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Stadt Hannover So unqualifiziert sind Bewerbungen bei Handwerks-Betrieben
Aus der Region Stadt Hannover So unqualifiziert sind Bewerbungen bei Handwerks-Betrieben
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14:46 21.02.2018
„Glücksboten, Wohnraumheiler und Fassadenflüsterer“: Malermeister Matthias Schultze (links) mit seinem Mitarbeiter Mario Kunze. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

 Unter der Trittleiter stehen Säcke mit Füllspachtel. Eimer, Pinsel und Farbrollen gruppieren sich auf dem Fußboden zu einem Stillleben aus der Welt des Handwerks. Ein Einfamilienhaus im Osten Hannovers bekommt ein neues Gesicht, und Malermeister Matthias Schultze spricht mit einem Gesellen noch ein paar Details durch.

Seit 18 Jahren führt Schultze die Malerfirma Heyse, er hat sie schon von seinem Vater übernommen. Ein Traditionsbetrieb mit 30 Mitarbeitern. Der 44-Jährige gerät noch immer ins Schwärmen, wenn er vom Malerhandwerk spricht: „Jeden Tag sehe ich, was ich getan habe“, sagt er. Er erzählt vom Arbeiten mit den Händen und davon, wie kreativ ein Maler mit Farben Emotionen schaffen kann. „Wir sind Glücksboten, Wohnraumheiler und Fassadenflüsterer“, hat er in seinem Blog geschrieben. Und trotzdem hat seine Branche ein Problem.

„Es fehlt an Zuverlässigkeit“

Auf Facebook hat Schultze vor kurzem ein Video gepostet. Einen fast schon dramatischen Appell, sich bei ihm als Maler zu bewerben: „Männer, Frauen, Quereinsteiger – das ist mir alles echt total egal“, sagt er beschwörend in die Kamera. „Da interessiert es uns weniger, was du bisher gemacht hast“, sagt er in dem Film. Er suche eben einfach Gesellen, „mit denen wir wirklich was anfangen können“. Und: „Wir haben es auch langsam satt, irgendwelche Bewerbungen auf dem Tisch zu bekommen, wo man schon lesen kann, dass man keinen Bock hat.“

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Gepostet von Matthias Schultze am Montag, 5. Februar 2018

Der Malermeister steht auf der Baustelle und ringt mit den Händen. „Wir haben ein Problem, offene Stellen zu besetzen“, sagt er. Es gebe kaum Bewerber für Ausbildungsplätze, und diejenigen, die sich melden, seien oft wenig qualifiziert: „Das Bildungsniveau ist so schlecht wie nie“, sagt er. In der Schule kämen Wirtschaftsfächer oft zu kurz: „Vieles, was Handwerker im Beruf brauchen, lernen sie dort nicht.“ 

In Vorstellungsgesprächen stellt er oft einfache Fragen: Wenn man zwei Eimer Farbe mit je 15 Kilo hat und insgesamt zehn Kilo wegnimmt –was bleibt übrig? Oder: Wieviel sind 8,5 Prozent von 100 Euro? „Manche rechnen sich dann einen Wolf, und einige stoßen da schon an ihre Grenzen“, sagt Schultze. Und nicht nur das: „Lesen und Schreiben könnten wir den Leuten schon beibringen, aber es fehlt auch an Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Einsatzbereitschaft.“

Die Lage ist dramatisch

Mit seinen Problemen steht Schultze nicht allein da; seine ganze Branche ist gebeutelt. „Vor fünf Jahren hätte ich noch gesagt, dass der Fachkräftemangel uns nicht betrifft“, sagt Malermeister Ralph Sensing aus Langenhagen, der auch Innungsobermeister für die Region Hannover ist. Damals gingen in seinem Betrieb, der 19 Mitarbeiter hat, noch rund 100 Bewerbungen im Jahr ein. „Jetzt sind es noch etwa zehn – und von denen sind vielleicht zwei so gut, dass sich ein Vorstellungsgespräch lohnt.“ Die wenigen geeigneten Aspiranten seien in der Branche mittlerweile heiß umkämft. Und bei Klempnern, Dachdeckern oder Kfz-Mechatronikern ist die Lage noch dramatischer.

