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Stadt Hannover Als die Filmstars nach Hannover kamen
Aus der Region Stadt Hannover Als die Filmstars nach Hannover kamen
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00:22 11.02.2019
Im Jahr 1992 wurden die Weltspiele zum Veranstaltungszentrum: Konni Konstanski, Pamela Müller, Hildegard Rademacher, Christine Hoppe, Jörg Bartels (v.l.). Quelle: Jochen Lübke
Hannover

Auf Hildegard Knef ist sie gar nicht gut zu sprechen. „Das war eine alte Zicke“, sagt Hildegard Rademacher unumwunden. „Die hat gemeckert, weil wir kein Bügeleisen da hatten, um vor der Filmpremiere noch ihre Bluse zu plätten.“ Sie dreht eine Autogrammkarte von der Knef in den Händen. Auf dem Tisch vor ihr liegen auch Autogramme von Horst Buchholz, Gustav Knuth und Bibi Johns. „Bei uns waren sie alle“, sagt Hildegard Rademacher und nickt zufrieden.

"Freddy war mir am liebsten": Hildegard Rademacher verwahrt bis heute Autogrammkarten ihrer Lieblingsstars - und ein großes Porträt von Freddy Quinn. Quelle: Benne

Wenn sie von den vielen Stars erzählt, die ihren Weg kreuzten, leuchten ihre Augen. Dann sieht man der agilen kleinen Dame nicht an, dass sie am Montag ihren 100. Geburtstag feiert. Noch vor wenigen Monaten lebte sie allein in ihrer Wohnung in der List, dann zog sie um in ein Seniorenheim. Bis vor etwa zwei Jahren war sie sogar noch berufstätig: An einem Arbeitstag in der Woche kümmerte Hildegard Rademacher sich um Hausverwaltung und Buchhaltung der Familie ihres langjährigen Chefs, des „Kinokönigs“ Robert Billerbeck.

Im Jahr 1966 lief in den Weltspielen „Die grüne Stute“. Quelle: Heinz Koberg

Vico Torriani sang im Klo

Bei Billerbeck hatte sie im Dezember 1947 angefangen. Der Kohlenhändler hatte von den Briten die Erlaubnis erhalten, im Gloria-Palast an der Hildesheimer Straße Filme zu zeigen. Später betrieb er allein in Hannover bis zu 17 Kinos, darunter die Weltspiele in der Georgstraße und die Grenzburg an der Podbi. Hildegard Rademacher war bald die Seele des Betriebs: Sie kümmerte sich um Schriftwechsel und Büroarbeiten, kuratierte das Programm und holte Filmrollen vom Bahnhof ab. Und sie betreute Filmstars.

„Bei Premieren kamen die großen Schauspieler nach Hannover“, erinnert sie sich. Als Curd Jürgens 1955 zur Welturaufführung von „Des Teufels General“ anreiste, holte sie ihn vom Flughafen ab. Im selben Jahr gab sich Vico Torriani die Ehre, um „Ein Herz von Musik“ vorzustellen. Hunderte Fans umlagerten die Weltspiele. Torriani erschien verkleidet als Straßenkehrer. „Bei einem Preisausschreiben sollte derjenige den Hauptgewinn bekommen, der ihn zuerst erkannte“, sagt die 99-Jährige. Um den zahlreichen Fans eine Freude zu machen, schmetterte der Star ein paar Songs aus dem kleinen Fenster der Kino-Toilette.

Hannover war Kinohochburg

Die deusche Uraufführung des Hitchcock Thrillers "Psycho" mit Anthony Perkins im Kino Weltspiele. Kinobesucher stehen Schlange vor dem Eingang, Motorroller parken vor dem Eingang. Quelle: Wilhelm Hauschild

„Die wenigsten Menschen hatten einen Fernseher, und nach dem Krieg suchten alle ein bisschen Zerstreuung“, sagt die 99-Jährige. Hannover entwickelte sich zur Kinohochburg: Zeitweise gab es in der Stadt 52 Lichtspielhäuser mit mehr als 28 000 Plätzen. Und Verleihfirmen entdeckten Hannover als idealen Premierenort. Besonders die Weltspiele, mit gut 1100 Plätzen das größte Kino der Stadt, zählten zur den ersten Adressen des deutschen Films. Das Haus beschäftigte bis zu 22 Platzanweiserinnen und fünf Kassiererinnen.

