und die Musik aufdrehen. Trinker am Raschplatz stoßen Beleidigungen in verschiedenen Sprachen aus, wenn ihnen der Platzverweis droht. „Man braucht ein dickes Fell“, sagt Brinkmann und lächelt. Mit Beschimpfungen müsse man jeden Tag rechnen.

Im Kessel des Raschplatzes herrscht Aufregung. Die Polizei ist angerückt, Sanitäter springen aus dem Rettungswagen. Ein Mann liegt leblos neben der breiten Freitreppe zum Hauptbahnhof. Etwa 20  Trinker stehen herum, palavern, sortieren ihre Flaschen. „Um die Platzfläche kümmert sich die Sicherheitsfirma Protec, wir sind nur für die Treppen zuständig“, sagt Brinkmann. So sorge er mit seinen Kollegen dafür, dass die Treppe begehbar bleibt. „Es kann nicht sein, das die Leute dort nebeneinander sitzen oder herumliegen und niemand durchkommt“, sagt er. Mindestens einmal pro Stunde patrouilliert der städtische Ordnungsdienst am Raschplatz entlang, täglich von Montag bis Sonnabend.

Stündlich zum Raschplatz

Brinkmann und Anfang beobachten das Geschehen auf dem Platz. Der am Boden liegende Mann bewegt sich, die Sanitäter atmen auf. Die beiden Ordnungshüter setzen ihren Weg fort. Solche Szenen gehen ihnen nahe. „Manchmal denke ich: Der alte Mann, der da auf der Straße liegt, das könnte dein Opa sein“, sagt Brinkmann. Auch hochschwangere Frauen habe er erlebt, die völlig betrunken waren. „Ich sehe es als Pflicht an, den Menschen zu helfen“, sagt der Ordnungshüter. Man arbeite eng mit den städtischen Sozialarbeitern zusammen und rufe den Krankenwagen, wenn es nötig ist. „Wir müssen alle als Menschen behandeln“, sagt Brinkmann.

Von Andreas Schinkel

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