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Stadt Hannover So schlau sind die Roboter in den Messehallen
Aus der Region Stadt Hannover So schlau sind die Roboter in den Messehallen
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00:38 27.04.2018
Matsch mit dem Roboter: HAZ-Redakteurin Juliane Kaune tritt gegen Forpheus an. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

 Reiten war damals angesagt, Jazzdance und Aerobic. Aber ich habe Tischtennis gespielt. Weil man nichts richtig falsch machen konnte dabei. Es war ein kurzer, nicht besonders erfolgreicher Versuch, und er liegt auch schon mehr als drei Jahrzehnte zurück. Wer hätte sich Anfang der Achtzigerjahre wohl vorstellen können, dass man 2018 mal gegen einen Roboter zum Tischtennis-Match antritt?

Forpheus heißt der Gegner, der mit seinen krakenartigen Metallkörper etwas bedrohlich aussieht. Aber er ist, wenn man das von einem Roboter so sagen kann, überaus rücksichtsvoll. „Der will nicht gewinnen, der will, dass Sie das Beste aus ihren Fähigkeiten herausholen“, sagt Siegbert Knaup. Der Vertriebsmanager der Firma Omron ist geschult darin, die Vorzüge der Entwicklungen seines Arbeitgebers zu preisen. Bei Forpheus ist das Miteinander von Mensch und Maschine Programm. Der Roboter in Messehalle 9 gilt als Musterknabe für einen Vertreter der künstlichen Intelligenz, der die Abläufe in der industriellen Arbeitswelt erleichtern soll. Industrie 4.0 heißt das alles beherrschende Stichwort auf der Hannover Messe.

Forpheus beobachtet sein Gegenüber und dessen Bewegungen mit mehreren Kameras, verarbeitet mit bis zu 80 Berechnungen pro Sekunde alles, was er sieht, und stellt sich dann ganz auf seinen Partner ein. Das kann am Fließband ebenso nützlich sein wie an der Tischtennisplatte. Also wird er sich sicher auch schnell auf mein Niveau herablassen – nachdem er für Werbezwecke mit World-Cup-Champion Dimitrij Ovtcharov die Bälle gewechselt hat.

Das ist die Hannover Messe

Die Hannover Messe ist die weltweit wichtigste Industriemesse. Rund 5000 Aussteller aus 75 Ländern zeigen dort ihre technologischen Innovationen. Erwartet werden rund 220 000 Besucher. Einer der inhaltlichen Schwerpunkte sind Roboter der neuesten Generation. Unter den Stichworten „Künstliche Intelligenz“ und „Industrie 4.0“ wird auf der Messe auch gezeigt, wie Roboter die Arbeitswelt verändern werden. Partnerland der Hannover Messe ist in diesem Jahr Mexiko. Die Messe läuft noch bis zum 27. April, geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr. Ein Tagesticket kostet 39 Euro, ermäßigt 17 Euro; das Dauerticket kostet 70 Euro. jk

Mein erster Schlag landet im Netz. Zu bücken brauche ich mich nicht, weil Forpheus stets neue Bälle spendiert. Es wirkt nahezu rührend, wie auch er seine Bälle zielsicher im Netz platziert. Doch wir beide steigern uns. Tischtennis ist offenbar wie Fahrradfahren – man verlernt es nicht. Nach einer Viertelstunde zeigt das leuchtende Display an, dass ich Level 68 erreicht habe. 100 ist das Maximum. 

Derart motiviert geht es zur nächsten Station in Halle 17. Auch hier sind die Muskeln gefordert. Die Innovation der Firma German Bionic sieht aus wie das Trägergestell eines übergroßen Rucksacks für die Treckingtour. Die Konstruktion kommt aber in der Fabrik zum Einsatz – dort, wo Menschen schwer heben müssen. „Rückenschäden sind eine Volkskrankheit“, sagt Eric Eitel, Kommunikationschef des Unternehmens. Darum wurde „Exoskelett Cray X“ entwickelt, das am echten Skelett festgeschnallt wird – zumindest an Armen, Beinen und Hüfte. Mithilfe integrierter Mini-Motoren, gesteuert durch eine Smart-Watch und kontrolliert durch einen Kraftmesser, soll die Hebelast um 15 Kilogramm erleichtert und der Rücken geschont werden.  

Physiotherapeutin Kassandra Bauer, die zum Entwicklungsteam gehört, legt mir „Cray X“ an. Schwerer Ballast. Damit soll alles leichter werden? „Da gewöhnt man sich nach 20 Minuten dran“, versichert Bauer. Außerdem sind die Motoren, die meine Bewegungen unterstützen sollen, noch nicht eingeschaltet. Dann merke ich, dass mir dieses Gestell im wahrsten Wortsinn den Rücken frei hält. Ein gutes Gefühl. Weit weniger angenehm sind die Handy-Fotografen im Business-Look, die sich rund um Stand D 13 gruppiert haben. Eine 15 Kilogramm schwere Hantel ist keine Herausforderung mehr: Sie lässt sich stemmen, als würde sie viel weniger wiegen. „Die Gesundheit des Arbeiters steht im Vordergrund“, kommentiert Eitel meinen sportlichen Einsatz.

Ein paar Stände weiter geht es um die Zukunft des Programmierens. Die soll für jeden offen sein – wenn es nach den führenden Köpfen des Münchener Unternehmens Franka Emika geht. Dazu zählen Sami Haddadin, früher Professor an der Leibniz-Universität, sein Bruder Simon und Sven Parusel. Die drei wollen die Roboterwelt demokratisieren und Maschinen bauen, die jeder bedienen kann. Ihre Vision wurde mit dem Deutschen Zukunftspreis belohnt. Einen kleinen Ausschnitt davon können Messegäste schon jetzt erleben. Die Aufgabe: Der armförmige Roboter Panda soll ein iPhone samt Stecker und Kopfhörern in die dazugehörige Box sortieren. „Das ist nicht schwerer, als ein iPhone zu bedienen“, sagt Softwareentwicklerin Saskia Golz. 

Klingt gut. Nun lerne ich im Schnellverfahren, wie sich mit speziellen Apps die in einem Laptop bereits gespeicherten Befehle für Panda aktivieren lassen. Für jede seiner späteren Bewegungen muss ich den Roboter erst neu justieren und die entsprechende Position wiederum speichern. Das Ergebnis ist verblüffend: Ich drücke auf den Start-Knopf, und Panda packt fehlerfrei zuverlässig alles ein, was vor ihm liegt. Ich kann programmieren! 

Dass die Maschinen nie ganz ohne den Menschen auskommen werden, will die Smart Factory in Halle 8 beweisen. Dort bekommen Besucher einen Eindruck, wie ein Fabrikarbeiter bei seinem Job optimal unterstützt werden kann. Ein RFID-Chip auf den Bauelementen weiß bereits, zu welchem Produkt sie werden sollen. Jeder Arbeitsgang wird mir mit einfachen Symbolen auf dem Computermonitor  angezeigt, ich führe ihn entsprechend aus. Das ist virtuelle Realiät und echte Handarbeit. Am Ende darf ich sogar den Gummihammer schwingen, um die Elemente zusammenzupressen. Und nun habe ich ein Kästchen für Visitenkarten. Das kann man auf der Messe immer gebrauchen.

Von Juliane Kaune

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