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Stadt Hannover Verfolgungsjagd: Betrogene Ehefrau provoziert Unfall
Aus der Region Stadt Hannover Verfolgungsjagd: Betrogene Ehefrau provoziert Unfall
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00:32 08.06.2018
Hava D. - hier mit ihrem Verteidiger Dündar Kelloglu - kam mit einer milden Strafe davon - doch bei ihren Beziehungsproblemen hilft ihr das nicht weiter. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Die betrogene Ehefrau war so verzweifelt, dass sie ihr eigenes Leben, die Gesundheit ihres Ehemanns und seiner Geliebten sowie das Leben Unbeteiligter riskierte. Im Zuge einer Verfolgungsfahrt fuhr Hava D. mit ihrem Opel Astra in Linden-Mitte mehrfach in das Heck des VW-Busses, an dessen Steuer ihr Mann saß, überholte ihn schließlich auf der Davenstedter Straße in Höhe des Real-Marktes in halsbrecherischem Tempo –und verursachte einen Verkehrsunfall. Am Dienstag wurde die 46-jährige Mutter von zwei Kindern vom Amtsgericht wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt. Außerdem bekommt sie ihren Führerschein, den sie bereits im Februar abgeben musste, nicht vor Ablauf weiterer acht Monate zurück.

Auf der Anklagebank saß eine Frau, die einen verzweifelten Eindruck machte, fast die gesamte zweistündige Verhandlung über weinte. Die Lindenerin mit türkischen Wurzeln, die kaum Deutsch spricht, hat offenbar wesentlich größere Probleme als die 900 Euro, die sie nach dem Urteilsspruch von Amtsrichterin Sarah Reetz in Raten abzahlen muss. Denn D. hat ihren Mann offenbar an eine Jüngere verloren – und muss sich nun als Sozialhilfeempfängerin alleine um den zehnjährigen Sohn und die dreijährige Tochter kümmern.

Drama nach dem Ausflug

Der dramatische Vorfall, der einigermaßen glimpflich ausging, ereignete sich an einem Sonntagabend im Oktober 2017 gegen 22.40 Uhr. Mehrfach hatte der 47-jährige Ehemann seiner Frau versichert, die Beziehung zu seiner 28-jährigen Freundin sei beendet. Doch an jenem Tag hatte er mit dieser einen Ausflug nach Quedlinburg gemacht, kehrte erst bei Dunkelheit nach Hannover zurück.

In der Wittekindstraße entdeckte der in der Gastronomie tätige Mann, dass seine eifersüchtige Frau in ihrem Opel auf ihn wartete und ihn sowie die Nebenbuhlerin auf dem Beifahrersitz erkannt hatte. Er gab Gas, Richtung Nieschlagstraße, auf der Davenstedter Straße aber fuhr ihm seine Frau mindestens viermal ins Heck, um ihn zum Anhalten zu bewegen und zur Rede zu stellen. Als er sein Tempo erhöhte –auf 70 bis 80 Kilometer pro Stunde –, überholte ihn Hava D., raste dabei über eine schraffierte Zone mit Straßenbahnschienen und schnitt dem VW kurz hinter Real den Weg ab. Dabei kam der Opel ins Schleudern, touchierte den anderen Wagen, demolierte rechtsseitig vier metallene Absperrpfosten und prallte schließlich gegen einen Baum. Das Paar im VW-Bus überstand den provozierten Unfall unversehrt, die Ehefrau landete – offenbar nur leicht verletzt – im Krankenhaus. Den Schaden an Baum und Pfosten bezifferte die Stadt später mit 1500 Euro, der Astra älteren Baujahrs war schrottreif, und der Schaden am VW-Bus lag bei gut 800 Euro.

„Absolute Ausnahmesituation“

Wie D.s Verteidiger Dündar Kelloglu sagte, habe sich seine Mandantin an jenem Abend in einer „absoluten Ausnahmesituation“ befunden. Die tief gekränkte Ehefrau hätte die Trennung von ihrem Mann schon früher akzeptieren müssen, allerdings habe dieser ihr immer wieder Hoffnung gemacht. „Ich habe nicht bedacht, dass ich andere Menschen gefährden könnte, ich bedauere mein Verhalten sehr“, erklärte der Anwalt im Namen der 46-Jährigen.

Der Staatsanwalt forderte eine Strafe von 1200 Euro, der Verteidiger plädierte für 300 Euro. Richterin Reetz beließ es tatsächlich bei einer Geldstrafe, redete der Angeklagten aber noch einmal ins Gewissen. Bei allem Verständnis für ihre persönliche Situation habe die Frau an jenem Oktoberabend unverantwortlich gehandelt – und dabei viel Glück gehabt. „Es hätten Menschen sterben können bei dieser Verfolgungsjagd“, kommentierte die Strafrichterin das rücksichtslose Überhol- und Ausbremsmanöver Hava D.s in Linden.

Von Michael Zgoll

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