Wiederholt musste die Georgstraße bei Filmpremieren gesperrt werden. Auch als Freddy Quinn „Die Gitarre und das Meer“ vorstellte, war der Andrang gewaltig. Um ihn wieder heil ins Hotel zu bringen, bestellte Hildegard Rademacher vier Taxis: In drei stiegen Kino-Mitarbeiter ein, um die Fans abzulenken. Der Sänger verschwand durch den Seiteneingang zum vierten. „Freddy war mir von allen am liebsten“, sagt die 99-Jährige und hält seine Autogrammkarte hoch: „Herzlichst für Fräulein Rademacher, ,unsere Hilde’“ hat er darauf geschrieben.

Welturaufführung in den Weltspielen: Hunderte Fans umlagerten das Kino, als dort 1955 "Ein Herz voll Musik" zu sehen war. Quelle: Hildegard Rademacher

Dem trinkfesten Hans Albers überreichte sie bei der „Blaubart“-Premiere eine Fünf-Liter-Flasche Cognac. Er stellte sie hinter dem Vorhang ab – und stieß sie dann um: „Das ganze Kino stank nach Alkohol“, erinnert sie sich schmunzelnd. Und bei der Uraufführung von „Es kommt ein Tag“ kredenzte der Filmproduzent Hans Abich der jungen Maria Schell 1950 eine kleine Glocke: „Dem Schellchen eine Schelle.“ In dem Film spielte auch Dieter Borsche mit, der aus Hannover stammte. „Sein Vater hatte immer Angst, dass Dieter mit der Schell etwas anfangen könnte – er war doch schon verheiratet“, sagt sie.

Die Vorstellungen in den großen Sälen dauerten oft lange. „Nach der Wochenschau kam erst ein kurzer ,Kulturfilm’ – wenn man den vor dem Hauptfilm zeigte, bekam das Kino steuerliche Vergünstigungen“, sagt sie schmunzelnd. Dann kam mit dem Siegeszug des Fernsehens der Niedergang der Lichtspielhäuser. Es entstanden stillose Schachtelkinos, später machten Multiplexe wie das Cinemaxx vielen Traditionshäusern den Garaus. „Als die Weltspiele 1993 abgerissen wurden, bin ich noch einmal hingefahren und habe ein paar Tränen vergossen“, sagt Hildegard Rademacher. Für einen Moment wird sie etwas wehmütig. „Das Kino war mein Leben.“

Kinokönig Billerbeck und seine Lichtspielhäuser

Von Haus aus war er Kohlenhändler, doch Karriere machte Robert Billerbeck (1920 bis 1993) als „Kinokönig“. Allein in Hannover betrieb er zeitweise 17 Lichtspielhäuser, unter anderem auch das Kino im Anzeiger-Hochhaus. Gleich nach dem Krieg baute er den zerstörten Gloria-Palast an der Hildesheimer Straße wieder auf; im Oktober 1945 eröffnete er hier Hannovers erstes Nachkriegskino. Es existierte bis 1980, dann wich es dem Maritim-Neubau. Heute ist dort das Dormero.

Die Weltspiele in der Georgstraße waren das Flaggschiff unter Billerbecks Kinos. Das Traditionshaus wurde 1949 wiedereröffnet, fünf Jahre darauf verbreiterte man die Leinwand auf 13 Meter. Im Sommer 1992 schloss das Kino. Die Weltspiele existierten noch als Veranstaltungszentrum und Techno-Disco fort. Ende 1993 wurden sie geschlossen, das Haus wurde für den Neubau einer Woolworth-Filiale abgerissen.

Das Gloria-Center eröffnete Billerbeck 1974 in den früheren Räumen des „Hannoverschen Kuriers“ an der Georgstraße. Hier gab es drei Säle: Gloria, Intimes und das Raucherkino Smoky. Nach Billerbecks Tod gab dessen Witwe Liesel den Betrieb 1993 auf. Die Sitze wurden für fünf Mark das Stück verkauft – und erinnern bis heute in manchem Partykeller an Hannovers verschwundene Kinos.

Von Simon Benne

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