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Stadt Hannover Diskussion über Reformation und Judentum
Aus der Region Stadt Hannover Diskussion über Reformation und Judentum
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19:18 30.10.2018
Versöhnliche Töne: Landesbischof Meister (l.) und Rabbiner Lengyel in der Marktkirche. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Die Forderungen könnten aus dem „Stürmer“ stammen: Luther verlangte, dass man Juden ihr Hab und Gut abnehmen, sie selbst zur Arbeit „im Schweiß ihrer Nasen“ zwingen solle und dass man „ihre Synagoga oder Schulen mit Feuer anstecke“. Ein Freund des interreligiösen Dialogs war der Reformator nicht; seine Tiraden waren der Hauptgrund dafür, dass viele Juden den Reformationstag nicht zum gesetzlichen Feiertag machen wollten.

Unter dem Titel „Was gesagt werden muss“ sprachen nun Landesbischof Ralf Meister und der liberale Rabbiner Gabor Lengyel am Vorabend des Reformationstags in der Marktkirche über den wunden Punkt. Zwei kluge Köpfe, ein heikles Thema.

Fast beschwörend versicherte Meister, dass die Kirche sich intensiv mit der eigenen Schuld und mit Luthers Judenfeindschaft auseinander setze, die im Widerspruch zum Glauben stehe: „Der Reformationstag soll ein Feiertag für und mit anderen sein“, sagte er. Auch Lengyel gab sich in der Veranstaltung, die vom Ensemble „Die 3 Kantoren“ musikalisch stimmungsvoll umflort wurde, versöhnlich. Dass der Reformationstag nun trotz seiner Bedenken gesetzlicher Feiertag geworden sei, nahm er sportlich: „Wir müssen nach vorne schauen, wie nach einem verlorenen Fußballspiel.“

Lengyel rief zum gemeinsamem Kampf gegen Rassismus und für politisches Engagement auf, lobte die vielen Brückenschläge zwischen Christen und Juden – und fand sogar freundliche Worte für die Reformation. Auch im Judentum gebe es viele heute nicht mehr akzeptable Vorschriften: „Allein über die Rolle der Frauen könnten wir eine ganze Menge von euch und der Reformation lernen.“

Viel war an diesem Abend von Freundschaft und Gemeinsamkeit die Rede. Gleichwohl werden sich an Luthers Judenhass noch Generationen von Theologen abarbeiten müssen. Im Schweiße ihrer Nasen, könnte man sagen.

Viele evangelische Gemeinden feiern den Reformationstag am 31. Oktober mit bunten Veranstaltungen.

Von Simon Benne

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