Im vergangenen Jahr hat Patrick Lalk, Malermeister aus Großburgwedel, mit einer Stellenanzeige bundesweit für Aufsehen gesorgt. „Du bist nicht komplett verpeilt, bist in der Lage, Dich selbst im Supermarkt mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen“, hieß es darin sarkastisch: „Du kannst die Uhr lesen, musst nicht alle drei Minuten eine WhatsApp schreiben, beherrschst die Grundrechenarten, kannst Dich in deutscher Sprache verständigen...“. Interessenten, die sich vorstellen könnten, „mindestens fünf Mal die Woche zu arbeiten, ohne gleich an einem Burnout-Syndrom zu erkranken“, bat er, sich bei ihm zu bewerben.

Malermeister Lalk kann von Jugendlichen erzählen, die mit ihren Müttern zum Bewerbungsgespräch kamen – und mitten im Gespräch plötzlich anfingen, auf ihren Handys herumzutippen. Von Bewerbungen, die auf ein abgerissenes Stück Papier geschrieben waren. Und von jungen Leuten, die sich bei seinem Malerbetrieb als Tierpfleger bewarben. „Vernünftige Bewerbungen sind inzwischen die Ausnahme“, sagt er.

Gute Bewerbungen sind die Ausnahme

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass mancher Malergeselle mit einem Nettolohn von etwa 1600 Euro nach Hause geht. Der sprichtwörtliche goldene Boden des Handwerks wird eben nicht jedem Handwerker zuteil. „Arbeit lohnt sich für viele derzeit schlicht nicht“, konzidiert Malermeister Schultze. Er erwarte von der Politik, dass Ausbildungsbetriebe stärker unterstützt werden, mit Steuervorteilen oder Prämien. Einen Teil könnten die Chefs dann an die jungen Mitarbeiter weitergeben. „Und wir Handwerker müssen unser Image aufpolieren“, sagt er.

Sein Kollege Patrick Lalk hat nach seiner sarkastischen Stellenanzeige inzwischen zwei mögliche Azubis gefunden. „Einen Syrer, der einen vernünftigen Eindruck machte“, sagt er, „und einen Förderschüler, der sich im Praktikum gut gemacht hat.“ Als der 15-Jährige einmal den Bus verpasste, rief er sofort an, dass er sich um zehn Minuten verspäten würde – und kam dann kurzerhand mit dem Skateboard aus dem Nachbarort. „Das hat mir gefallen“, sagt Lalk. Es gibt sie eben doch, die jungen Leute, die aus der Baustelle ihres Lebens ein Leben auf der Baustelle machen wollen. Man muss allerdings lange nach ihnen suchen.

Freie Lehrstellen im Handwerk in Hannover

Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik 34

Augenoptiker 37

Automobilkaufmann 17

Bodenleger 5

Bäcker 8

Dachdecker 28

Elektroniker 45

Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk 35

Fahrzeuglackierer 6

Fliesen-, Platten- und Mosaikleger 6

Friseur 35

Gebäudereiniger 11

Glaser 7

Hörakustiker 9

Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker 12

Konditor 7

Kraftfahrzeugmechatroniker 44

Maler und Lackierer 30

Maurer 11

Metallbauer 12

Parkettleger 11

Tischler 13

Zahntechniker 8

Zimmerer 5

Angaben nach der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer für die Region Hannover, ausgewählte Berufe, Stand: Mitte Februar 2018. Quelle: www.hwk-hannover.de 

Von Simon Benne

Ein Landschaftsgärtner beschädigte in Marienwerder mit der Bürste seines Spezialfahrzeugs ein Garagentor.  Sein Geständnis ließ auf sich warten – und am Ende kam er mit einer Strafe von 1200 Euro davon.

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Der Bedarf ist groß und eigentlich müsste viel mehr gebaut werden. Aber der Bau von Häusern in der Region kommt nur schleppend voran, wie der Bericht des Gutachterausschusses zeigt. 

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Das Finanzamt in Hannover verlangt für das Panorama im Zoo den vollen Steuersatz. Damit ist der Zoo nicht einverstanden. Denn in anderen Bundesländern wird der ermäßigte Steuersatz kassiert. 

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