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Stadt Hannover Frau kassiert Sozialhilfe – und verschweigt Vermögen
Aus der Region Stadt Hannover Frau kassiert Sozialhilfe – und verschweigt Vermögen
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00:44 20.05.2018
Suzana L. hielt sich im Gerichtssaal sehr bedeckt - in jeder Hinsicht. Ihr Geständnis wurde von Verteidiger Jan Boße in einem dürren Satz vorgetragen: "Meine Mandantin räumt alle Vorwürfe ein." Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Sie kassierte viereinhalb Jahre lang Sozialleistungen vom Jobcenter in Höhe von 46.500 Euro, außerdem für ein halbes Jahr 1900 Euro Wohngeld. Was Suzana L. verschwieg – auf Konten im Ausland waren 296.223 Euro deponiert, großteils Erlöse aus den Drogengeschäften ihres Mannes. Am Donnerstag verurteilte das Amtsgericht Hannover die 41-Jährige wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten, das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Außerdem muss die Mutter von drei Kindern, die erneut staatliche Unterstützung in Anspruch nimmt, 350 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Sozialleistungsbetrüger wie Sie stellen das ganze System in Frage, sind eine Katastrophe für das Ansehen von Hartz-IV-Empfängern“, redete Richter Olaf Wöltje der Angeklagten ins Gewissen.

Frau soll jetzt mittellos sein

Den Betrag von insgesamt 48.412 Euro, der Grundlage der Anklageschrift war, kassierte Suzana L. zwischen März 2010 und Oktober 2014. Doch tatsächlich schröpfte die Betrügerin den Staat um gut 86.000 Euro: Ein Teil dieser Summe ist ihr vor 2010 ausgezahlt worden, die Strafverfolgung damit einer Verjährung zum Opfer gefallen. Immerhin haben das Jobcenter der Region Hannover und die Stadt Hannover nun einen rechtskräftigen Titel, können 30 Jahre lang versuchen, das zu Unrecht ausgezahlte Geld wieder einzutreiben. Die Ermittlungsbehörden werden  prüfen, ob auf Konten in Serbien und andernorts noch etwas zu holen ist – doch groß ist die Wahrscheinlichkeit nicht. Verteidiger Jan Boße sprach davon, dass seine Mandantin inzwischen „mittellos“ sei. Sichergestellt bei einer Hausdurchsuchung wurde nur ein massiges Chevrolet-SUV.

Dabei sollen die 41-Jährige, die bis vor kurzem in Isernhagen-Süd wohnte, und ihr Lebensgefährte das Geld bis 2014 mit vollen Händen ausgegeben haben. Shopping-Touren nach Miami, Luxuskarossen, teure Uhren und Designerklamotten: Staatsanwältin Martina Sterwerf sprach von einem „ausschweifenden Lebensstil“ und nannte das zusätzliche Abkassieren von Sozialhilfe „dreist“ und eine „Unverschämtheit“. Auch Richter Wöltje sparte nicht mit deutlichen Worten: „Das ist genau das, was wir nicht wollen in unserem Sozialstaat.“ Andere Menschen müssten für die Summen, die das Paar verprasst habe, viele Jahre arbeiten. Der Partner von L. wurde 2015 wegen Drogenhandels zu acht Jahren Haft verurteilt, bis vor kurzem hatte die Frau aber noch engen Kontakt zu seiner Familie.

Betreuer bestellt

Inzwischen, so formulierte es der Amtsrichter, sei das Leben von Suzana L. „komplett in Schieflage“ geraten. Die Mutter von drei Kindern im Alter von 4, 11 und 13 Jahren leidet unter Depressionen, befindet sich in psychiatrischer Behandlung und hat seit vergangenem Herbst einen Betreuer an ihrer Seite. „Meine Mandantin steht vor den Trümmern ihrer Existenz“, sagte Anwalt Boße. Der Großteil des aktuellen Familieneinkommens stammt aus einem Unterhaltsvorschuss von monatlich 1000 Euro für die Kinder. Einer bezahlten Tätigkeit geht die Realschülerin ohne weitere Ausbildung derzeit nicht nach, hat nach eigenem Bekunden auch „noch keine Idee“.

Immerhin gestand die Betrügerin – über ihren Anwalt – die von der Staatsanwaltschaft angeklagten Vorwürfe ein, ersparte dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme. Einen weiteren Grund, L. eine Bewährung  zuzugestehen, sah Olaf Wöltje in der familiären Situation der 41-Jährigen: Man müsse berücksichtigen, dass die Frau drei Kinder großziehe, außerdem habe sie sich jetzt aus dem Umfeld ihres kriminellen Partners gelöst.

Von Michael Zgoll

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